Sport und Gesellschaft

Der „Oscar des Breitensports“ wird trotz Corona verliehen

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Frederik Büll
Die Trophäe, um die es geht. Der Preis „Großer Stern des Sports“ sucht auch in 2021 würdige Empfänger bei Vereinen, die sich über das Sporttreiben hinaus mit gesellschaftlichen und sozialen Projekten hervortun.

Die Trophäe, um die es geht. Der Preis „Großer Stern des Sports“ sucht auch in 2021 würdige Empfänger bei Vereinen, die sich über das Sporttreiben hinaus mit gesellschaftlichen und sozialen Projekten hervortun.

Foto: Sebastian Koch / DOSB

Vereine können sich bis Ende Juni für „Sterne des Sports“ bewerben; begonnen wird auf lokaler Ebene. Vorjahresfinalist VfL macht mit

Pinneberg.  „Wir haben lange nachgedacht und diskutiert, ob wir in diesem Jahr überhaupt den Wettbewerb Sterne des Sports durchführen wollen“, sagte Uwe Augustin, Vorstand der VR Bank in Holstein. Schließlich würden der Sport und die Sportvereine unter der Corona-Krise leiden und hätten womöglich andere Sorgen als Projekte zu präsentieren. Letztendlich fiel dann doch die Entscheidung gegen den Sterne-Lockdown: „Es soll ja auch eine Motivation sein, ein Blick nach vorn. Dieser Wettbewerb soll eine Bühne bereiten, in diesem schwierigen Umfeld auf sich aufmerksam zu machen. Wir hoffen ja alle, dass wir das Licht am Ende des Tunnels erkennen.“

Verbunden mit der Hoffnung auf weitere Lockerungen, die dann auch im Sportbereich greifen, solle aufgezeigt werden, „was Sportvereine leisten für die Gesellschaft.“ Seit Anfang April bis zum 30. Juni können sich Vereine mit einem Projekt bewerben, das einem sinnvollen Zweck dient und über den rein sportlichen auch einen gesellschaftlich oder ökologisch einen innovativen Mehrwert bietet. „Dieses ehrenamtliche Engagement, welches tagtäglich in unseren Sportvereinen erbracht wird, soll gewürdigt werden“, sagt Augustin.

Seit 2004 werden die Sterne des Sports gesucht

Bereits seit 2004 gibt es den Wettbewerb „Sterne des Sports“, der gemeinsam vom Deutschen Olympischen Sportbund und den Volksbanken und Raiffeisenbanken veranstaltet wird. Das Gewinnen steht dabei nicht zwingend im Vordergrund. „Es geht nicht wie bei allen anderen sportlichen Wettbewerben um ‘höher, schneller, weiter‘, sondern es geht um Fairness, Toleranz und Verantwortung oder Klimaschutz“, sagt Bettina Fischer, Beraterin der Bürgerstiftung der Holsteiner VR Bank. Auch neue Trainingsinhalte, die aufgrund der speziellen Herausforderungen der Corona-Krise entstanden sind, könnten als Projekt eingereicht werden.

2019 waren 19 Vereine aus der Region dabei, 2020 waren es zwölf, die unter dem Dach des Kreissportverbands Pinneberg sich für einen Stern des Sports empfehlen wollten. Teilweise hatte es in der Vergangenheit bereits Bewerber aus dem Kreis Steinburg gegeben. Nun ist in diesem Jahr der Sternenhimmel auch offiziell erweitert worden: Neben dem KSV Steinburg bietet auch der KSV Segeberg seinen Vereinen diese Plattform ausdrücklich an.

Der Wettbewerb 2020 bringt dem VfL 8000 Euro Preisgeld

Auch wenn es nicht um Erfolge geht, so hat der VfL Pinneberg doch beim letzten Wettkampf neben enormer Aufmerksamkeit für das Comic-Projekt „Stopp! Nicht mit mir“ mit seinem Siegeszug auch einen feinen Geldregen generieren können. Mit der Aktion zum Kinderschutz, die sowohl Kindern als auch Trainern in bestimmten Situationen als Handlungsempfehlung dienen soll, gab es insgesamt 8000 Euro Preisgeld. Auf Kreis-Ebene gab es den bronzenen Stern, im Landeswettbewerb folgte die Silber-Variante, bei der bundesweiten Online-Verleihung entschied sich die Jury für drei andere Projekte – somit gab es für den VfL den mit 14 anderen Ländersiegern einen geteilten vierten Platz.

Aufgrund der Pandemiesituation fiel die große Verleihung in Berlin aus, bei der sich in der Vergangenheit im Wechsel Bundeskanzler(innen) und Bundespräsidenten live die Ehre gaben. Sie musste komplett im virtuellen Raum stattfinden. Die VfL-Jugendvorsitzende Jana Glindmeyer, eine der Initiatorinnen der Aktion, gewann als krönenden Abschluss des bisher einmaligen Erfolgsweges den Publikums-Preis in Gold und hat damit jetzt alle Sterne gesehen.

Das rundum positive Echo auf die Comicaktion überwältigt die Initiatorin

„Ich war völlig überwältigt und wir haben uns einfach sehr gefreut, dass ein eigentlich negativ behaftetes Thema so eine positive Aufmerksamkeit bekommen hat und auch immer noch bekommt“, sagte sie. Es gab Glückwünsche, Rück- und Anfragen aus ganz Deutschland.

In Corona-Zeiten findet der Kontakt, um das sensible Thema weiter im Verein zu verbreiten, meist online statt. Das Preisgeld soll in der Fortführung des Projekts und im Kinderschutz verweilen. Es sollen – wenn es möglich ist – Selbstbehauptungskurse gegenüber Erwachsenen mit verbaler und non-verbaler Kommunikation für Kinder und Jugendliche angeboten werden. „Es waren sehr aufregende Wochen und Monate. Wir wollten mit diesem Thema Aufmerksamkeit erzeugen und eine Kultur des Hinschauens schaffen, wie sich sowohl Kinder als auch Eltern sicher und geborgen bei uns im Verein fühlen können“, erinnert sich VfL-Geschäftsführer Uwe Hönke an eine Zeit, die mit der Bundesverleihung Anfang 2021 ihren vorläufigen Höhepunkt fand.

Ein Schlusspunkt soll dies aber nicht sein. „Es ist ein fortlaufender Prozess und da wird das Geld einfließen. Auch für Fort- und Ausbildungen. Möglichst in der Präsenz-Variante. Auch das Comic soll weiterentwickelt werden. Die Ideen gehen uns also nicht aus“, sagt Hönke.

Auch 2021 wird der VfL Pinneberg am Wettbewerb teilnehmen

Auch in diesem Jahr wird der Club an den Sternen des Sports teilnehmen, die Furcht vor einer Fallhöhe gibt es nicht: „Es geht doch darum zu zeigen, was man an inhaltlicher Arbeiter leistet, dann ist es irrelevant oder zumindest zweitrangig, ob man den ersten, zweiten oder dritten Platz erreicht hat. Wir haben uns praktisch jedes Jahr beworben als VfL Pinneberg und unterschiedlichste Platzierungen bisher erreicht. Mit Sicherheit werden wir uns mit einem Projekt auch in diesem Jahr beteiligen.“ Für die Clubs aus den drei Regionen gibt es Preisgelder ab dem 11. Platz (150 Euro) bis 2500 Euro für den Sieger.

„Wir freuen uns auf viele unterschiedliche Bewerbungen mit kreativen und innovativen Ideen bei den Sternen des Sports – dem „Oscar des Breitensports“, sagt Himmet Kaysal, Vorsitzender des Kreissportverbands Steinburg. Der KSV-Segeberg-Geschäftsführer Sven Neitzke hofft auf viel Resonanz, auch über Dritte: „Wer Sportvereine kennt, die eine Auszeichnung für ihre tolle Arbeit verdienen, sollte ihnen eine Bewerbung empfehlen.“ Für den Kreissportverband Pinneberg formuliert Geschäftsführer Karsten Tiedemann den Reiz, den „Sterne des Sports“ ausstrahlt: „Dieser Wettbewerb hat auch im 16. Jahr der Zusammenarbeit zwischen VR Bank und KSV nichts an Attraktivität verloren. Jährlich überraschen uns die Vereine mit ihrer Kreativität und Vielfalt.“

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