Basketball

Der „Kopfmensch“ aus Wedel bewährt sich in der Bundesliga

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Frederik Büll
Der Ex-Wedeler Thore Bethke ist nun Co-Trainer bei Basketball-Bundesligist Fraport Skyliners.

Der Ex-Wedeler Thore Bethke ist nun Co-Trainer bei Basketball-Bundesligist Fraport Skyliners.

Foto: Fraport Skyliners / HA

Thore Bethke (25) hat von der U 10 an beim SC Rist das Basketball-Einmaleins gelernt. Nun ist er Co-Trainer bei den Fraport Skyliners

Wedel. Thore Bethke (25) macht keine halben Sachen. Es sei denn, es geht um die Kombination aus Basketball und Studium. Der Exil-Wedeler zählt zu den drei Assistenztrainern beim hessischen Basketball-Bundesligisten Fraport Skyliners und studiert parallel an der Frankfurter Goethe-Universität auf Lehramt, Fächerkombination Sport und Geschichte.

Mittlerweile ist er im 10. Semester, ein exaktes Ende ist noch nicht in Sicht. „Es war von Anfang an die Idee, mich so viel wie möglich parallel mit Basketball zu beschäftigen. Die Gewichtung ist schon etwa Fifty-Fifty“, sagt Bethke, der seit 2016 in der Mainmetropole wohnt. Bethke ist kein Bummelstudent. Er sammelt Wissen, stellt sich Herausforderungen, arbeitet Dinge nacheinander ab. Seine Trainer-B-Lizenz hat er seit gut zwei Jahren in der Tasche, die A-Lizenz folgt voraussichtlich im Sommer 2022. Im „Vorbeigehen“ nimmt er noch die Ausbildung zum Jugendtrainer der BBL mit.

Drei Jahre nach dem Wechsel holt der Jugendcoach die Deutsche Meisterschaft

2019 holte das Frankfurter U14-Team unter seiner Führung die deutsche Jugendmeisterschaft. In der Corona-Saison war er achtmal neben Headcoach Sebastian Gleim und dem festen Co-Trainer Klaus Perwas in Deutschlands höchster Spielklasse dabei. „An die Abläufe habe ich mich schnell gewöhnt, aber die gestandenen Spieler verhalten sich schon anders als Jugendliche. Da muss man viel Neues lernen“, so Bethke, der die Fraport Halle bei Erstligaspielen nur ohne Zuschauer kennt.

Bethke hatte Wegbereiter Richtung Frankfurt: Erst wechselte Sebastian Gleim (SC Rist von 2009 bis 2014) zu den Skyliners, dann folgte Thomas Koch 2015, der zuvor vier Jahre die Wedeler Jugendarbeit geprägt hatte. 2016 folgte Jugendcoach Bethke – im Alter von 19 Jahren.

Bethke möchte in seiner Karriere als Trainer keinen Schritt überspringen

Jetzt, wo Gleims Abgang nach Crailsheim feststeht, ist doch der Weg frei, den 36-Jährigen als jüngsten BBL-Trainer abzulösen? „Das möchte ich weder bestätigen noch dementieren. Aber im Ernst: Von meinem Naturell her bin ich eher ein Jugendtrainer. Zumindest Stand jetzt, das kann sich ja noch ändern. Die ganze Coaching-Sache nimmt viele Jahre in Anspruch und ich möchte keine Schritte überspringen, um mich zu entwickeln und zu wachsen“, sagt Bethke. Nur so könne sich „eine ganzheitliche Idee vom Basketball“ entwickeln. Vor allem in der Jugend gehe es darum, ein „megakomplexes Spiel begreifbar zu machen und Entwicklungsprozesse zu stimulieren“, ohne die individuellen Freiheiten des Einzelnen auf dem Feld zu sehr zu beschränken.

Der Nachwuchscoach bezeichnet sich selbst als einen Kopfmenschen

Derartige Seriosität, ein klares Ge­dan­kengut kombiniert mit Fleiß und Zielstrebigkeit, ist in so jungem Alter eher die Ausnahme. Hat er überhaupt schon einmal etwas richtig Wildes gemacht oder auch mal Mist gebaut? „Da bin ich ein unspektakulärer Gesprächspartner. Das ist wohl so eine Coaches-Krankheit“, meint der Student. Thore Bethke ist Kopfmensch, das streitet er gar nicht erst ab: „Als Trainer hinterfragst du eh alles, ob es Sinn macht. Ich ziehe einfach meine Selbstsicherheit daraus. Wenn ich jemandem taktisch etwas erklären möchte, muss ich mir ja vorher Gedanken machen und gute Gründe für mein Handeln parat haben.“

Schon als Kind wählt Bethke mit Schach und Golf mental anspruchsvolle Disziplinen

Bethke zieht sein Ding ohne große Ablenkung durch. „Von mir hat er das nicht“, sagt sein Vater, seit Mitte der 80er dem SC Rist verbunden, und lacht. Schon früh habe sein Sohn Schach und Golf gespielt. Sportarten, bei denen Kopf und Mentalität entscheiden. Von Kindesbeinen an wurde Thore Bethke in die Steinberghalle mitgeschleppt, war im Verein von der U10 an aktiv. Und als sportbegeisterter Schüler des Johann-Rist-Gymnasiums ist es sogar beinahe verboten, nichts mit Basketball am Hut zu haben.

In der U18 hatte er auf der Aufbauposition den späteren Profi und Nationalspieler Ismet Akpinar (bald 26) vor sich. Als Realist wusste er, dass es für eine größere Spielerkarriere nicht reichen werden würde. Er forcierte die Trainerlaufbahn, machte 2015 sein Abitur, um nach dem FSJ in Wedel in Frankfurt mitzuhelfen, den etwas brach liegenden Jugendbereich leistungsorientiert aufzustellen. „Ich vermisse nichts so sehr, dass ich wieder hochziehen müsste. Und sonst kann ich ja in drei, vier Stunden theoretisch mit dem Zug dort sein.“ Theoretisch soll auch das Studium beendet werden – wenn es sich mit Basketball vereinbaren lässt...

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