Volleyball

VG „HaPi“ – ein Trainer kehrt zu seinen Veteranen zurück

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Frederik Büll
Jetzt ist er wieder in Pinneberg: Volleyballcoach Daniel Prade (46).

Jetzt ist er wieder in Pinneberg: Volleyballcoach Daniel Prade (46).

Foto: Frederik Büll / HA

Daniel Prade übernimmt nach drei Jahren in Lüneburg Landesligaaufsteiger VG Halstenbek-Pinneberg II. Viele Spieler kennt er sehr gut

Pinneberg.  Vor drei Jahren beendete Volleyball-Trainer Daniel Prade seine Arbeit beim VfL Pinneberg, um bei der SVG Lüneburg das zweite Team zu betreuen. Gefühlt war er nie wirklich weg: 2019 coachte er das Pinneberger Seniorenteam zur Hamburger Meisterschaft und Stammgast in Whatsapp-Gruppen wie „Pinnack Tag und Nacht“ war der 46 Jahre alte Hamburger sowieso. Nun ist er ganz zurück. Prade übernimmt beim VfL-Nachfolgeverein, der VG Halstenbek-Pinneberg II, den Posten in der Landesliga. Die zweite „HaPi“-Mannschaft ist in die Landesliga aufgestiegen, aber ob und wann wieder in diesem Jahr Hallenvolleyball gespielt werden kann, steht wegen der Corona-Pandemie noch in den Sternen. Teamsportarten sind gerade wieder im Stand-By-Modus.

Golf und Volleyball laufen bei Prade parallel

Eine andere sportliche Leidenschaft kann Prade problemlos und Corona-konform durchziehen. „Ich spiele, wenn es möglich ist, jeden Tag Golf. In letzter Zeit war ich so vier bis fünfmal in der Woche dabei“, sagt der Versicherungsmitarbeiter aus Hamburg-Hamm. Sein Handicap liegt bei 18,5, er benötigt diese Anzahl an Schlägen auf einem 18-Loch-Kurs mehr als die theoretische Platzvorgabe (Par). Der Wert ist für einen Hobby-Golfer relativ gut – Prades bestes Handicap lag bei 17,2. „Volleyball und Golf konnte ich immer ganz gut verbinden. Das beißt sich zeitlich nicht so. Im Winter war Volleyball angesagt, im Sommer Golf. Nur von August bis Oktober überschneidet sich es“, so Prade.

Prades erste Zeit in Pinneberg brachte viele Erfolge

Vielleicht wird er in diesem Jahr viel mehr mit dem kleinen statt großem Ball zu tun haben. Seine Pappenheimer auf dem Volleyball-Feld kennt er ohnehin aus dem Effeff. Mehr als eine Handvoll der selbst ernannten „Pinnack Old Bastards“ sind gealterte Veteranen aus seiner erfolgreichen VfL-Zeit von 2014 bis 2018. Die Pinneberger etablierten sich in der 3. Liga Nord, schafften immerhin den Sprung in die Aufstiegsrunde zur 2. Liga, im Oktober 2016 standen sie im Pokal-Achtelfinale gegen den Bundesligisten SVG Lüneburg.

„Dass er jetzt wieder bei uns ist, passt einfach wie Arsch auf Eimer“, vergisst Sebastian Rieck, Volleyball-Abteilungsleiter im VfL und 2. Vorsitzender der VG „HaPi“ kurzzeitig seine gute Kinderstube. Das Team ist mit einigen Volleyball-Wassern gewaschen, auf der Homepage heißt es: „Wer bei uns spielt, ist mindestens 35 Jahre alt, hat in der Regel schon Knie oder Schulter operieren lassen, spielt im Schnitt eine zweistellige Zahl an Saisons in diesem Verein und die Besten wiegen dreistellig.“

Die Chemie stimmt im Team des Landesliga-Aufsteigers

Die Team-Chemie in diesem eingeschworenen Haufen stimmt – beim Stammgriechen Thessaloniki wurde einst ordentlich für Umsatz gesorgt. Dorthin lud Prade nach seinem feststehenden Abschied auch noch einmal die gesamte Mannschaft ein – passenderweise verbindet er den Pinneberg-Besuch mit dem obligatorischen Gericht Gyros mit Metaxasoße und Kroketten. Diesmal allerdings zum Mitnehmen und Verzehr bei einer Freundin.

Rieck wurde im Oktober 2020 sogar die Ehre zuteil, Prade als Caddy bei einem Turnier auf Gut Grambek zu unterstützen. Er hatte eine Wette verloren: Rieck sagte Spieler an, die Prade aufgrund persönlicher Abwesenheit vor dem Computer automatisch bei einem Football-Managerspiel zugelost bekommen würde. Letzterer konnte pfiffigerweise allerdings vorab per Mausklick genau jene Akteure ausschließen. Die Quittung für den nicht ganz sauberen Winkelzug folgte bei dem komplett verregneten Turnier. „Ich habe richtig scheiße gespielt und alles verrissen. Bei Loch 13 oder 14 hat Sebi zwei Schnäpse hervorgeholt. Die haben in dem Moment echt gut getan“, lacht Prade.

Gute Laune ist ein Markenzeichen von Daniel Prade

Gute Laune scheint er oft zu haben. Allerdings schlug der jeweils einstündige Fahrtweg nach Lüneburg zu drei, vier Trainingseinheiten plus Spielen an den Wochenenden etwas aufs Gemüt. In der zwölf Teams umfassenden West-Staffel der 3. Liga ging es bis nach Aachen. Die Zeit möchte Prade dennoch keineswegs missen. „Wir haben uns zweimal sportlich für die 2. Liga qualifiziert, haben den Aufstieg aber nicht wahrgenommen und standen 2019 im Pokal-Achtelfinale gegen Erstligist Frankfurt. Im ersten Satz haben wir sogar 23:22 geführt, aber leider die Partie 0:3 verloren“, sagt Prade, Inhaber der A-Lizenz, der auch den Weg des Oberliga-Eishockey-Clubs Hamburg Crocodiles verfolgt. Zumindest als es noch Sport gab.

Er selbst begann mit Volleyball Anfang der 90er-Jahre beim tus Berne, „in grauer Vorzeit, als die Bälle noch weiß, aus Plastik waren und man damit jemanden ermorden konnte.“ Er war gefühlte 20 Jahre Spielertrainer, Außenangreifer und irgendwann auch Mittelblocker – aber die Trainertätigkeit nahm stetig immer mehr Raum ein. „Angefangen habe ich als Jugendcoach und dann nach und nach die Trainerlizenzen gemacht. Es hat mir auch mehr Spaß gemacht, als Coach zu arbeiten“, so Prade. Weitere Stationen waren VG WiWa oder auch NA Hamburg.

Dynamik und Spannung machen den Reiz für Prade aus

Was macht für Daniel Prade die Faszination Volleyball aus? „Hallenvolleyball ist ein sehr dynamischer Teamsport, bei dem der Einzelne nichts allein richten kann. Führungen können schnell wechseln, alles kann sich noch drehen“, sagt der „HaPi“-II-Coach. Für die meisten Positionen seien große Menschen besser geeignet, weil nicht alles über Sprungkraft geregelt werden könne.

Prade ist stolz darauf, dass ein Ex-Spieler wie Neu-Nationalspieler Florian Krage, der sich wohl seinen neuen Club selbst aussuchen kann, den Durchbruch geschafft hat. Janosch Maas und Sebastian Tanner sind in Kiel zu gestandenen Zweitliga-Akteuren gereift. Jetzt steht aber auch wieder vermehrt „die soziale Komponente im Vordergrund“. Mit dem Potenzial im „HaPi“-Team müsste oben mitgespielt und der Aufstieg in die Verbandsliga angepeilt werden.

Aus Niendorf kehrt Tobias Kranich zurück und bringt Michael Schmitt mit, Johann Wolf (SVG Lüneburg II) macht die Rückreise gemeinsam mit Prade. Mit Ausnahme von Steve Mirwald haben alle Spieler in der 2. oder 3. Liga Erfahrungen gesammelt. Ob das tatsächlich in Kombination mit Altersgebrechen zu einem Durchmarsch reicht? Die VG Halstenbek-Pinneberg II würde es nur zu gern und schnellstmöglich beweisen.

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