Sportler in der Wirtschaft

Handballweltmeister motiviert Studierende der FH Wedel

| Lesedauer: 7 Minuten
Frederik Büll
Motivations-Referent und Weltklasse-Handballer Christian Schwarzer hat auch auf dem Spielfeld Zielstrebigkeit vorgelebt.

Motivations-Referent und Weltklasse-Handballer Christian Schwarzer hat auch auf dem Spielfeld Zielstrebigkeit vorgelebt.

Foto: Marcus Brandt / picture-alliance / dpa

Christian Schwarzer referiert online für die Startup Bridge. Er spricht mit weiteren Referentinnen zu 60 Zuhörern, zumeist Erstsemester

Wedel.  „Das Drachenboot fährt nur dann schnell genug, wenn ein Team perfekt zusammenarbeitet. Dann erreicht das Boot durch die Symbiose der Einzelteile der Mannschaft etwa 40 bis 50 Kilometer pro Stunde, so dass jemand dahinter sogar noch Wasserski fahren kann“, hebt Christian „Blacky“ Schwarzer die Wichtigkeit des Teamgedankens anhand dieses Beispiels hervor. Das gelte sowohl für den ehemaligen Nationalspieler im Handballsport als auch für das Unternehmertum.

Schwarzer ist einer von drei Gästen der Webcam-Konferenz

Der Referent, der seine Vorträge über das Thema Motivation, üblicherweise vor Publikum direkt in den Firmen hält, war einer von drei Gästen einer Webcam-Konferenz der Wedeler Startup Bridge. Das Projekt der FH Wedel hat sich auf die Fahnen geschrieben, junge Unternehmer zu unterstützen und mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Während der Orientierungswoche für Erstsemester kamen unter dem Motto „Wegweiser Unternehmertum: Deine Erfolgsgeschichte mit der Startup Bridge“ über 60 Studenten – aufgrund der Corona-Krise virtuell – zusammen, um den Kurzvorträgen zu lauschen, sich interaktiv auszutauschen und Eindrücke zu sammeln.

Schwarzers Rat: „Schreibt euch eure Ziele auf.“

„Mein Tipp an euch: Versucht einfach mal, eure Wünsche, Ziele und Träume aufzuschreiben, damit ihr sie immer vor Augen habt und euch daran orientieren könnt. Für mich ist Disziplin ganz wichtig. Diese Disziplin soll mit Leidenschaft verfolgt und durch Spaß, Freude, Begeisterung mit Leben gefüllt werden. Wenn ich was mache, dann muss ich das mit diesen Grundelementen tun. Dann habt ihr gute Voraussetzungen, euer Startup zu gründen“, sagt der 51-Jährige.

Der gebürtige Braunschweiger wuchs in Hamburg-Bergedorf auf und ist mittlerweile beim Saarländischen Handball Verband als Jugendkoordinator und Jugendtrainer tätig. Zudem ist Schwarzer unter anderem als Markenbotschafter eines Nahrungsergänzungsmittelherstellers aus dem Fitness-Bereich aktiv.

Den Ex-Kreisläufer bringt seine Zielstrebigkeit 318-mal ins Nationaltrikot

Der Ex-Kreisläufer kann auf eine mehr als erfolgreiche Karriere im Profisport zurückblicken: 318 Spiele in der deutschen Nationalmannschaft (Nummer drei in der gesamtdeutschen Rekordspieler-Statistik nach der Wiedervereinigung), 949 Tore, sechs Teilnahmen Weltmeisterschaften, fünf Europameisterschaften, vier Olympische Spiele. Schwarzer, dessen Bruder Marcus den Landesligisten TH Quickborn trainiert, sammelte auf nationaler und internationaler Ebene einige Titel, wurde 2004 Europameister und gewann die Silbermedaille in Athen bei Olympia.

Als 2007 die WM in Deutschland begann, war Schwarzer – 2004 eigentlich zurückgetreten – aufgrund einer Verletzungsmisere plötzlich nicht mehr TV-Experte, sondern wieder aktiv mittendrin: Im Training trugen alle ein Shirt mit dem Aufdruck „Projekt Gold“. Tatsächlich gewann Deutschland den Titel.

Wichtig ist, auch jetzt schon für die Zeit nach Corona zu planen

„Motivation ist einfach die Antriebskraft und das Streben des Menschen nach Zielen und wünschenswerten Zielobjekten“, erklärte Schwarzer. Niemand solle durchs Leben gehen, ohne Ziele: „Natürlich ist es momentan nicht leicht, aber auch jetzt kann ich mir das Ziel setzen, perfekt vorbereitet zu sein, wenn es wieder mit der Normalität losgeht.“

Selbst in einem Teamsport habe jeder seine persönlichen Ziele, die sich in Abwägung mit den realistischen Zielvorstellungen der Mannschaft vereinbaren lassen müssen. Als er 1988 mit dem VfL Fredenbeck in die 1. Bundesliga aufgestiegen war, konnte das Ziel nur Klassenerhalt bedeuten und nicht der Gewinn der deutschen Meisterschaft. Sein Tipp: Für die persönlichen Ziele solle sich jeder eine eigene „Karriereleiter“ erstellen, die Schritt für Schritt – ohne zu große Sprünge – nach oben geklettert werden könne.

Schwarzers „Karriereleiter“: von Jugendauswahl bis Olympia

Schwarzer selbst hat seine noch bis heute aufbewahrt: Ganz unten steht das Ziel Hamburger Auswahl, ganz oben die Olympischen Spiele. Er hat fast alle Ziele erreicht, nur Juniorennationalspieler war er nie: „Das war damals am schlimmsten für mich, weil ich einfach wahrscheinlich nie gut genug war in dieser Zeit für die Jugendnationalmannschaft.“ Aber das sei ein Zeichen gewesen, dass er einfach noch intensiver an sich arbeiten müsse, um den Weg nach oben zu schaffen.

Anneke Schaardt, tätig für das Kieler Uni-Projekt yooweedoo, hielt einen weiteren Kurzvortrag: „Unser Ziel ist ,Em­powerment‘ für eine nachhaltige Entwicklung“, sagte sie. Alle jungen Menschen sollten lernen, wie und dass sie die Welt mit eigenen Projekten verändern können. Das Projekt unterstützt Gründer bei der Umsetzung ihrer ökologisch und sozial nachhaltigen Pläne.

Unternehmen können auch die Gesellschaft verändern

Der Fachbegriff für Unternehmungen jener Art ist Social Entrepreneurship. Als Firmenbeispiele führte Schaardt die ResteRitter an, die Lebensmittel vor der Entsorgung bewahren, daraus Mahlzeiten anbieten und den Gewinn anderen gemeinnützigen Organisationen spenden.

Die Initiative Kulturgrenzenlos kümmert sich unter dem Motto „Integration durch Freundschaft“ um das Zusammentreffen junger hier beheimateter Menschen mit jenen aus anderen Kulturkreisen. Wegen der Kontaktbeschränkungen finden die Treffen derzeit vermehrt in virtuellen Räumen statt.

Ein Kartenspiel zu zweit wäre aber immerhin auch in der Realität möglich: Auch die Firma „Spielköpfe“ um Referentin Jana Fischer setzt sich spielend für eine bessere Zukunft ein. Mit ihrem Kartenspiel setzt sich die Firma, die auch Workshops zu gesellschaftlichen Themen anbietet, für diskriminierungsfreie Bildsprache, einen wertschätzenden Umgang und eine offene Gesellschaft ein. Es sollen festgefahrene Stereotypen aufgebrochen werden.

Neue Gedanken bringen auch neue Chancen mit sich

„Bilder formen unser Denken. Also haben wir ein Kartenspiel entwickelt, auf dem Menschen unterschiedlicher Kulturen und beider Geschlechter abgebildet sind. Während des Spielens soll dadurch zu einer Diskussion angeregt werden“, sagte Mitgründerin Jana Fischer.

Über 8000 Kartendecks hat die Firma bislang abgesetzt, die Studentinnen arbeiten bis zu 20 Stunden in der Woche nebenbei für ihre Firma – das geht natürlich nur – wie so oft im Leben, nicht nur bei Christian Schwarzer – mit Disziplin und Motivation.

Die Startup Bridge

Die Gründungsplattform unter dem Dach der FH Wedel hat zum Ziel, die Gründungskultur auf dem Campus zu fördern, Studierende zu qualifizieren, zu „empowern“ und zu vernetzen.
Formate der Unterstützung
reichen von Events zur Vernetzung, über Weiterbildungsangebote bis hin zur Beratung.
Aktuelle Projektleiter sind Camila Munoz, Carl Rehmann, Henrik Sabban und Maximilian Holtkamp.

www.startupbridge.de

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