Vereinsgründung

Quickborns Handballer spalten sich vom TuS Holstein ab

| Lesedauer: 4 Minuten
Ulrich Stückler
Noch Corona-konform vermummt: Der Gründungsvorstand des neuen Handballvereins 1. HC Quickborn will mit bisherigen Mannschaften bzw. Spielern des TuS Holstein und neuen Aktiven in eine neue Quickborner Handballzukunft schreiten. Der bisherige Stammverein sieht diese Entwicklung indes sehr kritisch. Von links: Andreas Müller, Sabine Gercken, Jens Gercken, Oliver Steinmetz, Carl-Simon Ullfors und Franco Bräuer.

Noch Corona-konform vermummt: Der Gründungsvorstand des neuen Handballvereins 1. HC Quickborn will mit bisherigen Mannschaften bzw. Spielern des TuS Holstein und neuen Aktiven in eine neue Quickborner Handballzukunft schreiten. Der bisherige Stammverein sieht diese Entwicklung indes sehr kritisch. Von links: Andreas Müller, Sabine Gercken, Jens Gercken, Oliver Steinmetz, Carl-Simon Ullfors und Franco Bräuer.

Foto: Ulrich Stückler / HA

Gründer des 1. HC Quickborn wollen neues Konzept einführen. Dieses halten sie beim bisherigen Stammverein für nicht umsetzbar

Quickborn. Kurz nach Jahresanfang wurde es unruhig in der Handball- und Sportszene von Quickborn. Gerüchte gingen um, ein neuer Handballverein solle sich gegründet haben. Oder wolle sich bald gründen? Es solle sich um die gesamte Handballabteilung des TuS Holstein handeln, die abwandern wolle, hieß es. Dann wieder, dass es angeblich nur um ein Jugend-Leistungsteam gehen solle. Namen gab es zuerst keine.

Dem ganzen Rätselraten wurde dann auch noch Anfang Januar durch eine Vorab-Mitteilung des TuS Holstein Vorschub geleistet, in welcher die Sporttechnische Leitung des Breitensportvereins die Pressevertreter darum bat, bei eventuellem Erhalt einer Pressemitteilung zur Neugründung eines Handballvereins Kontakt mit dem TuS für eine eigene Stellungnahme aufzunehmen.

Doch das war es dann. Nichts kam von einem neuen Verein, nur der TuS Holstein äußerte der Presse gegenüber weiterhin Bedenken zu einer solchen Entwicklung. Doch nun lüften sich die Schleier und es zeigt sich, was sich seit Jahresbeginn hinter den Kulissen getan hat. Sehr viel nämlich – und mit zwei Fronten, die augenblicklich nur schwer miteinander vereinbar erscheinen.

„Der 1. Handballclub Quickborn wurde gegründet!“ So nüchtern und sachlich die sechsseitige Pressemitteilung des frisch aus der Taufe gehobenen HCQ betitelt ist, so viel Potenzial für ein gerüttelt Maß an Emotion bietet diese Vereinsschöpfung.

Die Vereinsgründung erfolgt per Zoom-Videokonferenz im Internet

Bereits die Gründungsversammlung ist ungewöhnlich verlaufen, den besonderen Zeiten unter Corona angemessen. „Wir waren 18 Handballbegeisterte, die sich per Videoplattform Zoom zur Gründungsversammlung zusammengeschaltet haben“, berichtet Jens Gercken.

Der aus dieser Versammlung als künftiger erster Vorsitzender des HCQ hervorgegangene Gercken hat gemeinsam mit seinen fünf Vorstandsmitstreitern Andreas Müller, Carl-Simon Ullfors, Oliver Steinmetz, Franco Bräuer und Ehefrau Sabine Gercken große Pläne für den Handball in und um Quickborn.

Pläne, die aber unter dem Dach eines bereits existierenden Großvereins wie dem traditionsreichen TuS Holstein doch eigentlich viel leichter umzusetzen sein müssten als unter dem Konstrukt einen neuen, viel kleineren und reinen Spartenvereins? Oder etwa doch nicht?

Rund 90 Prozent der Spartenmitglieder sollen das neue Konzept begrüßen

„Wir haben einen Traum vom Handball. Und in einer Befragung haben über 90 Prozent der Mitglieder gesagt, dass sie sich diesen Weg mit uns vorstellen können. Da steht vornean eine ganzheitliche Ausbildung von Kindern und Jugendlichen, für die wir durchgehende Strukturen schaffen wollen, beginnend bei den Minis über die A-Jugend bis in den Erwachsenenbereich“, fasst Gercken das Konzept der HCQ-Macher zusammen. „Leistungsorientierte Spieler wollen wir in ihrem Umfeld halten, um ihnen weite Fahrtwege zu ersparen. So würde ein Gleichgewicht zwischen Schule und Leistungssport sichergestellt. Für die ganzheitliche Ausbildung sind auch außersportliche Erfahrungen wie Ausfahrten, auch ins Ausland, wichtig.“

Pläne, die Geld kosten. Mehr, als aus dem Hauptverein in die Handballabteilung des TuS Holstein fließen kann. „Als eigenständiger Verein können wir wirksamer an Sponsoren herantreten, können notwendige Aus- und Fortbildungen der Trainer finanzieren, weil für unsere Pläne das herkömmliche System von einem Coach für ein Team nicht mehr ausreichen würde“, sagt Gercken weiter. „Dies hätten wir gern durch Gründung eines Zweigvereins erreicht, ähnlich wie die Footballer beim Elmshorner MTV, denn wir möchten uns grundsätzlich auch weiterhin dem TuS Holstein verbunden fühlen. Aber unser Konzept ist leider auf keine Gegenliebe gestoßen.“

Vorstand des TuS Holstein stimmt entschieden gegen einen Zweigverein

Aus eigener Sicht mit gutem Grund, wie der TuS-Vorstand mitteilte. So würden dem bisher 2000 Mitglieder umfassenden Stammverein für seine vielschichtigen, kostenintensiven Verwaltungsaufgaben beim Abzug der Handballer in einen Zweigverein viele Beitragszahlungen verloren gehen. „Und mit einem Zweigverein würde es beim Handballverband keinen TuS Holstein mehr geben, und der neue Verein würde die Hallenzeiten nutzen wollen, die bislang dem TuS zustanden“, heißt es im Vorstandsschreiben an die TuS-Mitglieder.

Doch es gäbe laut Vorstand einen goldenen Mittelweg: „In zahlreichen Gesprächen, (...), schlug der Bürgermeister der Stadt Quickborn als Kompromiss vor, statt eines neuen Vereins einen Förderverein (...) des Handballsports in Quickborn zu gründen. Der Vorstand des TuS Holstein Quickborn begrüßt den Vorschlag und ist jederzeit offen für Gespräche darüber.“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Sport