Basketball

SC Rist Wedel schafft auch sportlich den Klassenerhalt

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Frederik Büll
Linus Hoffmann (18) steht beispielhaft für die Garde an jungen Spielern in Reihen des SC Rist, die sich in dieser Corona-Saison weiterentwickelt haben. Zum Abschluss der Pro-B-Serie macht Hoffmann 16 Punkte gegen die Rheinstars Köln.

Linus Hoffmann (18) steht beispielhaft für die Garde an jungen Spielern in Reihen des SC Rist, die sich in dieser Corona-Saison weiterentwickelt haben. Zum Abschluss der Pro-B-Serie macht Hoffmann 16 Punkte gegen die Rheinstars Köln.

Foto: Frederik Büll / HA

Pro-B-Team rückt durch 85:66 gegen RheinStars Köln auf Rang zehn vor. Coach Barloschky bescheinigt jungem Kader eine gute Entwicklung

Wedel.  Nach der Schlusssirene, die den 85:66 (41:28)-Erfolg des SC Rist über die Rheinstars Köln besiegelte, blühte in der Wedeler Steinberghalle der Flachs. „Schade, jetzt kann gar nicht in der Zeitung stehen, dass wir sportlich ja eigentlich abgestiegen wären“, rief Sportdirektor Christoph Roquette dem Abendblatt-Reporter mit einem breiten Grinsen zu.

Mit den zwei Punkten mehr im Gepäck haben die Zweitliga-Basketballer in der Pro B die punktgleichen Bernauer noch aufgrund des gewonnenen direkten Vergleichs auf den vorletzten Rang runtergezogen. Wedel ist Zehnter von zwölf Mannschaften in der Abschlusstabelle der Nordstaffel. In normalen Zeiten hätte nun noch eine Play-down-Runde die Entscheidung herbeigeführt – die Teams auf Rang elf und zwölf müssten anschließend in die Regionalliga. Wegen Corona gibt es jedoch keine Absteiger. „Trotzdem ist das schön und wichtig für uns, dass wir noch einen Nicht-Abstiegsplatz erreicht haben. Es wäre der normale Lauf der Dinge, dass die Leute sonst noch bestimmt ein Jahr erzählt hätten, dass Wedel ja eigentlich abgestiegen wäre“, so Roquette.

Ausbildungsziel steht über dem Siegen wollen um jeden Preis

Es war eine Saison mit mehr Tiefen als Höhen, zumindest, was die Ergebnisse betrifft. Regelmäßig gab der SC Rist enge Spiele nach phasenweise guten Leistungen artig ab, schenkte lieber dem Gegner die Punkte. „Ich bin ehrgeizig und verliere einfach nicht gern. Es ist für mich insofern immer eine gewisse Gratwanderung, das größere Bild im Auge zu behalten und im Optimalfall dabei auch Spiele zu gewinnen“, sagt Cheftrainer Benka Barloschky. Das mit dem Siegen habe diese Saison nicht so funktioniert, er selbst habe sich natürlich mehr Erfolge gewünscht. Sechs gewonnene Begegnungen stehen 16 verlorenen gegenüber.

Aber das Konglomerat aus SC Rist Wedel und Hamburg Towers – seit 2014 kooperieren die Basketball-Vereine – hat sich auf die Fahnen geschrieben, junge Basketballer gemeinsam auszubilden, um sie in den jeweils ersten Teams in der 3. und 1. Liga einsetzen zu können. Der diesjährige Wedel-Kader hatte ein Durchschnittsalter von gerade einmal 21 Jahren.

Als Paradebeispiel für die Talent-Entwicklung gilt Osaro Jürgen Rich (22), für den nach 90 Pflichtspieleinsätzen und einem Abschiedsgeschenk als Topscorer mit 20 Punkten Feierabend in Wedel ist. Der Doppellizenz-Akteur darf aufgrund der Altersregelung in der kommenden Serie nicht mehr für den SC Rist spielen. „Ich kenne Jürgen seit 2015. Da war es auch für mich ein besonderes und emotionales Spiel, weil ich die ganzen Schritte seitdem begleitet habe. So eine Entwicklung ist auch immer ein schönes Erlebnis“, sagt der 33 Jahre alte Cheftrainer.

Simonas Paukste ist mit 16 Jahren der Youngster im Pro-B-Kader

Jüngster Rister ist Simonas Paukste (16), der 15-mal zum Einsatz kam, durchschnittlich 6:38 Minuten Pro B-Luft in der Corona-Saison schnupperte und immerhin sechs Punkte erzielte. Leif Möller (17) stand sogar im Schnitt gut 22:30 Minuten auf dem Feld und brachte es auf einen Mittelwert von sechs Zählern. Linus Hoffmann (18) kommt auf ähnliche Statistiken.

Barloschky spricht ungern über einzelne Namen: „Ich glaube schon, dass einige junge Spieler die Zeit genutzt und sich weiterentwickelt haben. Wir Trainer geben quasi nur den Rahmen vor und letztendlich ist jeder einzelne selbst verantwortlich dafür, was er aus den sich bietenden Chancen macht.“ Andere hätten eben weniger investiert. Insgesamt habe sich Wedel als Team im Saisonverlauf gesteigert: „Ich habe den Spielern geraten, dass sie sich noch mal eines der ersten Spiele und dann das Spiel gegen Köln angucken. Wie viele Schritte wir gemacht haben, wie wir als Mannschaft gewachsen sind, macht mich unglaublich froh, darauf bin ich stolz. Es ist schön, mit einem solchen Spiel aus der Saison zu gehen.“

Das Spielgeschehen ist schnell erzählt: Der SC Rist zeigte deutlich mehr Biss als die Kölner, die von Beginn an einem Rückstand hinterherliefen. Ein 19:13-Vorsprung des SC Rist wuchs bis zur Halbzeit auf 41:28 an. Vor dem vierten Viertel stand es 68:50. Dann 85:66.

Wedeler Team kommt ohne Corona-Fall durch die Saison

Stolz war Barloschky auch darauf, dass die Wedeler ohne Corona-Fall und Quarantäne durch die Saison kamen: „Alle haben die Regeln befolgt und waren sich auch der Vorbildfunktion bewusst. Das ist für 16-Jährige auch nicht unbedingt selbstverständlich.“ Für die nähere Zukunft wünscht sich der Rist-Coach mehr Normalität. „Es wäre schön, wenn wir ab Herbst wieder vor Publikum spielen könnten. Das wäre das Schönste. Es wäre außerdem super, wenn wirklich alle Teams in den Vereinen wieder trainieren und spielen könnten und wir einfach etwas Alltag im Sport haben. Aber klar ist, dass wir Geduld brauchen.“ Nach einer auf vielen Ebenen anstrengenden Basketball-Saison 2020/21 steht nun aber erst einmal Erholung auf dem Trainingsplan.

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