Fussball

Es läuft gut für die Jugend beim Sport-Club Pinneberg

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Frederik Büll
Bereit zum Start: Eine der beiden Laufgruppen (Corona-bedingt ist das Team in zwei Kohorten aufgeteilt) der 2. Fußball-B-Jugend (Jg. 2005) des SC Pinneberg mit (von links) Björn, Finn B., Bennet, Mats K. Lennart, Jonah, Rasmus sowie Co-Trainer und A-Jugend-Kapitän Leon Stampff.

Bereit zum Start: Eine der beiden Laufgruppen (Corona-bedingt ist das Team in zwei Kohorten aufgeteilt) der 2. Fußball-B-Jugend (Jg. 2005) des SC Pinneberg mit (von links) Björn, Finn B., Bennet, Mats K. Lennart, Jonah, Rasmus sowie Co-Trainer und A-Jugend-Kapitän Leon Stampff.

Foto: Ulrich Stückler / HA

Drei Nachwuchsteams des SCP bestreiten eine Jogging-“Challenge“. Als Belohnung winkt die Teilnahme an einem internationalen Turnier

Pinneberg.  Seit gut sechs Jahren ist Timo Dittmer (49) als Trainer in der Jugendabteilung des SC Pinneberg aktiv. Hat er jemals schon so eine fitte B-Jugend-Mannschaft betreut wie jetzt? „Naja, die Fitness ist halt die eine Sache. Durch das Joggen bekommt man eine gute Grundausdauer, aber zum Fußball zählen ja auch andere Dinge aus dem Kraft-Ausdauer-Bereich wie zum Beispiel Sprints. Das Team ist schon fit, aber dafür fehlt gerade das Ballgefühl schon etwas durch die lange Pause. Der Dauerlauf ist eher eine solide Basis“, sagt der SCP-Coach.

In Zehner-Gruppe dürfen die Jugendfußballer auf den Plätzen an der Raa derzeit immerhin kontaktfrei wieder mit einem Fußball trainieren – aber diese Entscheidung in der Corona-Pandemie steht auf ähnlich wackeligen Beinen wie ein Läufer nach einer zehn Kilometer langen Joggingrunde. Ein bekanntes Gefühl für rund 60 Fußballer aus drei SCP-Mannschaften der Jahrgänge 2003, 2004 und 2005, die sich auf eine A-Jugend und zwei B-Jugend-Teams aufteilen.

Bis 27. März muss jeder Spieler 100 Kilometer gelaufen sein

Seit dem 18. Januar läuft eine sogenannte Challenge – ohne dieses englische hippe Szenewort für Herausforderung ist schließlich heutzutage kein Jugendlicher mehr hinter dem Ofen hervorzulocken – selbstverständlich in Kombination mit einer Running-App auf dem Smartphone. Bis zum 27. März – Schüler, die sich auf ihre jeweiligen Abschlussprüfungen vorbereiten, haben bis Mitte April Zeit – soll jeder Fußballer 100 Kilometer gelaufen sein. Wer es nicht hat schleifen lassen, schafft mit einem wöchentlichen Schnitt von zehn Kilometern die Gesamtdistanz. Insgesamt sollen pro Team mindestens 1800 Kilometer zusammenkommen.

Dies entspricht in etwa der Flugdistanz in die spanische Hauptstadt Madrid. „Ich bin kein Fan von Real Madrid. Ich habe eher nach einem virtuellen Ziel für ein internationales Fußball-Turnier gesucht“, erklärt der Vertriebsmitarbeiter aus Borstel-Hohenraden, der selbst sein Pensum auch abspulte. Denn im Gegenzug hat die Jugendleitung des Clubs um Kerstin Schneidewind zugesichert, die Teilnahme an einem Cup im Ausland möglich zu machen. Dafür sollen durch Spenden die sich auf 50.000 Euro geschätzten Gesamtkosten eingesammelt werden. Der Ort ist nicht festgelegt.

Bis jetzt haben Sponsoren rund 9000 Euro Unterstützung für die Turnierreise zugesagt

„Ich habe Kontakt zu einem Turnieranbieter aufgenommen, der ein tolles Turnier in Barcelona ausrichtet. Bisher sind 9000 Euro zugesagt, und wir haben ja auch noch genug Zeit“, so Schneidewind. Die Zajadacz-Stiftung beteiligt sich bereits mit 5000 Euro. Durch die Glaskugel betrachtet könnte sich der etwa 80-köpfige Reisetross inklusive Trainern und Betreuern im Jahr 2022 auf den Weg machen. Wenn es vorher möglich ist, sollen die Kicker selbst durch Caféteria-Verkäufe bei eigenen Turnieren und weitere Aktionen Geld einsammeln, um den Eigenanteil so gering wie möglich zu halten.

„Laufstreber“ ist Angreifer Philipp Waigant, der um den 20. Februar herum bereits sein 100-Kilometer-Fleißkärtchen voll hatte. Hat A-Jugend-Kapitän Leon Stampff durch die Aktion auch das Laufen für sich entdeckt? „Nein. Joggen war für mich schon immer eine gute Möglichkeit, Stress abzubauen. Ich lerne gerade für mein Abitur. Das ließ sich dann gut mit dem Projekt vereinbaren“, sagt er.

Stampff, der zwölf Wochen mit den Folgen eines Bänderanrisses zu kämpfen hatte, ist noch nicht ganz durch, er liegt bei 75 Kilometern, voraussichtlich am Sonntag kommen die nächsten Runden dazu. Generell läuft er seine Fünf-Kilometer-Stammrunde zweimal die Woche, wenn es zeitlich passt. Ende März absolviert er sein Abitur im Geographie-Profil an der Theodor-Heuss-Schule in Pinneberg. „In Corona-Zeiten fehlt das Drumherum einfach. Der Unterricht läuft im Grunde genommen gleich, außer dass wir eine Maske aufhaben und die Tische 1,5 Meter voneinander entfernt sind. Das Ganze ist schon ein bisschen doof“, so der 17 Jahre alte Pinneberger, der vor zwölf Jahren beim SC Pinneberg mit Fußball begonnen hat und auch als „Co“ die B-Jugend trainiert.

Der Wunsch nach Normalität spornt die Laufgruppen zusätzlich an

Die Sehnsucht nach mehr Normalität ist bei allen groß. Die Idee von Initiator Dittmer hat sein Team ein wenig aus dem Lockdown-Blues befreit: „Üblicherweise sind solche Läufe nebenbei keine Selbstverständlichkeit; zwei, drei Spieler scheren immer aus. Diesmal haben alle mitgezogen, die Motivation, auch sich untereinander zu messen, war wie von Geisterhand da. Die Aussicht, ein Wochenend-Turnier in der Sonne zu spielen, ist für uns alle eine schöne Sache.“ Gern können dann auch Neuzugänge dabei sein. Die A-Jugend ist auf der Suche nach ambitionierten Fußballern des 2005er-Jahrgangs, die in der Landesliga spielen möchten.

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