Handball

Oberligamannschaften sprechen sich für Saisonabbruch aus

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Frederik Büll und Ulrich Stückler
Jens Molkow ist Cheftrainer der Oberliga-Handballerinnen des TSV Ellerbek und unterstützt den vollständige Saisonabbruch für sein Team.

Jens Molkow ist Cheftrainer der Oberliga-Handballerinnen des TSV Ellerbek und unterstützt den vollständige Saisonabbruch für sein Team.

Foto: Ulrich Stückler / HA

Frauen des TSV Ellerbek wollen Saison 2020/21 komplett beenden. In einer freiwilligen Pokalrunde würden vom TSV nur die Männer starten

Ellerbek.  Am 18. Oktober haben die Ellerbeker Oberliga-Handballerinnen beim 19:25 gegen Slesvig IF das letzte Mal auf dem Feld gestanden. Es war der Auftakt in die Saison 2020/21 und sollte aufgrund der Corona-Krise das einzige Spiel des TSV nach einer weitgehend störungsfreien Vorbereitung im Sommer des Vorjahres bleiben.

Bereits vor der virtuellen abschließenden Konferenz am vergangenen Mittwoch mit Vertretern der Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein und Vereinsverantwortlichen hatten Letztere die Möglichkeit, ihre Einstellung dem Verband gegenüber darzulegen. „Wir haben uns klar für den Abbruch dieser Saison ohne Wertung eingesetzt. Es ist auch zeitlich wenig sinnvoll, eine nach dem ersten Spieltag unterbrochene Serie weiterzuspielen“, sagte Trainer Jens Molkow.

Neben Ellerbek wollen fünf weitere Frauenteams des vollständigen Saisonabbruch

Sechs Vereine sprachen sich letztendlich bei der Online-Präsentation der Umfrage-Ergebnisse für einen kompletten Saisonabbruch und den Verzicht auf weitere Duelle aus, neun Clubs haben zumindest ihr Interesse signalisiert, eine kleine Turnierrunde zu spielen, sobald dies möglich sein könnte. Zwei Handball-Vereine aus der Oberliga meldeten Interesse an einer möglichen Aufstiegsrunde für die 3. Liga an. Kein Thema für die Ellerbekerinnen.

„Wir haben gemeinsam mit den Mädels beschlossen, für den Saisonabbruch zu stimmen und werden keine weitere Runde spielen, auch wenn das mit einer höheren Sicherheit für die Beteiligten möglich sein sollte“, bekräftigte auch Ellerbek-Manager Michael Dahms.

Das TSV-Frauenteam möchte zeitnah auf Spiele verzichten

Die nähere Zukunft bleibt in ungewissen Corona-Zeiten im Allgemeinen nebulös, einige Arbeitgeber hätten die jeweils beschäftigten TSV-Spielerinnen zudem darum gebeten, auf Kontaktsportarten wie Handball möglichst zu verzichten. „Es gibt ja nach wie vor viele Corona-Fälle und auch in meiner Mannschaft haben Spielerinnen ihre Bedenken geäußert und möchten nicht unbedingt Handball spielen, ehe sie nicht geimpft sind. Das ist ihnen einfach zu riskant“, sagt Jens Molkow.

Nach wie vor ist Sport in der Halle mit Kontakt und mehr als zwei Personen verboten. Zwar seien die Frauen alle fit, aber der „Handballsport braucht diese vielen schnellen Bewegungen, der Schulterapparat muss sich an die Belastung gewöhnen“, sagt Molkow. Die Gefahr von Verletzungen ohne eine „vier- bis sechswöchige intensive Vorbereitung“ sei hoch. Außerdem würde durch eine Pflichtspielphase wieder Zeit für die Vorbereitung zu einer Saison 2021/22 genommen, die eventuell dann im August beginnen könnte.

Molkows Mannschaft sucht den Wettkampf in teaminternen Challenges

Die Ellerbekerinnen selbst sind gesundheitlich sehr gut durch die Pandemie gekommen, es gab im Vorjahr einen unbestätigten Verdachtsfall, ehe sich der Lockdownschleier über das ganze Land legte. Und beim Team lief es auch weiterhin. Im Januar gab es eine Laufchallenge, die Spielerinnen kamen innerhalb des Monats auf 1846 Kilometer, am fleißigsten war Linksaußen Yana Hesse, die 268 Kilometer Laufleistung in die Rekordbücher knallte. Im Februar bat Torhüterin Lina Kühne dann zu Kraft-Einheiten.

Nun im März gibt es einen Mix aus Lauf- und Kräftigungsübungen, bei dem für einen guten Zweck pro gelaufenem Kilometer zehn Cent – plus ein Molkow-Obolus – gespendet werden. Die Wochenziele werden von 180 Kilometer ausgehend stetig gesteigert.

Derzeit sehe es gut aus, dass der Kern der Mannschaft auch in der kommenden Saison zusammenbleibe. „Michael Dahms hat mit dem größten Teil bereits gesprochen. Wir sind nicht untätig. Wer uns verlassen könnte und wer genau alles bleibt, wissen wir wohl Ende März. Es wird auch mit potenziellen Neuzugängen geredet, aber auch das ist schwer, weil derzeit keine Probetrainings möglich sind“, gibt sich Molkow optimistisch.

TSV Ellerbek ist „Abbruchmeister“ der Oberliga-Gruppe A

Auf die Glückwünsche zur Oberliga-Staffelmeisterschaft reagiert TSV-Männertrainer Nico Kibat mit einem mehr oder weniger amüsierten Lachen. „Das ist doch schon so lange her. Viereinhalb Monate nach unserem letzten Spiel wissen wir ja auch kaum noch, welche Schlüsse wir aus diesen beiden Siegen jetzt noch ziehen dürfen.“ In den Archiven wird künftig stehen: Die Ellerbeker Männer belegen bei Saisonabbruch als eines von zwei Teams mit zwei bestrittenen Matches Platz eins in Gruppe A der zweigeteilten Oberliga.

Immerhin bietet diese Tabelle einen schönen Anblick, und der Weg dorthin hat Kibat und Manager Peter Paulsen auch eine klare Erkenntnis gebracht: „Ich habe ja um den Jahreswechsel herum meine Vertragsverlängerung verkündet und nun auch an das Team das Signal gegeben, dass ich gerne mit dem gesamten Kader so, wie er ist, weitermachen möchte“, sagt Kibat. „Vielleicht schauen wir noch mal, ob auf einzelnen Positionen Verstärkung möglich ist, aber solche Spieler müssten auch sehr gut zu uns passen.“ Am kommenden Montag gibt es die erste Video-Gesprächsrunde mit 13 Spielern. „Den Rest versuche ich dann am Mittwoch zu sprechen.“

TSV-Männer würden an freiwilliger Runde teilnehmen

Und vielleicht wird sich Kibats Mannschaft doch noch vor Beginn einer Spielzeit 2021/2022 mit anderen Teams messen dürfen. Anders als ihre Vereins- und Ligakameradinnen würden die TSV-Männer für eine freiwillige Spiel- oder Pokalrunde im Oberliga- oder Landesbereich zur Verfügung stehen.

„Bei der Umfrage unter den 17 Mannschaften haben sich jeweils drei für einen sofortigen und vollständigen Saisonabbruch beziehungsweise für eine Aufstiegsrunde zur 3. Liga ausgesprochen“, sagt Kibat über den Verlauf der abendlichen Videokonferenz. „Wir können uns gut vorstellen, unter einem alternativen Modus so doch noch ein wenig Wettkampfpraxis zu erhalten.“ Dies auch mit Blick auf einen möglichen früheren Saisonauftakt bereits im August. „Jetzt wollen wir aber erst einmal anfangen, unser ,Team-Feeling‘ zurückgewinnen; zumindest in Zehnergruppen dürfen wir ja draußen trainieren.“

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