Fussball

Nun amtlich: Ligabetrieb 20/21 im Kreis Pinneberg ist vorbei

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Wolfgang Helm
Als Fußball im Kreis Pinneberg noch Spannung verbreiten durfte, das Pokal-Viertelfinale zwischen SV Halstenbek-Rellingen und SV Rugenbergen. Caleb Awuah (SVR) macht gegen Niklas Marten das 4:2. ,

Als Fußball im Kreis Pinneberg noch Spannung verbreiten durfte, das Pokal-Viertelfinale zwischen SV Halstenbek-Rellingen und SV Rugenbergen. Caleb Awuah (SVR) macht gegen Niklas Marten das 4:2. ,

Foto: Kalle Meincke / KBS-picture

Beim Verbandstag herrscht Einigkeit, Punktspiele endgültig ruhen zu lassen. Nicht alle berechtigten Vereine wollen im Pokal antreten

Pinneberg.  Probleme mit der Software und beim Zuschalten der Vereinsdelegierten. Der außerordentliche Verbandstag des Hamburger Fußball-Verbandes (HFV) drohte zu platzen, kaum, dass er begonnen hatte. Der Techniker arbeitete, bis endlich alle notwendigen Stimmen durchdrangen. Mit klaren Mehrheiten votierten die Teilnehmer der digitalen Versammlung von 128 dem HFV angeschlossenen Clubs für den sofortigen Abbruch der Meisterschaftsrunde 2020/21 und der Fortsetzung von Lotto- und Holsten-Pokal.

„Mit dem Freifahrtschein der Flexibilisierung des Spielbetriebs für den HFV im Juni 2020 sind wir auf die Schnauze gefallen.“ Mehrfach hatte sich während der dreieinhalb Stunden Jan Ketelsen zu Wort gemeldet und seine „gnadenlose Enttäuschung“ zum Ausdruck gebracht.

Der Trainer des 1. FC Quickborn (44) zählt zur „Initiative Praxis-Fußball“, die sich vom Verband in der schwierigen Corona-Situation entgegen ursprünglicher Zusage nicht ausreichend repräsentiert, informiert und abgeholt sieht. Peter Ehlers aus dem Vorstand von Rasensport Uetersen (54) forderte eine Überarbeitung des Spielmodus, nachdem während der abgebrochenen Saison 20/21 Resultate der Hinrunde vor den geplanten Auf- und Abstiegsrunden annulliert werden sollten. Rüdiger Meyer (Buchholz 08): „Es darf keine dritte Saison nacheinander ohne Wertung der Spiele geben.“

HFV-Präsident Dirk Fischer versprach für die Zukunft einen regelmäßigen Informationsaustausch per Videokonferenz und ließ sofort einen Stufenplan veröffentlichen. Erstens sollen nach Möglichkeit alle Spiele der Hin- und Rückrunde 2021/22 ausgetragen werden. Alternativ werden diesmal die Punkte der Hinrunde in die Meister- und Abstiegsrunde übernommen, sollte die Rückrunde nicht gespielt werden können. Drittens kann auch nur die Hinrunde für die Wertung herangezogen werden. Sollte noch nicht einmal die Hinrunde beendet werden können, beraten die spielleitenden Ausschüsse und das HFV-Präsidium die Wertung oder Nichtwertung der Saison mit den Vereinen.

HFV möchte Pokal für die Sponsoren und wegen der Prämienzahlung weiterführen

HFV-Schatzmeister Christian Okun erklärte unterdessen, warum die Wettbewerbe um den Oddset- und den Holstenpokal fortgesetzt werden sollen. „Das sind wir dem Sponsor schuldig. Außerdem würde ich ungern auf 40.000 Euro Prämien verzichten.“ Am 9. April müsste es losgehen, um noch einen Hamburger Teilnehmer zum Finaltag der Amateure (29. Mai) entsenden zu können. „Doch diese Termine sind nicht in Stein gemeißelt“, betont HFV-Geschäftsführer Karsten Marschner. Im Lotto-Pokalwettbewerb der Saison 2019/20 waren die Spiele ab dem Viertelfinale und der Finaltag (statt am 23. Mai) erst im August 2020 ausgetragen worden. Marschner: „Wir leben in Zeiten, in denen wir ohne Kompromisse nicht klarkommen.“ Den Teams, die eine weitere Teilnahme am Oddset-Pokal ablehnen, stellte Christian Okun Befreiung von der fälligen Ordnungsstrafe in Aussicht.

Fabian Buller, Coach des SuS Waldenau (34), wird seinen Kreisliga-Fußballern genau diesen Verzicht vorschlagen. „Mit der Vorstellung, dass wir vier Wochen eisern trainieren, um dann in der zweiten Runde gegen den SC Pinneberg oder spätestens in der dritten Runde auszuscheiden, kann ich mich nicht anfreunden.“ Anders reagiert Jürgen Kohnagel (SV Hörnerkirchen/Bezirksliga). „Wir treten gegen jeden an. Hauptsache, wir dürfen spielen.“

Konkrete Perspektiven haben zurzeit nur Jugendkicker unter 15 Jahren. Die Bund-Länderkonferenz hatte am 3. März beschlossen, ab Montag Gruppentraining im Freiluftsport für bis zu 20 Kinder und einer stabilen Inzidenz in der jeweiligen Region unter 100 zuzulassen. Beim VfL Pinneberg arbeitet Jugendleiter Sven Lempfert (47) schon fieberhaft am Trainingsplan für 25 Teams U 15.

Bevor der Spaß am Dienstag in Stadion II, Kampfbahn B und auf dem Jahnplatz nach über vier Monaten wieder beginnt, wird sich Lempfert aber ganz genau die heute veröffentlichte Landesverordnung durchlesen. „Körperlicher Kontakt, ja oder nein, das muss geklärt sein.“ An der Inzidenz soll es nicht scheitern. Dieser Wert lag in der Kreisstadt am Freitag bei unter 38 (Auskunft Bürgertelefon).

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