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VfL-Kicker bekommen einen „kreativen Kopf“ als Manager

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Wolfgang Helm
Hans-Jürgen Schulze (r., 61) wird Manager mit besonderen Aufgaben bei Fußball-Landesligist VfL Pinneberg.

Hans-Jürgen Schulze (r., 61) wird Manager mit besonderen Aufgaben bei Fußball-Landesligist VfL Pinneberg.

Foto: HA / HA

Hans-Jürgen Schulze (61) wird Manager mit besonderen Aufgaben beim Pinneberger Landesligisten. Betreuer Mike Treede geht nach 22 Jahren

Pinneberg.  „1979 war ich der Erste, der in der Westkurve des Volksparkstadions die England-Fahne schwenkte.“ So huldigte Hans-Jürgen Schulze einst dem vom FC Liverpool zum HSV gewechselten Kevin Keegan, der die Rothosen zur Deutschen Meisterschaft führte. Die Liebe ging so weit, dass Schulze noch im selben Jahr Vereinsmitglied bei den Roten auf der Insel wurde. Und genau das ist der Grund, warum der Uetersener (61) nun als Manager mit besonderen Aufgaben beim VfL Pinneberg in der Hamburger Fußball-Landesliga einsteigt.

Auf einer Hochzeitsfeier kommen Schulze und Zippel in Kontakt

Sommer 2018. Nils Samoray, Schiedsrichter und ehemaliger Torjäger des Hetlinger MTV, feiert seine Hochzeit in einem Holmer Gasthof. Gäste sind auch „Hansi“ Schulze, der bis 2017 Teams in der Elbmarsch-Region (TSV Heist, Wedeler TSV, Hetlinger MTV) trainiert hatte, und Marc Zippel, zu dem Zeitpunkt HMTV-Coach (53). Beide Männer sitzen zufällig nebeneinander, kommen ins Gespräch. Dabei gibt sich Schulze, der schon oft in der Heimat der Beatles weilte, als Liverpool-Fan und -Experte zu erkennen.

Zippel schießt es durch den Kopf, dass er seinen Sohn Bennet zum 16. Geburtstag ja mit einem Ausflug in die englische Hafenstadt überraschen will. Am Ende des Abends in Holm ist Schulze als Organisator der Reise engagiert.

Es wurde im August 2019 ein unvergessliches Wochenende zu Dritt daraus. Mit VIP-Karten für das berühmte Stadion an der Anfield Road versorgt feierten die Zippels und Schulze das 4:1 der Reds über Norwich City. Eine Bootstour über den Mersey, Busfahrten zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt und einen Besuch des Beatles-Museums hatte Schulze außerdem im Repertoire. Marc Zippel ist ihm dafür bis heute dankbar. „Es war fantastisch, was Hansi auf die Beine stellte.“

Die künftigen Aufgaben von Schulze werden dieser Tage besprochen

Welche Aufgaben auf Versicherungskaufmann Schulze in Pinneberg warten, wird in diesen Tagen genauer besprochen. Zunächst einmal schließt er grob die Lücke, die durch die Trennung von Betreuer Mike Treede (39) zum 1. Juli entstehen wird. VfL-Trainer Marc Zippel betont, dass er sich vom emotionalen Treede nicht löst, um seinen Freund Hansi zu holen. „Vielmehr hatte ich stundenlange Gespräche mit Mike und wollte ihn von meiner Linie überzeugen. Dann aber haben wir in wichtigen Fragen keinen gemeinsamen Nenner gefunden.“

Im Facebook-Beitrag des VfL liest sich das so: „Manchmal muss man sich eingestehen, dass die Beendigung einer engeren Zusammenarbeit besser ist, wenn sich im Laufe der Zeit unterschiedliche Auffassungen über die Form einer harmonischen Zusammenarbeit herauskristallisieren.“ Eine höfliche Umschreibung für „Disharmonie“, allerdings einem geschuldet, der sich 22 Jahre lang mit Online-Tätigkeiten, Wäschebetreuung, Getränkeversorgung, Helfer bei Umbauarbeiten und beim Bert-Meyer-Cup, für den er sogar Urlaub nahm, eisern und ehrenamtlich in den Dienst des Vereins stellt.

Ein Teil von Treedes Aufgaben geht in Spielerhände über

Schulze wird nur einen Teil dieser Tätigkeiten übernehmen und schon gar nicht den Korb mit den schmutzigen Hemden in die Wäscherei tragen, das übernehmen auf freiwilliger Basis bald Torhüter Sebastian Buß und Mittelfeldspieler Sascha Caldwell. Marc Zippel sieht den früheren Nationalspieler im American Football vielmehr als „kreativen Kopf“, der den havarierten Dampfer des Hamburger Amateur-Fußballs, der ohne die Corona-Zwangspause wahrscheinlich in der Bezirksliga versunken wäre, allmählich wieder auf Kurs bringen könnte.

Nur eines der Themen, mit denen sich der nach längerer Auszeit im Fußball wieder unternehmungslustige Schulze in den nächsten Wochen und Monaten beschäftigen wird: Gibt es eine Möglichkeit, wieder mehr Zuschauer als in den vergangen Jahren ins Stadion am Rosengarten zu locken? An besserem Fußball als in den Spielzeiten von 2018 bis 2020 mit etlichen verheerenden Niederlagen soll es nicht scheitern. Nicht ohne Stolz kann Marc Zippel vermelden, dass sich dem VfL weitere interessante Spieler anschließen wollen.

Jesse Plüschau verstärkt den Pinneberger Landesliga-Kader

Dazu zählt auch Jesse Plüschau, der nach gemeinsamer Zeit in Hetlingen nun erneut die Zusammenarbeit mit Zippel sucht. Der frühere HMTV-Kapitän (25) hatte zuletzt dem Kader des SC Victoria II angehört und gilt als Führungsspieler.

Bereits Teilnehmer am virtuellen Zoom-Training der Mannschaft ruhen gewisse Hoffnungen auf Defensivspieler Sergio Cadilhe da Fonseca (21), den Teammanager Theo Ourgantzidis über einen gemeinsamen Freund kennenlernte. Nach zwei Kreuzbandrissen fühlt sich der frühere Oberliga-Spieler von Vorwärts-Wacker Billstedt portugiesischer Herkunft bereit für den nächsten Versuch, im Leistungs-Fußball anzukommen.

Schließlich erreichte Marc Zippel beim Spaziergang rund um den Krupunder See am Mittwoch noch die Nachricht, dass sich auch Defensivspieler Sten Ole Quardfasel aus der A-Jugend-Oberliga (Germania Schnelsen/18) für den VfL entschieden hat.

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