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Trainertalent Lennart Holz bleibt dem SC Rist erhalten

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Frederik Büll
Lennart Holz gewinnt bereits jetzt im FSJ Einblick in seine Zukunft als erster Azubi des SC Rist.

Lennart Holz gewinnt bereits jetzt im FSJ Einblick in seine Zukunft als erster Azubi des SC Rist.

Foto: Frederik Büll / HA

Der junge Holmer (20) beginnt nach Freiwilligem Sozialen Jahr in Wedel nun im Sommer 2021 die Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann

Wedel.  Als Lennart Holz das Johann-Rist-Gymnasium im Vorjahr mit dem Abitur in der Tasche aber Corona-bedingt ohne Abi-Ball verließ, war die Welt schon ein wenig verändert. Das Ausmaß der Pandemie war Mitte des Vorjahres aber nicht unbedingt abzusehen. Hat sich der Holmer dennoch aus Sicherheitsgründen und dem Gebot, auf unnötige Reisen zu verzichten, für das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) quasi nebenan beim SC Rist Wedel entschieden? Holz lächelt. „Ich hätte das auch ohne Corona gemacht. Sven hat zeitnah nach meinem Abi angefragt, ob ich mir vorstellen könnte, ein FSJ beim SC Rist zu absolvieren“, sagt er.

Seit August 2020 ist Lennart Holz FSJ-ler beim SC Rist

Diese Zusammenarbeit begann im August 2020 und endet Ende Juli 2021. Und dann wird es direkt weitergehen: Am 1. August beginnt der 20 Jahre alte Basketball-Trainer bei den „Risters“ eine dreijährige Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann. Damit wird der ambitionierte Jugendbasketball-Coach der erste vom Club selbst ausgebildete Azubi.

Der SC Rist Wedel war 1968 von Sportlehrern des Gymnasiums nebenan gegründet worden. Als Ausbilder fungiert künftig Rist-Jugendkoordinator Sven Schaffer, der selbst diese Ausbildung absolviert hat und mittlerweile auf 16 Jahre Berufserfahrung zurückblicken kann. Es stehen unter anderem auch buchhalterische, verwalterische und organisatorische Tätigkeiten an. Mögliche Berufsfelder nach der Ausbildung sind Berufe in Sportvereinen, Fitnessstudios oder im Gesundheitswesen.

„Der Vorstand des SC Rist freut sich sehr, dass unser aktueller FSJ-ler Lennart Holz ab Sommer unser erster Auszubildender sein wird. Mit der Schaffung dieses Ausbildungsplatzes gehen wir den nächsten Schritt in der Professionalisierung unserer Strukturen und erweitern das Team der Hauptamtlichen. Auf diese Weiterentwicklung sind wir stolz“, sagt die Rist-Vorsitzende Andrea Koschek.

Am liebsten würde Lennart Holz hauptamtlicher Basketballtrainer werden

Das Fernziel des Rist-Azubis ist, Basketball-Trainer zu werden. „Das wäre perfekt. Aber ich lerne in der Ausbildung ja auch andere Sachen wie auch den kaufmännischen Bereich kennen. Aber generell stehe ich schon lieber in der Halle, als am Schreibtisch zu sitzen“, sagt der Holmer, dessen große Leidenschaft der Umgang mit dem orangenen Ball ist, der möglichst oft in den gegnerischen Korb geschmissen wird.

Im Alter von fünf Jahren hatte er beim TSV Holm mit Fußball begonnen, war jahrelang Torwart und Abwehrspieler. Für ein halbes Jahr war er dann auch Baseballer bei den Holm Westend 69ers. In der sechsten Klasse folgte der endgültige Sportartenwechsel und er startete beim SC Rist in puncto Basketball durch. „Etwa zwei Jahre später bin ich über Thore Bethke parallel auf die Trainerschiene gekommen und das hat mir von Anfang an auch Spaß gemacht“, sagt Holz.

Bethke ist mittlerweile seit 2016 im Jugendbereich des Bundesligisten Frankfurt Skyliners tätig – Lennart Holz vermittelt in Wedel seit gut sechs Jahren den Kindern und Jugendlichen seine Idee vom Basketball. Er ist Cheftrainer der weiblichen U14 und männlichen U14 II – und arbeitet auch mit den Jüngsten der Altersklasse U8 II. Zudem ist Holz seit der Saison 2019/20 Assistent von Stephan Blode im Wedeler Jugendbasketballbundesligateam.

Dazu hat er seine Tätigkeiten im FSJ. Das klingt nach viel Stress – aber bekanntermaßen ließ spätestens der zweite Lockdown im November des Vorjahres in der Frühphase der Saison den Erholungsfaktor stetig ansteigen. Lediglich das Zweitliga-Team des SC Rist darf aufgrund der Profi-Regelung weiter trainieren und spielen. Die zahlreichen anderen Mannschaften des Clubs – alleine im Jugend­bereich sind es mehr als 20 – pausieren.

In Zeiten von Corona lernt Holz auch, wie Trainingsvideos erstellt werden

„Ich mache hier derzeit vermehrt organisatorische Dinge am Steinberg. Telefondienst in der Geschäftsstelle, Masken verkaufen oder auch mal aufräumen. All das, was eben so gerade anliegt“, erzählt der Taktik-Tüftler. Darüber hinaus gibt es auch Online-Seminare mit anderen Sport-FSJ-lern aus Schleswig-Holstein. Holz erstellt ebenfalls Online-Trainings-Videos, damit die Rist-Jugendspieler auch während der Corona-Pause es nicht zu sehr schleifen lassen und neben dem Ball-Handling auch etwas für ihre Fitness tun. Als Spieler ist er selbst noch beim SC Rist VI aktiv. Also wenn es denn erlaubt wäre. „Da geht es nur darum, ein wenig zu zocken, um am Wochenende dann versuchen zu gewinnen. Hauptsächlich bin ich aber Trainer“, sagt der Aufbauspieler.

Kann Lennart Holz eigentlich in Ruhe Basketballpartien im TV verfolgen oder setzt er auch in der Freizeit immer die Trainer-Brille auf? „Also klar, wenn ich NBA oder so schaue, frage ich mich schon, warum bestimmte Situationen so gelöst werden sollen und nicht anders. Aber es geht schon noch, ein Spiel einfach so zu gucken. Ich sehe jetzt einfach mehr Dinge, die mir vor drei, vier, fünf Jahren eventuell nicht aufgefallen wären. Und dann macht das mir persönlich umso mehr Spaß“, meint er.

In Europa sind Real Madrid und der FC Barcelona seine favorisierten Basketball-Teams, in den USA mag er die Los Angeles Clippers. Lennart Holz gefällt die Art, wie Gregg Popovich, Coach der San Antonio Spurs, Basketball spielen lässt und die Motivationskünste eines Doc Rivers: „Er hat es als Clippers-Coach mal in den Play-offs geschafft, dass sein Team einen Rückstand von 30 Punkten gegen die Golden State Warriors noch in einen Sieg umgebogen hat.“

Ob Holz, derzeit Inhaber der D- und CL-Lizenz, letztendlich wirklich als hauptamtlicher Basketball-Trainer sein Geld verdienen wird, kann niemand vorhersagen. Das Rüstzeug dafür hat er aber. „Lennart ist ein großes Trainertalent und wir sind froh, dass er bei uns bleibt“, sagt sein Mentor Sven Schaffer.

Holz sieht sich als „netten“ Trainer, kann aber laut werden, wenn er muss

Wie ist er denn eigentlich so als Coach? „Es ist immer schwierig, sich selbst zu beschreiben. Aber ich würde sagen, dass ich eher nett als streng bin. Zu den Mädchen kann ich sowieso auch netter sein, weil die oft konzentrierter im Training bei der Sache sind als die Jungs“, sagt der 20-Jährige. Wichtig sei ihm, dass die Übungen gewissenhaft absolviert werden. Wenn das der Fall ist, kann auch gerne mal gescherzt werden. „Ansonsten kann ich halt auch mal lauter werden, wenn es sein muss“, sagt der Coach.

Der Teamgedanke müsse über allem stehen: „Ich mag nicht, wenn der beste Spieler einfach den Ball bekommt und dann alles allein machen soll. Es sollen möglichst alle Anteil am Korberfolg haben und auch defensiv zusammenarbeiten. Basketball ist Teamsport. Wenn ein Mitspieler zum Beispiel nach einem Sturz am Boden liegt, erwarte ich, dass sich sofort jemand um ihn kümmert. Mit steigender Liga kommt es auch immer mehr auf das Zusammenspiel als Team an“, fasst Holz, dessen Lieblingsspieler der 2020 tödlich verunglückte Kobe Bryant war, seine Philosophie zusammen. Gerade im Jugendbereich ist ihm die Weiterentwicklung der Spieler – auch charakterlich – fast wichtiger als die Resultate.

Zwei Tage pro Woche geht es in die Berufsschule

Hospitanzen im Zuge der Ausbildung bei Partnerunternehmen des SC Rist sind ebenfalls vorgesehen. Fester Bestandteil der Ausbildung ist auch der Erwerb des theoretischen Rüstzeugs. „Lennart wird an zwei Tagen in der Woche in der Hamburger Berufsschule im Tessenowweg sein“, erläutert Schaffer. Wenn es erneut gelingt, zwei FSJ-Kräfte einzustellen – neben Holz ist derzeit auch Pro B-Akteur Fabien Kondo noch bis August dabei – wird der SC Rist in der Saison 2021/22 über sechs Hauptamtliche verfügen, die teil- oder vollumfänglich in der Jugendarbeit tätig sind. „Dann sind wir personell schon super aufgestellt“, findet Schaffer.

Im Umfeld des SC Rist, das er seit Jahren kennt, fühlt sich Lennart Holz wohl. „Ich habe auch überlegt, zu studieren, um vielleicht Sportlehrer zu werden. Aber davon war ich nicht ganz überzeugt, weil ich lieber über die Praxis Dinge lerne. Ich kann mit der Ausbildung hier im Verein bleiben. Das ist schon fast perfekt.“

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