1. Bundesliga

Schenefelder Floorballer müssen bis zum Saisonende kämpfen

Alexander Ohlandt – hier mit der Nummer 42 als Spieler – ist auch Trainer der Floorballer von Blau-Weiß 96 Schenefeld

Alexander Ohlandt – hier mit der Nummer 42 als Spieler – ist auch Trainer der Floorballer von Blau-Weiß 96 Schenefeld

Foto: Ulrich Stückler

Nachdem der Aufsteiger Leistungsträger und Auftaktspiele verloren hat, wird es wohl schwer. Aber der Trainer ist optimistisch.

Schenefeld. „Der Saisonstart wirkt auf den ersten Blick natürlich vom Ergebnis her enttäuschend. Auf den zweiten Blick sieht man aber, dass wir direkt am Anfang gegen die beiden Überteams der Liga gespielt haben“, sagt Alexander Ohlandt. Der Spielertrainer der Schenefelder Bundesliga-Floorballer rangiert mit seiner Mannschaft nach dem zweiten Spieltag auf dem drittletzten Tabellenplatz. Nach der 3:11-Pleite zum Saisonauftakt gegen den amtierenden Deutschen Meister MFBC Leipzig setzte es nun eine 3:8-Niederlage gegen den Rekordmeister UHC Sparkasse Weißenfels.

Das erste Heimspiel in der Sporthalle Achter de Weiden fand noch unter einem Corona bedingten Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Ab dem 19. September dürfen wieder bis zu 25 Prozent Anhänger bei Hallensportarten dabei sein. Gegen Weißenfels waren 65 Fans vor Ort, die dem Erstliga-Aufsteiger die Daumen drückten. Nach sechs Monaten kehrte erstmals wieder mehr Leben auf der Tribüne ein. „Es hat ja unerwartet schnell funktioniert und nach dem stimmungslosen Bundesligaauftakt war es jetzt wunderschön, viele von den Menschen mitfiebern und uns zujubeln zu sehen, die uns die ganzen letzten Jahre – und einige ja sogar seit Abteilungsgründung 2007 – begleitet haben“, so der 32 Jahre alte Schenefelder. Allerdings sei der Blick auf die Tribüne immer noch befremdlich, „denn normalerweise haben wir ja die vierfache Anzahl an Fans“.

Und diejenigen, die vor Ort waren, sahen ein starkes erstes Drittel des Gastgebers im Aufeinandertreffen mit dem Favoriten. Die Blau-Weißen waren von Beginn an konzentriert und konnten in der 5. Minute im Überzahlspiel das 1:0 durch einen starken Schuss von Timo Rother nach Vorlage von Hendrik Vahl erzielen. Wenig später schoss Marius Schwartz das 2:0 nach Vorarbeit von Lasse Schmidt (7. Minute). Der Aufsteiger hatte das Spiel gut im Griff und ließ nur wenige Chancen des 14-maligen Meisters zu. Nach einem Konter konnte Tobias Karnath sogar zum 3:0 einschieben (12.). Die Weißenfelser aus Sachsen-Anhalt trafen noch zum 3:1.

All zu lange sollte die Freude über diesen überraschenden Zwischenstand aber nicht halten. Bereits kurz nach Wiederanpfiff hieß es nur noch 3:2 aus Schenefelder Sicht, ehe danach die Gäste das Kommando vollends übernahmen. Nach dem 3:3 hielt Blau-Weiß-Keeper Bennet Druminski sein Team mit zahlreichen Paraden und einem gehaltenen Penalty zunächst noch im Spiel. Der zweite landete dann jedoch im Tor und Druminski musste den Plastikball noch zwei weitere Male aus dem Netz angeln.

Nach einem Spielstand von 3:6 zu Beginn der letzten 20 Minuten bäumten sich die Schenefelder noch einmal auf und erspielten sich einige Torchancen, die jedoch ungenutzt blieben. Der Gegner schoss noch zwei weitere Tore. „Weißenfels und Leipzig zählen zu den Top-3-Teams in Deutschland und werden sehr wahrscheinlich die Meisterschaft unter sich ausmachen“, sagt Ohlandt, der hauptberuflich Lehrer für Mathe und Chemie ist. Der Maßstab seien diese Mannschaften nicht.

Schließlich verließen einige Leistungsträger und Nationalspieler wie Johannes Gebauer und Felix Irrgang die Schenefelder. Die Brüder Jakob und Jonathan Heins zogen nach Schweden, um es dort als Profis zu versuchen. Verstärkungen gab es nur aus den eigenen Reihen.

„Für uns geht es als Aufsteiger um den Kampf gegen den Abstieg, und da sind es nicht die Spiele gegen die beiden Top-Teams, die wir gewinnen müssen. Aus den Partien gehe ich trotz der hohen Niederlagen mit einem ganz guten Gefühl heraus“, sagt der BW96-Coach, der 2004 in seiner Geburtsstadt Bremen bei den Buntentor Knights mit Floorball – gespielt wird es wie Eishockey nur ohne Eis und Puck – begonnen hatte. In beiden Begegnungen habe es Phasen gegeben, „in denen wir in Spielsituationen kamen, an denen wir in der Vorbereitung gearbeitet haben und die wir dann auch gegen solche hervorragenden Spieler erfolgreich umgesetzt haben.“

Am kommenden Sonnabend könnte es mit den ersten Zählern in der noch jungen Saison klappen. Die Schenefelder treten beim Schlusslicht Red Devils Wernigerode an, das bereits drei Partien verloren hat. Allerdings hebt Ohlandt, der nach seinem Lehramtsstudium in Hamburg seit gut zehn Jahren für Schenefeld aufläuft, vor allem eine gegnerische Eigenschaft hervor: „Dies ist ein Team, dass im Gegensatz zu uns über enorm viel Erfahrung in der 1. Liga verfügt und bis auf die vergangene Saison eigentlich immer mindestens in die Play-offs gekommen ist.“ Vermutlich werden dann auch erstmals drei finnische Legionäre dem Gegner nach erteilter Lizenz zur Verfügung stehen, „die erfahrungsgemäß in der Lage sind, Spiele in der Bundesliga alleine zu entscheiden.“ Den Schenefeldern bleibt also wieder nur die Rolle des Underdogs, der versuchen müsse, „ein enges Spiel über Team- und Kampfgeist zu entscheiden.“

Ohlandt rechnet damit, dass sein Team bis zum Saisonende um den Klassenerhalt in der Play-down-Runde kämpfen muss: „Unser Ziel ist daher, über das Jahr hinweg sehr gezielt an einzelnen Bereichen zu arbeiten, um am Ende zur Nachsaison so gut wie möglich zu sein und hoffentlich spätestens dort den Klassenerhalt sicher zu machen.“

Den Schritt, nach einer kleinen Floorball-Pause, vor zehn Jahren wieder bei Blau-Weiß 96 angefangen zu haben, hat Ohlandt nie bereut: „Hier kam sehr schnell wieder das Gefühl auf, dass Spaß, Freundschaft und sportlicher Ehrgeiz eine gute Synergie bilden und so bin ich seit dieser Saison nicht nur Spieler, sondern eben auch Trainer der 1. Herren.“