Kreis Pinneberg

Kreis bittet um ausgediente Handys und Smartphones

Julia Niemes, Bundesfreiwilligendienstleistende in der Leitstelle Klimaschutz, am Sammelbehälter.

Julia Niemes, Bundesfreiwilligendienstleistende in der Leitstelle Klimaschutz, am Sammelbehälter.

Foto: Kreis Pinneberg

Ab 23. September können die ausgedienten Geräte an drei Standorten im Kreis Pinneberg gespendet werden – als Beitrag zum Umweltschutz.

Kreis Pinneberg.  Zum Telefonieren, zum Schreiben von Kurznachrichten und zum Surfen im Internet mögen sie in den Augen ihrer Besitzer nicht mehr taugen. Für den Rohstoffhaushalt auf der Welt sind sie umso wertvoller: ausgediente Handys und Smartphones. Sie in den Müll zu werfen wäre eine Sünde. In Elmshorn und Pinneberg haben Nutzer in den kommenden Wochen die Möglichkeit, ihre alten Mobiltelefone abzugeben und so Gutes zu tun. Am Mittwoch, 23. September, beginnt die Aktion.

„Wir haben drei große Holzhandys als Sammelbehälter für alte Geräte anfertigen lassen“, sagt Marko Hoffmann, der in der Kreisverwaltung für Abfallwirtschaft zuständig ist. In einer Tischlerwerkstatt der Diakonie in Quickborn seien sie entstanden.

Am 23. September wird die Leitstelle Klimaschutz des Kreises Pinneberg erstmalig auf dem Buttermarkt in Elmshorn vertreten sein. Von 9 bis 12 Uhr können die Bürger dort Mobiltelefone abgeben. Am folgenden Tag wird der Sammelbehälter an der Stadtbücherei Pinneberg zu finden sein. Zeitraum: von 10 bis 14 Uhr.

Wer zu diesen beiden Terminen nicht die Zeit findet, bei dem Sammelbehälter vorbeizukommen, wird trotzdem sein altes Handy los. Bis zum 14. Oktober wird im Rathaus der Stadt Elmshorn und in der Stadtbücherei Pinneberg zu den jeweiligen Öffnungszeiten jeweils ein Behälter stehen. Außerdem bestehe die Möglichkeit, ein Holzhandy für eigene Sammelaktionen bei der Leitstelle Klimaschutz auszuleihen, sagt Marko Hoffmann.

Julia Niemes aus Barmstedt, die am 1. August ihr Bundesfreiwilligenjahr bei der Leitstelle Klimaschutz des Kreises Pinneberg begonnen hat, bereitete diese Aktion mit vor. „Ich bin gespannt auf die Gespräche mit den Menschen auf den Wochenmärkten und die Zahl der abgegebenen Handys“, sagt sie. 100 gespendete Handys wären ihrer Meinung nach ein tolles Ergebnis.

Was aber passiert mit den abgegebenen Telefonen? „Erfahrungsgemäß können rund 15 Prozent weiter verwendet werden“, sagt Abfallexperte Hoffmann. Die restlichen Handys würden fachgerecht recycelt werden, um die wertvollen Rohstoffe zurückzugewinnen.

In den Smartphones sind mehr als 60 verschiedene Rohstoffe zu finden. Aber nicht nur das. Auch Schadstoffe befinden sich in den Mobiltelefonen, die gesondert entsorgt werden müssen. Deshalb sei es nötig, alte Handys fach- und umweltgerecht zu behandeln. „Generell dürfen elektronische Geräte nicht in den Hausmüll“, sagt Hoffmann.

Unter den über 60 verbauten Rohstoffen gebe es einige seltene Edelmetalle, die wiederverwendet werden können. Bei mehr als 200 Millionen ungenutzten Handys, die sich laut dem Branchenverband Bitkom über die letzten Jahre in den Schubladen deutscher Haushalte angesammelt haben sollen, kommt viel zusammen.

Würden alle 200 Millionen Handys recycelt werden, könnten 4,67 Tonnen Gold, 48,38 Tonnen Silber und 1774,19 Tonnen Kupfer daraus gewonnen und wiederverwendet werden. Das Recycling dieser Stoffe wäre vor allem für die Minenarbeiter gut. Denn: „Der Abbau seltener Erden ist mit immensen Schäden für Mensch und Natur verbunden“, erläutert Anja Vratny von der Leitstelle Klimaschutz des Kreises Pinneberg.

Große Landflächen würden für die Gewinnung von Rohstoffen zerstört und Menschen vertrieben werden. Außerdem sei die Arbeit in den Minen gefährlich, werde nicht gut bezahlt und würde auch vor Kindern nicht Halt machen. Deshalb appelliert der Abfallexperte Marko Hoffmann an die Handynutzer, „sich vor dem Kauf eines neuen Telefons zu überlegen, ob man es wirklich braucht“. „Der beste Ressourcenschutz ist, das Handy so lange wie möglich zu nutzen“.

Auch Anja Vratny, Ansprechpartnerin bei der Leitstelle Klimaschutz des Kreises, ist der Meinung, dass der Ressourcenschutz schon im privaten Raum beginnen kann: „ Manchmal beginnt er mit einem Blick in die Schublade, denn hier schlummern oftmals wertvolle Schätze, die nun ans Licht gebracht werden sollen“.

Hintergrund für die Handysammelaktion sind die Deutschen Aktionstage der Nachhaltigkeit (siehe Infokasten). „Im Rahmen der Aktionstage Nachhaltigkeit wollen wir im Kreisgebiet alte Handys sammeln“, sagt Vratny.

Nicht nur tut der Kreis damit der Umwelt und dem Klima etwas Gutes. Auch die ökologischen Bundesfreiwilligendienste Koppelsberg profitieren davon. Für jedes gespendete Handy geht ein Euro in die Unterstützung der Einsatzstellen in Schleswig-Holstein. Dort haben junge Menschen die Möglichkeit, erste Erfahrungen im Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit zu machen sowie erste Berufserfahrung zu sammeln.

Aktion: Nachhaltig

Hintergrund für die Handysammelaktion im Kreis Pinneberg sind die Deutschen Aktionstage Nachhaltigkeit. Diese finden dieses Jahr vom 20. bis 26. September statt. In dieser Zeit starten viele verschiedene Akteure Projekte zur Nachhaltigkeit im Alltag. Ziel ist es, gute Beispiele aus der Praxis und Engagement für das Thema hervorzubringen. Dies kann zum Beispiel im privaten Umfeld durch Müllsammelaktionen mit Freunden und Familie erreicht werden. Aber auch der Vorsatz, eine Woche plastikfrei zu leben, ist in dem Rahmen denkbar. Ob große Firma oder kleiner Privathaushalt – jeder kann im selbstbestimmten Rahmen mitmachen. Es gibt viele Möglichkeit, den Alltag nachhaltiger zu gestalten. In Schleswig-Holstein läuft die Aktion in diesem Jahr im Zeitraum vom 18. September bis zum 8. Oktober.

Ökologischer BFD

Wie sieht der Ökologische Bundesfreiwilligendienst bei der Leitstelle Klimaschutz des Kreises Pinneberg aus? Während der Zeit vor Ort haben die jungen Freiwilligen die Möglichkeit, sich für den Umwelt- und Klimaschutz in der Region einzusetzen. Die Bundesfreiwilligendienstler starten mit einem Orientierungspraktikum mit dem Nachwuchs der Kreisverwaltung und einem Kennlernseminar. Danach beginnt die praktische Arbeit in der Leitstelle Klimaschutz. Während des einjährigen Aufenthalts bei der Leitstelle durchlaufen die Freiwilligen fünf Seminarwochen. Diese dienen der Entwicklung von persönlichen und fachlichen Kompetenzen. Dazu gibt es aber auch viele weitere Angebote für die Mitarbeiter des Kreises. Bewerbungsschluss für ein Jahr Bundesfreiwilligendienst ist der 28. Februar. Zum 1. August geht es los.