Leichtathletik

Kurios: Wettkampf-Aus, weil es im Hochsprung zu gut läuft

Line Kristin Schröder (15, HSV) bezahlt ihre persönliche Bestleistung im Hochsprung teuer; sie bricht mit gereizter Patellasehne den Siebenkampf ab.

Line Kristin Schröder (15, HSV) bezahlt ihre persönliche Bestleistung im Hochsprung teuer; sie bricht mit gereizter Patellasehne den Siebenkampf ab.

Foto: Ralf Görlitz / rgsportbilder.de

Line Kristin Schröder (15) erzielt bei Mehrkampf-DM Bestleistungen. Rellingerin startet nun in Büdelsdorf und bei der DM in Heilbronn

Rellingen.  Das ist doch schon irgendwie paradox – kann eine Sportlerin denn wirklich zu gut sein für ihren laufenden Wettkampf? Leichtathletin Line Kristin Schröder beantwortet diese Frage im Rückblick auf die deutschen Jugend-Mehrkampfmeisterschaften in Vaterstetten zu ihrem Leidwesen mit einem klaren „Ja“.

Damit nicht genug: In der Konsequenz aus ihrem U18-Siebenkampf in Oberbayern, den sie nicht beenden konnte, muss die 15 Jahre junge Rellingerin, die für den Hamburger SV startet, an diesem Sonnabend bei den Einzel-Landesmeisterschaften in Büdelsdorf ungewollt kürzertreten. Sie begnügt sich mit Starts über 100 Meter und in der Sprintstaffel; der eigentlich vorgesehene Weitsprung fällt für sie aus.

Der erste Wettkampftag in Vaterstetten bringt gleich zwei persönliche Bestleistungen

Aber was war denn los? „Ich hatte in Vaterstetten einen richtig tollen ersten Wettkampftag. Nach den guten 14,46 Sekunden zu Beginn im Hürdensprint ist es für mich sogar mit zwei persönlichen Bestleistungen weitergegangen“, erinnerte sich die Schülerin am Halstenbeker Wolfgang-Borchert-Gymnasium. Den 1,57 Metern im Hochsprung ließ Line Kristin Schröder sogleich 10,22 Meter im Kugelstoßen folgen. Und auch die 12,7 Sekunden zum Tagesabschluss im 100-Meter-Sprint waren aller Ehren wert. „Da war ich auf gutem Kurs Richtung neuer Mehrkampf-Bestleistung.“

Die vielen Hochsprünge belasten die Patellasehne zu sehr

Wenn es denn nur bis zum Schluss weitergegangen wäre. Doch die Hochsprungleistung hatte es auch in negativem Sinn in sich – und damit Folgen für Line. „Ich laboriere schon länger an Problemen mit meiner Patellasehne unterm rechten Knie“, sagte die Rechtshänderin, die unüblicherweise auch mit dem rechten Bein abspringt. „Und als sich der Hochsprung für mich immer länger hinzog – dabei trainiere ich den so gut wie nie –, da wurde die Reizbelastung immer größer. Anfangs hat das Adrenalin den Schmerz unterdrückt, aber abends und am nächsten Morgen wurde es doch unangenehm.“ Line probierte sich noch im Weitsprung (5,11 Meter), stieg dann aber aus dem Wettbewerb aus.

Die Vorsicht wird belohnt, Line Schröder darf in Heilbronn bei der DM starten

Die Vorsichtsmaßnahme, inklusive des Weitsprungverzichts für Büdelsdorf, erweist sich nun auch als goldrichtig. Line fühlt sich für diesen Sonnabend fit genug für die beiden Sprintstarts. „Die viermal 100 Meter auf Landesebene sind schließlich in dieser Saison die höchstklassige Staffel, die ich laufen kann; bei der Deutschen Meisterschaft in Heilbronn wird diesmal leider keine angeboten.“

Dennoch darf sich die junge Rellingerin seit Freitag auf eine Reise zum kommenden Wochenende in den Norden Baden-Württembergs freuen. Sie ist bei den nationalen Titelkämpfen der U18 dabei. „Der Verband hatte lange geprüft, wie viele und welche qualifizierten Athleten im Zuge der Anti-Corona-Richtlinien auch wirklich in Heilbronn teilnehmen dürfen“, sagte Line Kristin Schröder. „Jetzt weiß ich, dass ich über die
100 Meter Hürden und im 200-Meter-Sprint am Start sein werde.“