American Football

Trotz Corona: Abflug zur Football-Highschool in den USA

Für diesen Momente wie diesen lebt Michel Born den Footballsport konsequent aus – der Einlauf vor dem Match mit den Fighting Pirates.

Für diesen Momente wie diesen lebt Michel Born den Footballsport konsequent aus – der Einlauf vor dem Match mit den Fighting Pirates.

Foto: Privat / Born

Offense-Linespieler Michel Born (16) wird drei Jahre mit Vollstipendium an der Salisbury School trainieren. Sein Ziel: ein Top-College

Elmshorn.  Vor fünf Tagen hatte Michel Born noch angekündigt, am Flughafen Hamburg „Rotz und Wasser zu heulen“. Schließlich wird der 16 Jahre alte, 1,93 Meter große und knapp 140 Kilo schwere Nachwuchsfootballer der Elmshorn Fighting Pirates die kommenden drei Jahre mit einem Vollstipendium in den USA an der Salisbury Highschool (US-Bundesstaat Connecticut) zur Schule gehen – und dort unter optimalen Bedingungen an seinen sportlichen Zielen arbeiten.

Born blieb dann entgegen der ersten Vermutung – zumindest äußerlich – seinen Eltern gegenüber cool, als er anschließend den Flieger zum Zwischenstopp nach Amsterdam bestieg. In New York angekommen ging es dann mit Bus und Bahn weiter.

Mit Michel Born fliegt auch Clubkamerad Erik Bockisch nach Connecticut

Ebenfalls an Bord war Erik Bockisch (18). Der Barmstedter geht in sein Abschlussjahr an jener Schule und wird von 2021 an – nach drei Jahren Ausbildung – am College Villanova (Pennsylvania) studieren und Football spielen. Das Team spielt in der höchsten US-Nachwuchsliga und generiert die höchste Aufmerksamkeit, um eventuell den Sprung in die Profi-Liga NFL zu schaffen.

Gab es für Born Zweifel, wegen der Corona-Krise den Vertrag über drei Jahre zu unterschreiben? „Natürlich hab ich mir so meine Gedanken gemacht“, sagt der 16-Jährige, der in Kronprinzenkoog (Kreis Dithmarschen) wohnt. Die USA hätten ordentlich mit der Bewältigung der Virus-Krise zu kämpfen. „Aber die Schule ist quasi ein geschlossenes System“, sagt der Footballer. Jene befinde sich ohnehin tendenziell am von unberührter Natur umgebenen Gesäß (Er benutzte ein anderes Wort) der Welt. „Ich mache mir keine Sorgen“, sagt der US-Neubürger, der nun in einem Bundesstaat wohnt, der statistisch gesehen im unteren Mittelfeld der Neuinfektionen rangiert.

Nach der Ankunft in Salisbury folgen zwei Wochen Quarantäne

Bevor der Trip starten konnte, musste er einen negativen Corona-Test vorweisen. Angekommen auf dem Schulgelände folgt eine zweiwöchige Quarantäne, ein weiterer negativer Test macht die Teilnahme an einem einwöchigen Trainingslager möglich. Dann möchte Born, der in der Offensive in der sogenannten O-Line als Left Tackle den eigenen Quarterback vor Angriffen schützt und in der Defense als Nose Tackle sich wuchtig auf Gegenspieler stürzt, zeigen, was in ihm steckt. „Erik hat schon zu mir gesagt, dass die ganzen in Deutschland gewonnenen Duelle hier nichts wert sind. In den USA ist es ein ganz anderer Schnack. Es wird noch einmal mit einer ganz anderen Intensität trainiert“, sagt der U16-Pirat.

Bockisch sollte einst ordentlich Gewicht reduzieren und mehr Muskelmasse aufbauen. Um damit nicht erst vor Ort anfangen zu müssen und schon einen Vorsprung zu haben, begann Born frühzeitig damit. Regelmäßig berichtete er dem Ex-Profi Björn Werner von seinen Fortschritten.

Ein von Björn Werner geführtes Football-Camp öffnet die Tür gen USA

Im August 2019 nahm Michel Liborius Born, der zweite Vorname kam vom Großvater, an einem von Werner geführten Camp (Gridiron Imports) teil. Dort scouten US-Highschool-Coaches europäische Nachwuchsspieler. „Am ersten Tag ging es um Beweglichkeit, Fußfertigkeit, Kondition, Positionstraining und so weiter. Am zweiten Tag gab es dann One-on-One-Duelle innerhalb der Jahrgänge und es wurde kräftig aussortiert. Bis in den U19-Bereich habe ich dann zeigen sollen, wie gut ich mich behaupten kann“, erinnert sich Born.

Er habe anschließend eher ein schlechtes Gefühl gehabt, ehe dann nach vier Tagen der Anruf von Werner kam, dass das Interesse aus den USA an ihm groß sei. „Ich bin immer eher selbstkritisch“, sagt Born. Das kann aber auch dazu führen, dass man immer etwas mehr Gas gibt als andere.

An der Schule kann Born von Bokischs Erfahrung profitieren

Die Wahl fiel auf die Salisbury Highschool. „Da hat einfach alles gepasst. Und mit Erik habe ich auch einen Ansprechpartner, der mir alle Abläufe zeigen kann, wann wir einen Anzug mit Krawatte tragen müssen und so weiter. Das ist gut zu wissen“, sagt er. Born wollte nach einigen Ausflügen in den Kampfsport etwas Neues ausprobieren. Seine Mutter, einst selbst als Spielerin bei den Cologne Crocodiles aktiv, forderte ihren Sohn auf, erst in der Schule wieder auf Kurs zu kommen. Das gelang, der Realschulabschluss mit dem Notenschnitt 2,6 ist in der Tasche.

Ende 2016 fing Michel Born bei den Heide Saints mit dem Football an. Allerdings nimmt das zu kleine Jugendteam nicht am Spielbetrieb teil. Sören Hauff, Coach der U17-Landesauswahl, schaute in Heide vorbei und entdeckte da ein echtes Talent. 2018 folgte der Wechsel in die Piraten-Jugend, weil er auch mal wirklich spielen und nicht nur trainieren wollte. 2019 trat der damals 15 Jahre alte Born bereits für das U19-Team an.

Der Auswahltrainer ist voll des Lobs für Michel Born

In diesem Jahr ließ die Corona-Situation keine Spielzeiten zu. „Er hat echt gut eingeschlagen und ist einfach ein Top-Junge. Es liegen tolle Jahre vor Michel und ich glaube, dass er seinen Weg macht und sich einen Platz am College sichert“, sagt Hauff, der stolz darauf ist, ein Stück des Weges mit ihm bestritten zu haben. Born sei wissbegierig, diszipliniert, fleißig und bringe ein hohes Spielverständnis mit.

In einigen Trainingseinheiten war er auch beim GFL 1-Aufsteiger dabei. „Michel hat den Körper eines Erwachsenen, also wollten wir mal schauen, wie einer aus der B-Jugend sich präsentiert. Und er hat da schon so einige Duftmarken hinterlassen, dass wir unsere Jungs damit aufziehen konnten, sich von einem Jugendlichen blocken haben zu lassen“, sagt Andreas Nommensen, Offense-Koordinator der Piraten. Nommensen hatte Werner vor dem Camp noch mitgeteilt, „dass ihr an dem Jungen bei der Auswahl nicht vorbeikommt.“

Borns großer Traum ist der Sprung von der Salisbury School in ein Division 1-College

Bisher ist Borns Weg nur steil aufwärts gegangen. „Es wäre der Hammer, wenn es wirklich auch bei mir mit einem Division 1-College klappen würde. Darauf werde ich hinarbeiten. Aber selbst wenn das nichts wird, kann mir niemand die Erfahrung nehmen“, sagt der Footballer. Er gehe als Jugendlicher und kehre als Mann zurück. Wenn es als Footballer nicht klappt, dann „werde ich halt Tischler, ich arbeite sehr gern mit Holz.“ Und er selbst scheint auch aus ganz besonderem Holz geschnitzt zu sein...