American Football

Fighting Pirates verzichten für 2020 auf die Erste Liga

Der grenzenlose Jubel und die Aufstiegseuphorie von Pirates-Präsidentin Sylvia Nowak haben mittlerweile für eine allgemeine Sachlichkeit das Feld räumen müssen. Schweren Herzens hat der Footballvorstand die Entscheidung getroffen, nicht in einer eventuellen „Corona-Saison“ anzutreten. Die Modalitäten des Verzichts sind umstritten – anders als noch vor wenigen Wochen bei der GFL-Konferenz beschlossen.

Der grenzenlose Jubel und die Aufstiegseuphorie von Pirates-Präsidentin Sylvia Nowak haben mittlerweile für eine allgemeine Sachlichkeit das Feld räumen müssen. Schweren Herzens hat der Footballvorstand die Entscheidung getroffen, nicht in einer eventuellen „Corona-Saison“ anzutreten. Die Modalitäten des Verzichts sind umstritten – anders als noch vor wenigen Wochen bei der GFL-Konferenz beschlossen.

Foto: Ulrich Stückler

Champion der vergangenen GFL 2-Saison und Aufsteiger will kein Risiko eingehen. Deutscher Verband AFVD plant weiter eine Saison, trotz Corona

Elmshorn.  Die Sportart American Football zählt nicht mehr zu Kontakt-, sondern Kollisionssportarten. Es stehen sich 22 keuchende Männer gegenüber, die aufeinanderprallen und auch auch mal eng umschlungen übereinanderliegen. In Zeiten von Corona sind solche Szenen nicht unbedingt hochangesehen. Auch wenn es immerhin an der frischen Luft geschieht. Eine Football-Mannschaft besteht zudem aus über 50 Spielern.

Bundesweit herrschen unterschiedliche Regelungen in Bezug auf Hygienemaßnahmen im Sport. Dennoch hält der American Football Verband Deutschland (AFVD) an seiner Idee fest, zwischen September und November eine GFL 1-Saison durchzuziehen. Und das, obwohl die meisten Regelungen und Lockerungen sich lediglich auf Teamsportarten im Bereich des Kontaktsports beziehen. Der Verband – theoretisch die Interessenvertretung der Football-Vereine – möchte weiterhin eine Saison von September bis November durchführen – egal, wie viele Teams letztendlich mitwirken möchten.

Ob und wie viele Fans ins Stadion dürften, wäre ungewiss

Niemand kann den Elmshorn Fighting Pirates, die eigentlich nach Vereinsgründung 1991 in diesem Mai als Erstliga-Aufsteiger ihre Kaperfahrt durch GFL 1-Gewässer starten wollten, garantieren, ob und wie viele Zuschauer ins Krückau­stadion kommen dürften. Für Vereine wie die Pirates sind Einnahmen aus Heimspielen neben einem Sponsorenpool jedoch unabdingbar. Daher wählten die Club-Verantwortlich – schweren Herzens – die Option, nicht anzutreten.

Es ist ein Sieg der Vernunft – in Bezug auf die Gesundheit der Spieler und das finanzielle Risiko. „Wir alle haben ganz viel Energie und Zeit investiert, die bei einer frühzeitigen Absage der Saison viel besser für eine Planung für das Jahr 2021 hätte verwendet werden können“, sagt Pirates-Präsidentin Sylvia Nowak. Eine Absage dieser Spielzeit – für den Großteil der Spieler und Coaches ist es trotz Liga eins ein unbezahltes Hobby – wäre vermutlich die naheliegendere Option gewesen.

Anfang Mai sprachen sich die 32 Teams der ersten beiden Football-Ligen (GFL 1 und GFL 2) grundsätzlich für einen Saisonstart aus – doch es vergingen Wochen und Monate, in denen wenig passierte und der Verband außer Durchhalteparolen und aufmunternden Worten den Clubs kaum Konkretes vermitteln konnte. Als Vorwurf kann dies indes nicht gelten, denn die Ungewissheit aufgrund der Pandemie ist allgegenwärtig.

Der Verband wünscht eine Saison und zögert eine endgültige Entscheidung hinaus

Für Außenstehende wirkt die Taktik des AFVD jedoch wie ein ausgiebiges Zeitspiel, das sonst nur von einem Fußball-Team bei einer 1:0-Führung in der Nachspielzeit bekannt ist. Mitte März, als die Piraten ins Mannschaftstraining einsteigen wollten, änderte die Corona-Pandemie alle Pläne – auf und abseits des Football-Feldes. „Wenn diese Zeit in unserem Sport etwas Positives hat, dann ist es der regelmäßige Austausch der Teams in Videokonferenzen untereinander“, so die 53 Jahre alte Elmshornerin, die sich kürzlich in der ambulanten Familienhilfe selbstständig gemacht hatte.

Die Pirates waren bei dieser Kommunikationsstrategie in der GFL-Nordstaffel die Pioniere. Noch immer ist kein reguläres Football-Training möglich. In so kurzer Vorbereitungszeit ist die Gefahr von schweren Verletzungen – die bei diesem Sport ohnehin hoch ist – noch höher. „Es ist eine bewusste Entscheidung. Wir alle vermissen Football sehr, aber in einer solch außergewöhnlichen Zeit ist es die einzig vernünftige und verantwortbare Entscheidung. Die Bedingungen sind einfach nicht so, dass die Spieler ohne Bedenken, ihre Gesundheit zu riskieren, aufs Feld laufen könnten“, so Nowak.

Auch wenn es schmerze, stünde das persönliche Wohl, das Arrangieren mit den Auswirkungen der Krise und deren bestmöglicher Bewältigung an erster Stelle – und damit deutlich vor Erstliga-Football in Elmshorn. „Die Absage war keine einfache Entscheidung, aber bei unseren Planungen hat sich schon relativ früh abgezeichnet, dass wir eher nicht teilnehmen“, meint Tochter Anißa Nowak, Geschäftsführerin des Vereins.

Alle finanziellen Abwägungen sprechen gegen eine Teilnahme an einer Spielzeit 2020

Alle finanziellen Hochrechnungen haben gegen eine Teilnahme gesprochen. Das finanzielle Risiko ist einfach zu hoch und würde als erhebliches Verlustgeschäft sowohl die Lizenz als auch das Fortbestehen des ersten Herren-Teams extrem gefährden.

Zuletzt entbrannte fast eine Art Streit zwischen Verband und Teams – eigentlich hatte man sich geeinigt, dass ein Verzicht nicht an Bedingungen geknüpft sei. In der bisher abschließenden Bundesspielordnung und den Lizenzstatuten tauchen die wesentlich angemahnten Punkte – straffreier Verzicht, Lizenzerhalt, keine Begründung für die Nicht-Teilnahme – aber nicht auf.

Juristen haben gerade ihre helle Freude an den Klauseln, denn theoretisch müsste bei Start-Verzicht unter regulären Bedingungen die Lizenz abgegeben werden. Ein Neustart in der 3. Liga wäre dann möglich. Die Pirates haben nun begründete Anträge für den Start-Verzicht an den Verband übermittelt und gehen von einer positiven Rückmeldung aus.

„Natürlich sind wir enttäuscht, nicht spielen zu können“, sagt Headcoach Jörn Maier über die – Corona ist ausgeklammert – Situation. Im Vorjahr hatten die Elmshorn Fighting Pirates die Zweitliga-Meisterschaft gewonnen. Nach erfolgreicher Relegation gegen Düsseldorf fieberten alle im Club und die Fans der GFL 1-Saison entgegen.

Vorgesehener Kader hätte ein „Wörtchen mitreden können“

„Wir hatten einen Kader geformt, der ein gewichtiges Wörtchen hätte mitreden können. Es ist einfach schade, weil wir Elmshorn gern auf die Football-Landkarte gesetzt hätten“, sagt der 49-jährige Chefpirat. Doch dann hat die Corona-Pandemie die Ambitionen des Aufsteigers wie ein Sturm ordentlich durchgerüttelt.

„Meiner Meinung nach ist es überhaupt nicht sinnvoll und umsetzbar, in dieser Kürze der Zeit Hochleistungssport zu betreiben. Nach wie vor gelten in den Bundesländern unterschiedliche Regeln, was erlaubt ist und was nicht“, ärgert sich Maier. Der Großteil der Football-Vereine – dem Vernehmen nach will maximal eine Handvoll Teams aus beiden Ligen antreten – hatte sich für eine Absage der GFL-Spielzeit 2020 eingesetzt. Bei allen gab es eine Saisonplanung, die lediglich auf Spekulationen basierte.

Seit dem 26. Juni gibt es zumindest wieder so etwas wie ein Mannschaftstraining der Elmshorner unter Einhaltung der geltenden Hygienevorschriften. In Kleingruppen von bis zu zehn Spielern können die Basics trainiert werden. Aber ohne Ausrüstung und mit angezogener Abstandshandbremse ist es höchstens „Football light“. Mitte August sollen dann vermutlich 30 Personen in Schleswig-Holstein ohne imaginäres Maßband miteinander Sport treiben dürfen. Schon kurz darauf müssten dann alle bereit sein. Jedenfalls diejenigen, die möchten...