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Bernd Ruhser trainiert erstmals ein Frauenteam

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Bernd Ruhser, Trainer Frauenfußballerinnen FC Union Tornesch Saison 2020/21

Bernd Ruhser, Trainer Frauenfußballerinnen FC Union Tornesch Saison 2020/21

Foto: Frederik Büll

Elmshorner Fußballcoach übernimmt Oberligist FC Union Tornesch. Der bald 64-Jährige ist seit seinem sechsten Lebensjahr Vollblutkicker.

Tornesch. Bernd Ruhser ist neuer Trainer bei den Tornescher Oberliga-Fußballerinnen. Wie lang hat es denn gedauert, bis ihn die erste chauvinistische Nachricht aus dem riesigen Bekanntenkreis – der Elmshorner spielt seit 58 Jahren Fußball – erreicht hat? „Da kam gar nichts aus dieser Richtung. Die Leute wissen eben, dass es eine tolle und interessante Aufgabe ist. Die Basis ist ja auch gleich, nur die Anatomie eben anders“, sagt der Union-Coach, der am 3. August seinen 64. Geburtstag feiert.

Der Frauenfußball habe mittlerweile einen ganz anderen Stellenwert als noch vor gefühlt einigen Jahrzehnten, „als die nicht ganz so schlanke Spielerin eher in die Abwehr gestellt wurde und alle nur mit der Pike geschossen haben. Das hat sich ja alles geändert“, sagt Ruhser, der erstmalig ein Frauenteam anführt.

Am gestrigen Donnerstag hat er seine erste Trainingseinheit am Tornescher Torneum geleitet – ist da noch eine Spur Aufregung dabei? „Nein“, so die klare Antwort des ehemaligen Lufthansa-Mitarbeiters (Verkehrsabrechnung), der sich seinen Ruhestand mit Fußball weiter verschönert. „Solange mir das Spaß macht, tue ich mir ja nichts an. Wenn ich auf dem Sportplatz mit jungen Menschen den Kontakt halte, halte ich die Verbindung und das hält mich doch auch jung“, erklärt Ruhser.

Er wirkt tiefenentspannt und scheint zudem immer einen lockeren Spruch auf Lager zu haben. Nach einem Jahr bei den Kreisliga-Fußballern des TSV Sparrieshoop verließ er das Team. Der VfL Kellinghusen (Verbandsliga Schleswig-Holstein) klopfte bei Ruhser an. Der Fahrtweg dorthin war ihm zu lang, doch der aktuelle Trainer Aykut Ekici, befreundet mit Torneschs Oberliga-Herrencoach Thorben Reibe, machte ihn auf vakante Stellen beim FCU aufmerksam. Reibe war auf der Suche nach einem Co-Trainer, doch Ruhser hatte eher Lust in Eigenregie eine Mannschaft zu coachen.

Vor gut 25 Jahren war er vom Frauenfußball angetan

Er habe immer mal mit dem Gedanken gespielt, ein Frauen-Team zu übernehmen. Jetzt war die Chance nach den Gesprächen mit dem FCU-Vorstand da. „Ich glaube, dass Frauen einen höheren Anspruch an sich selbst haben als vielleicht die Männer“, sagt der neue Trainer, der das Amt von Guido Krenzk, der Anfang März nach nur gut drei Monaten zurückgetreten war, übernimmt. Vor gut 25 Jahren hat er als Spieler der Seniorenmannschaft von Rasensport Elmshorn mal ein Testspiel gegen die Bundesliga-Damen des HSV bestritten und war von Technik und taktischer Disziplin der Damen durchaus angetan.

Für Offensivkraft Ruhser, der in der Saison 1977/78 als Halbprofi für den SV Sandhausen auflief, sollte dies aber der bis jetzt letzte Berührungspunkt – abgesehen von Spielen im TV – gewesen sein. Der „400-prozentige Fußballer“ sammelte im Herrenbereich in jüngeren Jahren einige Hamburger Titel und Pokalsiege mit Raspo Elmshorn ein.

Im Alter von 40 Jahren kam er im Oberliga-Team unter der kürzlich verstorbenen Trainerlegende Eugen Igel zum Einsatz. Geschätzt 1000 Tore hat er in seiner noch immer aktiven Karriere erzielt – zurzeit im Seniorenteam von Holsatia/EMTV. Als Trainer feierte Ruhser Aufstiege mit dem SSV Rantzau in die Landesliga oder auch mit dem VfR Horst in die Verbandsliga Süd-West. Seine Lieblingssportart hat ihn zudem mit dem Lufthansa-Betriebssportteam weltweit an viele Orte gebracht.

In der Vergangenheit ist bei Union Tornesch immer mal wieder mit einem Aufstieg in die Regionalliga geliebäugelt worden; letztendlich hat es sportlich bisher nicht geklappt – die Vorsaison sollte allerdings ohnehin zum Einbau der Talente genutzt werden und endete coronabedingt auf Platz zwei. Besonders schwer wiegen nun die Abgänge von Torhüterin Saskia Schippmann (SV Henstedt-Ulzburg) und Benita Thiel (Walddörfer SV). Alina Wachter hat sich nach überstandenem Kniescheibenbruch gegen Fußball für Hockey entschieden. „Ich muss mir die nächsten sechs Wochen erst einmal ein vernünftiges Bild über den Leistungsstand machen“, sagt Ruhser, der sich zuvor noch eine von Co-Trainer Philipp Pohl geleitete Einheit angeschaut hatte.

Die Bedingungen, erfolgreichen Fußball zu spielen, sind auf jeden Fall gegeben. „Diese hervorragende Anlage ist im obersten Regal, was Fußball-Hamburg zu bieten hat“, sagt der erfreute Coach über beispielsweise zwei Kunstrasen und einen Naturrasenplatz sowie allerhand Trainingsmaterialien am Torneum.

Bei maximal zehn Fußballern, die momentan ohne Abstand spielen dürfen, ist an reguläre Trainingsbedingungen nicht zu denken. Ein genauer Termin für den Saisonstart 2020/21 steht noch nicht fest – aber Ruhser bleibt ohnehin relaxed.

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