Volleyball

Aus Spaß an der Freude wird Herausforderung Nationalteam

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Der im Pinneberger Quellental aufgewachsene Florian Krage (SVG Lüneburg) ist Mittelblocker und profitiert bei seiner zentralen Position am Netz von stattlichen 2,03 Metern Körpergröße. Jetzt darf sich der ehemalige Drittligaspieler des VfL Pinneberg im Nationalteam beweisen.

Der im Pinneberger Quellental aufgewachsene Florian Krage (SVG Lüneburg) ist Mittelblocker und profitiert bei seiner zentralen Position am Netz von stattlichen 2,03 Metern Körpergröße. Jetzt darf sich der ehemalige Drittligaspieler des VfL Pinneberg im Nationalteam beweisen.

Foto: Tim Groothuis / WITTERS

Als sich Florian Krage 2011 für Volleyball entscheidet, will er nur spielen. 2016 geht’s in die 1. Liga, nun stellt er sich im Bundeskader vor

Pinneberg.  Er wollte doch nur spielen. Dieses zwar möglichst oft, gut und gerne auch erfolgreich, aber eigentlich sollte Volleyball für Florian Krage (23) in erster Linie ein Spiel bleiben. So zumindest dachte der junge Mann aus dem Pinneberger Quellental in den fünf Jahren bis 2016, als er beim VfL Pinneberg diesen Sport als Jugendlicher bis in den Herrenbereich hinein erlernte.

Und jetzt? Nachdem er schon mit den deutschen U21-Junioren ein wenig Länderspielluft in der WM-Qualifikation schnuppern durfte, steht er „plötzlich“ sogar im erweiterten Nationalkader der Männer und bestreitet zurzeit einen DVV-Lehrgang in der Sportschule Kienbaum. Für den 22. und 23. Juli sind als Lehrgangsabschluss zwei Länderspiele im polnischen Zielona Góra angesetzt.

Erst 2011 folgt für Krage der Schwenk vom Faustball zum Volleyball

Welch eine Entwicklung vom jugendlichen Spaßspieler zum hart arbeitenden Leistungssportler. Ein heimlich vielleicht doch lange gehegter Lebenstraum oder ein erst durchs Leben geformter Weg? Definitiv Letzteres, denn lange Zeit hatte Volleyball so gar nicht prominent im Fokus des 2,03 Meter messenden Hünen gestanden.

„Ich hatte mich erst 2011 nach kurzem Überlegen gegen Faustball, meinen bisherigen Sport, entschieden. Dabei hatte ich es da mit dem VfL Pinneberg in unserer Altersklasse auch schon zur Deutschen Vizemeisterschaft gebracht“, erinnert sich Krage heute. „Ich könnte jetzt gar nicht mal genau benennen, was den Ausschlag pro Volleyball gegeben hatte. Der Reiz war wohl größer.“

Eine Entscheidung, die allerdings auch die erste Weiche in die Richtung gestellt hat, dass Volleyball heute für Florian Krage nicht mehr nur Spaß und der geliebte Sport ist; denn der 23-Jährige hatte 2016, als er für die Drittligamänner des VfL Pinneberg aktiv war, die Rechnung ohne Stefan Hübner gemacht.

Als Drittligaspieler des VfL macht er auf sich aufmerksam

Der Trainer von Bundesliga-Aufsteiger SVG Lüneburg hatte den VfL-Mittelblocker beobachtet und gefragt, ob dieser Lust habe, von der Saison 2016/2017 an für den Erstligisten in der Salzstadt aufzulaufen. „Die Anfrage kam genau zu dem Zeitpunkt, als ich nach dem Abi grundsätzlich bereit für etwas Neues war“, erinnert sich der Student des Wirtschaftsingenieurwesens an der Lüneburger Leuphana Universität an den Moment, der sein sportliches Leben auf den Kopfstellen sollte. „Ich hatte vorher mit dem Gedanken an ein Duales Studium gespielt, also studieren und arbeiten – jetzt studiere ich halt und betreibe Leistungssport. Das ist aber auch Arbeit. Ich muss zum Beispiel intensiv durch Krafttraining meinen Knieproblemen vorbeugen, die ich im ersten Bundesligajahr hatte.“

Im Sommer 2021 soll auch der Masterabschluss folgen

Den Bachelor hat Krage bereits in der Tasche, bis 2021 soll nun der Master­abschluss folgen. „Und ich bin ganz froh darüber, dass ich mit dem Studium eine kleine Parallelwelt zum Sport habe. Ich fühle mich sehr wohl bei der SVG; aber ich genieße es, in meiner kleinen ,Leuphana-Blase‘ mit Menschen zusammenzukommen, mit denen ich nicht über Volleyball rede.“

Einen dicken „Stein im Brett“ haben Hübner und die SVG bei Krage, „weil sie den Mut hatten, als sie mich und dann auch Konrad Thole in die 1. Liga holten, sich für zwei unerfahrene und junge Spieler aus dem Hamburger Verband und nicht für zum Beispiel USA-Rückkehrer mit College­erfahrung entschieden haben.“

Mittlerweile ist Krage im Volleyball-Oberhaus ganz angekommen. DVV-Cheftrainer Andrea Giani hat das Talent entdeckt – und fordert ihm nun seit Lehrgangsbeginn am 3. Juli einiges ab. „Ein normaler Tag hier beginnt um 8.30 Uhr mit Frühstück; das erste Training ist dann um 10 Uhr. Um halb eins essen wir Mittag, nach einer kurzen Siesta folgen dann von 15 bis 18 Uhr die nächsten Trainingseinheiten, ehe es noch vor der eher kurzen Abendfreizeit ein gemeinsames Abendessen gibt.“

Unterscheidet sich das Training mit dem Nationalteam abgesehen vom zeitlichen Umfang sehr vom Volleyball, den er von der SVG Lüneburg gewöhnt ist? „Der Unterschied ist groß für uns Neue. Das System ist teilweise recht anders. So müssen wir zum Beispiel für Reflexentscheidungen ganz andere Laufwege verinnerlichen. Aber ich mag diese Herausforderung und hoffe, dass ich mich für weitere Einsätze empfehlen werde.“

Dass er dazu das Zeug hat, weiß sein ehemaliger VfL-Coach Daniel Prade: „Auch wenn 2016 nicht abzusehen war, dass Florian diesen Weg nehmen würde, war schon damals zu erkennen, dass er diese notwendige Mischung aus Arbeitseinstellung, Intelligenz und Physis hat, um sich im Spitzensport zu entwickeln. Und ganz ehrlich: Als ich gehört habe, dass Flo zum Nationallehrgang eingeladen wurde, hatte ich tatsächlich etwas ,Augenpipi‘. Der Junge wird seinen Weg weitergehen.“

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