Motorsport

Der erste Schritt zum Titel „Deutschlands schnellste Frau“

| Lesedauer: 6 Minuten
Sie will Deutschlands schnellste Frau werden. Rennveranstaltungs-Moderatorin und Social Media-Managerin Nina von Horn (34) lässt sich in den USA zur Dragster-Fahrerin ausbilden. Jetzt kam mit der Post die erste Lizenz für die 750 PS starken und rund 280 km/h schnellen Super Comp Dragster.  

Sie will Deutschlands schnellste Frau werden. Rennveranstaltungs-Moderatorin und Social Media-Managerin Nina von Horn (34) lässt sich in den USA zur Dragster-Fahrerin ausbilden. Jetzt kam mit der Post die erste Lizenz für die 750 PS starken und rund 280 km/h schnellen Super Comp Dragster.  

Foto: Nina von Horn/privat

Renntag-Moderatorin Nina von Horn hat ihre erste Lizenz als Dragsterfahrerin erhalten. Damit es weitergeht, sucht sie auch Sponsoren

Barmstedt.  So manche Post hat in letzter Zeit ein wenig länger auf sich warten lassen, bis sie im heimischen Briefkasten gelandet ist. Doch für diesen Brief hat sich Nina von Horn fast ein halbes Jahr lang gedulden müssen, bis das ersehnte Schreiben aus den USA, an das eine kleine Plastikkarte im Scheckkartenformat geheftet war, bei ihr in der Nähe von Barmstedt eingetrudelt ist.

Es war jeden Tag des Wartens wert. Ist doch diese kleine Scheckkarte der Beweis dafür, dass die freie Moderatorin für Rennveranstaltungen den ersten Schritt zu ihrem großen Ziel erfolgreich bewältigt hat. Es ist die Lizenz zum Dragsterfahren für die Frau, die ihren Herzenswunsch gelassen formuliert: „Ich möchte Deutschlands schnellste Frau werden – auf vier Rädern.“

Was verwegen klingt, könnte relativ leicht umzusetzen sein – wenn denn die 34-Jährige ihren nun eingeschrittenen Weg fortführen kann. Dieser begann mit ein wenig familiärer Prägung. „Bei uns haben Autos immer eine Rolle gespielt. Mein Vater war in einem Mercedes SL-Club, und wir haben oft gemeinsam Formel 1-Rennen gesehen, schon als ich noch recht klein war“, erzählt die junge Frau mit den leuchtend roten Haaren. „Meine Mutter hat oft an ihrer Ente, dem Citroen 2 CV, geschraubt. So, wie ich es jetzt auch gerne an meinem Audi A3 aus der ersten Serie mache. An den kann man noch schön selber Hand anlegen.“

Kurzzeitig lautete ihr Berufswunsch KFZ-Mechatronikerin

Wenig überraschend, dass Nina von Horn kurzzeitig KFZ-Mechatronikerin als Berufswunsch hegte. „Ich habe im Praktikum voll überzeugt, musste mir dann aber leider bei Bewerbungen so etwas anhören wie, dass das wohl nichts für mich sei, weil ich doch die Mitarbeiter ablenken würde“, erinnert sich die wortgewandte Frau mit einer Mischung aus Schmunzeln und Grübeln. „Heute würde das vielleicht anders laufen, aber ich bin ja jetzt genau dort, wo ich sein will.“

Dieses „dort“ ist mitten drin in der Motorsport- und Autoszene, speziell in den USA. 2012 war das Jahr, als sich die Weichen für sie in diese Richtung stellten. „Ein Freund hatte mich zu einer Dragster-Veranstaltung in Hockenheim mitgenommen, da ist der Funke übergesprungen. Noch im selben Jahr bin ich nach Las Vegas zur SEMA, der internationalen Automobilshow, gereist.“

Von da an folgte jährlich mindestens eine USA-Reise. Las Vegas, Kalifornien, Florida oder auch Texas – dorthin, wo bei einer Veranstaltung ein Spartensender oder Onlinemagazin ihrer Dienste bedurfte. „2017 habe ich zum ersten Mal in einem Cockpit Platz nehmen dürfen. Tony Schumacher, der in den USA mit acht Weltmeistertiteln eine Legende im Dragracing ist, hat mich in seinem Top Fuel Dragster sitzen lassen“, berichtet Nina von Horn vom Erstkontakt mit einem der bis zu 11.000 PS starken Geschosse auf vier Rädern. „Spätestens da wusste ich, dass ich auch einmal so einen Racer steuern möchte.“

Ausgerechnet vor dem Kursus ist der Flug verspätet

Als es im Herbst 2019 soweit ist, wird alles ungewollt hektisch. „Ich wollte im Oktober in Las Vegas bei Frank Hawley an einem Lizenzierungs-Fahrkursus für Super Comp Dragster, die Basisklasse der Dragster, teilnehmen. Der ist aber zeitlich nach vorne verlegt worden. Also habe ich alternativ den gleichen Kursus in Fontana/Kalifornien belegt, der aber schon am Tag nach meiner Ankunft beginnen sollte“, so von Horn. „Aber dann ist mein Flug zehn Stunden zu spät. Ich komme abends in Las Vegas an, muss mit dem Mietwagen viereinhalb Stunden nach Kalifornien fahren, um dann morgens um sieben Uhr im Kursus zu sein. Unterm Strich hatte ich in diesen Tagen drei Nächte praktisch ohne Schlaf.“

Ihre guten Englischkenntnisse helfen Nina von Horn. Nach Theorie, Sicherheitshinweisen und Tipps, kam die erste Prüfung. „Wir mussten mit geschlossenen Augen einen Orientierungstest im Cockpit absolvieren, dazu hatten wir uns vorher ein Video einprägen müssen.“ Dann wurde es ernst, die ersten Läufe standen an. „Um die Lizenz zu erhalten, brauchst du sechs ,Time Slips‘, diese Ausdruckstreifen aus der Zeitmessanlage, die eine makellose Fahrt von dir belegen“, erklärt die Rennsportfreundin.

Als sie ersten Mal die 750 PS im Super Comp entfesseln darf und die rund 400 Meter Rennstrecke in achteinhalb Sekunden bewältigt, sind Worte nicht genug. „Das war einfach Adrenalin pur. Die Kräfte, mit denen Du in deinen Sitz gepresst wirst, sind enorm.“

Dann das Malheur. Die Nächte ohne Schlaf haben doch an der Konzentration genagt. „Da habe ich zweimal denselben Fehler gemacht, bin vom Gas gegangen, als ich den Knopf für die Kraftübertragung bediente und hab den Lauf versaut.“ Also standen nur vier gute Fahrten zu Buche – das Aus für die Lizenz? „Ich habe dann während des Aufenthalts überlegt, was ich mache, und bin dann im November nach Gainsville in Florida geflogen. Dort hat Frank Hawley noch eine Schule und ich habe die fehlenden zwei Läufe absolviert. Das war die Lizenz.“

Ein teurer Führerschein, 3000 Euro hat das Vergnügen gekostet. Kein Vergleich indes zur nächsten Klasse, die bei bestandener Prüfung Nina von Horn zur schnellsten Frau Deutschlands machen würde. Um einen rund 3500 PS starken Top Alcohol Dragster fahren zu dürfen (Spitze: ca. 480 km/h), müsste sie eine neue Lizenz erwerben. „Und die würde dann um die zwölf- bis 15.000 Euro kosten“, sagt Nina von Horn und sieht sich mit einem Schlag der harten Realität in Corona-Zeiten gegenüber. „Um das Geld dafür zu verdienen, müssten natürlich wieder Großveranstaltungen erlaubt sein, für die ich gebucht werde; vielleicht finde ich ja auch einen Sponsor. Ich hoffe sehr, dass es endlich bald wieder los geht. Mir fehlt dieser Geruch von verbranntem Gummi und Nitro Methan...“

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