Pinneberg
Sportvereine

Appell aus dem Home-Office: „Seid bitte solidarisch“

Uwe Hönke lenkt die Geschicke des VfL Pinneberg zurzeit von seinem Home-Office in Holm aus.

Uwe Hönke lenkt die Geschicke des VfL Pinneberg zurzeit von seinem Home-Office in Holm aus.

Foto: Privat

Uwe Hönke, Geschäftsführer des VfL Pinneberg, arbeitet in Quarantäne von zu Hause aus. Er hofft auf die Vereinstreue der Mitglieder.

Pinneberg/Holm.  Uwe Hönke bleibt zu Hause. Das sollte derzeit zwar jeder machen, dem es möglich ist,
aber im Fall des Geschäftsführers des VfL Pinneberg endet die selbstgewählte, freiwillige 14-tägige Quarantäne erst am Sonntag, 29. März. Der 53 Jahre alte Holmer hatte am 15. März seine Frau Sanny und seinen Sohn Michel am Flughafen Hamburg abgeholt. Die beiden waren zuvor im Ski-Urlaub im österreichischen Gasteiner Tal. Zu jener Zeit gab es die Empfehlung, sich als Rückkehrer aus jenem Nachbarland inklusive der Angehörigen in freiwillige Quarantäne zu begeben.

Der Familie geht es gesundheitlich gut, es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich jemand mit dem Corona-Virus infiziert haben könnte. Alle drei hätten sich mit der Situation vernünftig arrangiert, da sein Sohn bereits 17 Jahre alt ist – Tochter Stina (20) wohnt in Leipzig und studiert Medizin –, ist eine intensive Rundumbetreuung plus Arbeit im Fall der Hönkes nicht gegeben. Der Frühjahrsputz im Haus und die Gartenpflege sind in vollem Gange. Auch die externe Unterstützung funktioniert reibungslos. „Wir werden rührend von unseren Freunden und auch den Nachbarn versorgt, die uns unter anderem mit Lebensmitteln versorgen“, sagt Hönke.

Das Vereinsangebot ist fast vollständig zum Erliegen gekommen

Neben der Sorge um die eigenen Liebsten macht sich Hönke in Zeiten der Krise auch Gedanken um die Zukunft des VfL Pinneberg. „Ich kann nur an unsere Mitglieder appellieren, dass wir das alle gemeinsam durchstehen“, sagt Hönke. Momentan hat der knapp 5100 Mitglieder umfassende Sportverein sein Angebot aufgrund der Corona-Krise komplett heruntergefahren. „80 Prozent der Finanzierung laufen über Mitgliedsbeiträge und über die Einnahmen aus Kursen, wie zum Beispiel Reha-Angeboten“, berichtet Hönke. Die restliche Summe kommt über Spenden, Zuschüsse, Eintrittsgelder und sogenannte wirtschaftliche Geschäftsbetriebe wie Sponsoring, das Bistro Stadion3 und Verkäufe, etwa Cafeteria bei Turnieren, zustande.

Durch die Ausfälle fehlen dem Verein rund 15.000 Euro im Monat

Einnahmen aus Kursen fallen zurzeit komplett weg – käme es nun auch noch zu einem Mitgliederschwund, wäre die Zukunft eines VfL Pinneberg in seiner derzeitigen Form mehr als fraglich. „Allein durch die nicht stattfindenden Reha-Angebote und weiteren Kurse, die ausfallen, beträgt der monatliche Fehlbetrag für uns etwa 15.000 Euro“, sagt Hönke. Es scheint, dass in dieser Zeit die Hoffnung auf die Solidarität der Clubmitglieder quasi der einzige Silberstreif am Horizont ist, um eine Vereinsinsolvenz zu verhindern.

Die Corona-Krise trifft den Breitensport mit voller Härte. Bis mindestens zum 19. April ist das Sportgeschehen in Schleswig-Holstein auf Vereinsebene stillgelegt. Der VfL ist Arbeitgeber für 27 festangestellte Mitarbeiter, die ihrer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit weitgehend im sportlichen Bereich des VfL nachgehen. Darüber hinaus gibt es üblicherweise auch eine Betreuung für Gruppen. 41 Mini-Jobber bekommen dank ihres Engagements ein finanzielles Zubrot. Gerade in den Bereichen Ballett, Fitness und Tanzsport haben einige Freiberufler bisher in Pinneberg auch Geld verdient.

Das Minimieren der Austritte ist für Vereine überlebenswichtig

Kernaufgabe ist zurzeit, die Mitgliederzahlen möglichst konstant zu halten. Üblicherweise liegt die jährliche Fluktuation bei etwa 1400 Mitgliedern. Aus- und Eintritte halten sich größtenteils die Waage, sodass der VfL Pinneberg stets in der Vergangenheit bei rund 5000 Mitgliedern lag. Eintritte erscheinen aufgrund der undurchsichtigen Lage unwahrscheinlich, umso wichtiger ist es, die Zahl der Austritte zu minimieren.

„Das Coronavirus beschäftigt das gesamte gesellschaftliche Leben und trifft auch die Sportfamilie sehr hart und unvermittelt. Solidarität, Gemeinschaft und das Erleben von Zusammengehörigkeit haben den Sport in unseren Vereinen groß gemacht. Diese Solidarität erbitte ich jetzt auch von Ihnen in dieser gesellschaftlichen Ausnahmesituation“, erklärt Hans-Jakob Tiessen, Präsident des Landessportverbandes in einem Schreiben, das er kürzlich an alle Sportvereine Schleswig-Holsteins geschickt hatte.

Besonders betroffen sind Vereine mit hohen Personalkosten

Gerade die größeren Sportvereine mit hohen Personalkosten treffe diese Krise besonders empfindlich. „Das soll jetzt natürlich nicht despektierlich wirken, aber für kleinere Vereine, bei denen größtenteils Ehrenamtler tätig sind, ist die Lage schon etwas einfacher“, meint der Holmer. Auch das Thema Kurzarbeit dürfe beim VfL kein Tabu mehr sein, je nachdem wie sich die Lage in den kommenden Wochen und Monaten entwickelt.

Der dreiköpfige Vorstand des VfL, aus dem Vereinsvorsitzenden Carsten Lienau und seinen Stellvertretern Hönke und Ulf Becker, tauscht sich regelmäßig auf dem elektronischen Postwege oder in Telefonkonferenzen aus. Lienau und Becker trafen sich in gebotenem Sicherheitsabstand auch im Büro am Fahltskamp – Hönke per Telefon zugeschaltet.

Der Geschäftsführer agiert im Home-Office. „Das läuft auch alles. Ich komme von zu Hause aus auf den Server und kann alle Programme nutzen, die ich sonst aus dem Büro heraus bediene. Wir haben derzeit zwei Teams gebildet. Eines kümmert sich vormittags um den VfL, das andere dann nachmittags“, so Hönke.

„Wir haben uns der Situation eben anpassen müssen, eine Dauerlösung soll dies aber nicht werden.“ Mit dieser Hoffnung ist Uwe Hönke nicht allein...