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Corona: Ein Fighting Pirate meldet sich aus der Quarantäne

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Pirates-Footballer Lars Oehme hat schon seit der ersten Märzwoche das Zuhause nicht mehr verlassen.

Pirates-Footballer Lars Oehme hat schon seit der ersten Märzwoche das Zuhause nicht mehr verlassen.

Foto: Privat

Der Elmshorner Footballer Lars Oehme ist mit dem Corona-Virus infiziert. Es geht ihm gut. Von zu Hause aus berichtet er über die Diagnose

Elmshorn.  Normalerweise würden die Erstliga-Footballer der Elmshorn Fighting Pirates, die nun nach theoretischer Ankunft ihrer Importspieler aus den USA hätten Verstärkung erhalten sollen, ihr Training auf dem Kunstrasenplatz des EMTV in Angriff nehmen, den Saisonstart Anfang Mai fest im Blick. Aber im März 2020 ist eben alles anders.

Ein klitzekleines Virus namens Corona hat die große Welt komplett im Griff. Keiner der verpflichteten ausländischen Spieler darf derzeit nach Deutschland einreisen, es gibt kein Teamtraining, die Footballer sollen sich individuell fit halten. „Ich habe noch Hoffnung, dass die Saison gespielt wird. Im Mai bestimmt nicht, aber vielleicht ab Juni oder Juli“, sagt Lars Oehme.

Der Defensive Back bleibt sportlich optimistisch und auch gesundheitlich geht es ihm den Umständen entsprechend gut. Der 30 Jahre alte Pirates-Footballer aus Hamburg-Wandsbek wurde am 9. März positiv auf den Corona-Virus getestet. Schon fünf Tage zuvor war er mit seiner Freundin in eine zweiwöchige häusliche Quarantäne gegangen. Mit Ausnahme von leichteren Erkältungssymptomen zwischendurch hat er keine Beschwerden.

Ein weiterer Test ist nötig, damit Oehme vom Amt als gesund erklärt wird

Um die Isolation beenden zu dürfen, wird laut Oehme, der keinerlei Symptome aufweist, ein weiterer Test benötigt. Das Amt entscheidet letztendlich, ob die Quarantäne aufgehoben wird. Oehmes Freundin darf mittlerweile die Wohnung wieder verlassen, er selbst muss noch auf sein Ergebnis warten.

Als Export-Sales-Manager, tätig im Lebensmittelbereich für das europäische Geschäft, war Oehme zuletzt aus beruflichen Gründen unter anderem auch in Paris unterwegs. Zuvor am Mittwoch, 26. Februar, war er von einer eintägigen Mailand-Geschäftsreise nach Übernachtung im Hotel zurückgekehrt und am Flughafen Hamburg gelandet.

Die italienische Metropole gehörte zu jener Zeit offiziell noch nicht zu einem Risikogebiet für das Virus.
„Ich bin dann völlig symptomfrei direkt vom Hamburger Flughafen zum Hallentraining der Pirates gegangen. Die ersten Symptome hatte ich dann circa eine Woche später“, erzählt er. Oehme klagte dabei weder über Husten, hatte kein Fieber. „Es hatte sich so angefühlt, als ob irgendwas mit den Nasennebenhöhlen los ist.“

Wegen atypischer Symptome gab es zuerst nur ein Antibiotikum

Sein Hausarzt wies ihn zunächst an, in die Praxis zu kommen, schickte ihn dann jedoch wieder direkt nach Hause. Der zu Oehme beorderte Arzt wollte indes keinen Corona-Test machen; er verschrieb – aufgrund fehlender typischer Symptome – lieber ein Antibiotikum. Anschließend ging es ein zweites Mal zum Hausarzt. „Ich bin bewusst Auto gefahren, aber ein paar Leuten, auch in der Praxis, begegnet man eben dann doch schon. Eingekauft habe ich in dieser Zeit auch noch einmal“, sagt der Hamburger, der 2006 mit Football in der Jugend des Elmshorner Clubs begonnen hatte.

Erst als sein Arbeitskollege letztlich positiv auf das Virus getestet worden war und ihn darüber informiert hatte, wurde bei ihm der Weg der Corona-Diagnose eingeschlagen. „Die Kommunikation zwischen Ärzten, Behörden und Gesundheitsämtern schien wegen der undurchsichtigen und neuartigen Lage nicht immer so ganz optimal zu laufen. Es herrschte Unklarheit über Abläufe“, sagt Oehme. In diesen Zeiten sei der ärztliche Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116 117 kaum noch zu erreichen.

Die Zeit in den eigenen vier Wänden haben Oehme und seine Freundin für Dinge genutzt, die sich sonst gerne aufschieben lassen. „Wir haben zum Beispiel Schränke und die Küche mal so richtig aufgeräumt. Außerdem schaue ich TV oder Netflix, mache die Ablage oder lese viel. So ein bisschen tut das ganze auch mal gut. Draußen ist ja derzeit auch nicht so viel los“, sagt der Defensive Back, der auch aus beruflichen Gründen in der Vorsaison in lediglich vier von 16 Spielen in der 2. Liga (GFL 2) zum Einsatz gekommen war.

Die Möglichkeit für spontane Besorgungen fehlt Oehme sehr

2012 und 2013 war Oehme bei den St. Pauli Buccaneers aktiv, 2016 folgte eine Saison im GFL 1-Team der Hamburg Huskies, ansonsten blieb er seinem ersten Football-Club in der Krückau­stadt in all den Jahren stets treu. Die Spontaneität, nach Lust und Laune die Wohnung zu verlassen, fehle aber schon. „Mal ein Bier in der Kneipe zu trinken oder sich einfach eine Cola aus dem Supermarkt zu holen. Alles, was eigentlich immer selbstverständlich war.“

Oehme hofft, dass er, sobald alles ausgestanden ist, tatsächlich gegen die derzeitige Variante des Sars-CoV-2-Virus immun ist. „Ich möchte das kein zweites Mal durchmachen“, sagt er. Sein Fall solle nun – bei allem Verständnis für diese Ausnahmesituation – endgültig abgeschlossen werden. Auch damit die Kapazitäten im administrativen Bereich für andere Corona-Fälle, die einen schwereren Verlauf aufweisen, freigegeben werden können.

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