Pinneberg
Neue Sportarten

Mit Licht statt Bleikugeln: Biathlon wird Sommersport

Andreas Altrock (52, Tornescher Schützenverein) betreibt erst seit drei Jahren Sommer-Biathlon. Mit Einführung der Lichtpunktgewehre hofft er auf weitere Mitstreiter. „Das macht richtig Laune.“

Andreas Altrock (52, Tornescher Schützenverein) betreibt erst seit drei Jahren Sommer-Biathlon. Mit Einführung der Lichtpunktgewehre hofft er auf weitere Mitstreiter. „Das macht richtig Laune.“

Foto: Burkhard Fuchs

Tornescher Schützenverein erhält sechs Lichtpunktgewehre. Damit soll die Kombination aus Laufen und Schießen neue Aktive gewinnen

Tornesch.  Eine Wintersportart soll den Sommer erobern. Kreissportverband (KSV) und Kreisschützenverband wollen Biathlon im Kreis Pinneberg als Ganzjahressport etablieren. Gerade einmal drei Tornescher Schützen üben zurzeit kreisweit das Schießen auf Zielscheiben in Kombination mit Laufen statt Skilaufen aus, nur etwa zwei Dutzend sind es landesweit. Das soll sich bald ändern.

Mit Anschaffung von sechs Lichtpunktgewehren (Laserpointern) soll „die spannendste Sportart bei Olympia“, wie sie KSV-Geschäftsführer Karsten Tiedemann nennt, ganz neue Teilnehmerkreise erreichen: vor allem Kinder und Leichtathleten. So sind Kooperationen mit Schulen und Leichtathletikvereinen geplant, die die gewehr-ähnlichen, aber ungefährlichen Geräte für Probetraining, Übungen oder Veranstaltungen beim Kreisschützenverband ausleihen können.

Die Streckenlängen variieren von 1200 bis 6000 Metern

„Sommer-Biathlon macht richtig Laune“, sagt Andreas Altrock (52) vom Tornescher Schützenverein. Er betreibt seit drei Jahren diesen Laufwettbewerb über 1200 bis 6000 Meter mit zwei bis vier Stopps für das Schießen auf eine zehn Meter entfernte Zielscheibe – mit wachsender Begeisterung. „Die Kombination von Ausdauersport und Konzentration, von anstrengendem Laufen, das den Puls hochtreibt, um sofort wieder Ruhe zu finden, um präzise zu schießen, gefällt mir dabei besonders.“ Sommer-Biathlon sei ein Sport, der vielen Leichtathleten zusagen dürfte, glaubt Altrock. „Die Wenigsten wissen, dass es das gibt und im Sommer ohne Skier praktiziert wird.“ Wer gut laufe, könne den Vorteil schnell für sich beim Biathlon ausnutzen, wenn er einigermaßen treffsicher sei. So ist ein Neuling, der vorher nur Leichtathletik betrieb, 2019 auf Anhieb Zweiter bei den Landesmeisterschaften geworden.

Die noch junge Sportart bietet große Erfolgschancen

Altrock ist schon bei drei nationalen Titelkämpfen gestartet. „Das ist der Vorteil bei einer Sportart, die bislang nur wenige betreiben: Man hat gute Chancen, sich gleich für die DM zu qualifizieren.“ Beim ersten Mal sei er „nur dabei gewesen“, erinnert sich Altrock. Voriges Jahr ist der 52-Jährige deutschlandweit bereits Sechster seiner Altersgruppe (50-60) auf der Sprintdistanz über 1200 Meter mit zwei Schießeinlagen geworden.

Das ging über die Flachdistanz, was ihm als Schleswig-Holsteiner in die Karten spielte. Ansonsten werde oft querfeldein, Cross und über Berg und Tal gelaufen. Da habe man als Norddeutscher gegenüber den Bergläufern aus dem Süden meist keine Chance. In Tornesch hat Altrock bereits seinen Sohn Jan für das Sommer-Biathlon begeistert; neuerdings macht mit Julie Übel erstmals eine Frau mit. „Leichtathleten sollten einfach mal diesen Ausflug in eine andere Disziplin wagen“, rät Altrock.

Auch Kindern jeder Altersgruppe steht dieser Sport offen

„Und auch Kindern jeder Altersgruppe steht dieser Sport jetzt offen“, wirbt Jens Büchner, Vorsitzender des Kreisschützenverbandes. Mit finanzieller Hilfe der Bürgerstiftung der VR Bank Holstein (6750 Euro), des Landessportverbands (2500 Euro) und des Fördervereins der Schützen in Norddeutschland (300 Euro) sowie Eigenmitteln (knapp 4000 Euro) wurden jetzt sechs komplette Pakete aus Lichtpunktgewehren, Zielscheiben und Batterien mit dazugehörigen Koffern angeschafft worden, mit denen jeder Verein und auch jede Schule mal diese Sportart ausprobieren könnten. „Laserpoint-Gewehre können gefahrlos im Freien, im Unterricht und auch von kleinen Kindern bedient werden“, erklärt Büchner.

Bei den sonst üblichen Luftdruckgewehren bestehe eine Altersgrenze ab zwölf Jahren, damit sich niemand verletzen könne. Das sei bei den Laserpunktgeräten völlig unproblematisch. „Darum wollen wir jetzt gezielt Kooperationen mit Sportvereinen und Schulen eingehen, um diesen Sport bekannter und auch im Sommer beliebt zu machen.“ Für die Schützenvereine und Laufsportanbieter könnte dies zu einer guten gemeinsamen Nachwuchsförderung führen.

Selbstverständlich gelte es auch beim Laserpoint-Sommer-Biathlon, bestimmte Grundregeln einzuhalten, erläutert Büchner. So dürfe auch bei diesem Sport nicht auf Menschen gezielt werden, auch wenn es ungefährlich sei. „Das deckt sich mit den Leitlinien anderer Sportarten wie Boxen oder Kampfsport, wo den Sportlern die Achtung vor dem Gegner als Wert vermittelt wird“, sagt KSV-Geschäftsführer Tiedemann.

Lauf- und Schützensport werden zusammengebracht

Für ihn schließe sich der Kreis einer fast zehn Jahre andauernden Diskussion mit den Schützenverbänden. „Wir bringen nun Laufen und Schießen zusammen und diesen Sport nach draußen“, sagt Tiedemann erfreut und prophezeit: „Die Schützen werden sich nun ganz neue Teilnehmerkreise erschließen können.“ Das hat auch den Landessportverband überzeugt. Der habe zum ersten Mal in Schleswig-Holstein die Anschaffung von Sportgeräten gefördert. „Weil hier eine neue Sportart entsteht“, so Tiedemann.

Jens Büchner schwärmt bereits von Joggern, Sprintern, Hindernisläufern, Nordic-Walkern, Radfahrern, Rollstuhlfahrern und sogar Turnern und Schwimmern, die für den neuen Sport in Frage kämen. Bei Stadtfesten, Tagen des Sports, Stadtläufen, Inklusionsveranstaltungen oder Lauftreffs soll die Sportart der Öffentlichkeit vorgestellt werden.