Pinneberg
Fussball

FC Union überwintert über der Abstiegszone

Union-Torschütze Jannik Swennosen (l.) im Duell mit dem Osdorfer Volkan Eren.

Union-Torschütze Jannik Swennosen (l.) im Duell mit dem Osdorfer Volkan Eren.

Foto: Johannes Speckner

Tornescher Oberligakicker überstehen in Osdorf eine 55-minütige Unterzahl. Das 2:2 erzielt die Elf von Coach Thorben Reibe in der Schlussminute

Tornesch.  „Lachhaft. Lächerlich.“ Unverblümt machte Andreas Popko, Co-Trainer des FC Union, seinem Unmut über Schiedsrichter Leif Jischkowski Luft. Das 2:2 (1:1) der Tornescher Ober­liga-Fußballer auswärts gegen den TuS Osdorf stand im Zeichen etlicher umstrittener, aber nicht unbedingt verkehrter Entscheidungen mit Tragweite des Unparteiischen. Wäre es ein Bundesligaspiel gewesen, hätte sich wohl mehrfach der Video-Assistent zu Wort gemeldet.

Ein verloren geglaubtes, phasenweise zerfahrenes Spiel noch unentschieden gestaltet. Mal wieder. Für Chefcoach Thorben Reibe war es wenigstens ein „moralischer Sieg“, wobei ein Dreier seit zehn Partien auf sich warten lässt. Fast eine Stunde hatten die Tornescher in Unterzahl bestreiten müssen. Ohne Rücksicht auf Verluste, allen voran Fabian Tiedemann und Kjell Ellerbrock, stemmten sie sich dagegen an, in der
Tabelle unter die rote Linie zu rutschen. Ellerbrock belohnte sich in der 90. Minute mit einem verwandeltem Foulelfmeter für seinen Einsatz.

Das war der Moment, in dem Andreas Popko und Thorben Reibe wieder an die Gerechtigkeit im Fußball glaubten. Später reichte Reibe ein Video herum. Die Aufnahme vermittelt dem Betrachter eine klare Abseitsposition, als Jeremy Wachter in der 84. Minute per Hacke nach einem Freistoß von Torben Krause an die Querstange das 2:1 der Osdorfer erzielte. Nicht zu erkennen ist jedoch, ob der Ball von einem
Tornescher oder vom Osdorfer Papa Ndiaye zu Wachter sprang. Zuvor hatte Ndiaye den Mindestabstand von einem Meter zur Tornescher Abwehrmauer nicht eingehalten. Tendenz: ein irregulärer Treffer.

Nach nur fünf Minuten gibt es Rot gegen Phillip Kuschka

Kaum, dass Jannik Swennosen nach einem Eckball von Jan Eggers und einem wuchtigen Kopfball von Tim Moritz zum 1:0 des FC Union abgestaubt hatte (2.), wurde es schon hektisch. Jischkowski interpretierte ein Foul von Phillip Kuschka an der Strafraumgrenze als Notbremse, die er mit der Roten Karte ahndete (5.). Tendenz: zu hart, aber die beste Sicht auf die Szene hatte natürlich der Unparteiische.

Aufreger Nummer zwei, der für Gesprächsstoff sorgte: Maik Stahnke tauchte frei vor Tjark Grundmann auf, wurde vom TuS-Keeper abgedrängt und flog zu Boden – für Jischkowski eine „Schwalbe“, verbunden mit Gelb (30.). Thorben Reibe wurde laut. „Warum sollte er sich fallen lassen? Um den Ball nicht ins leere Tor zu schießen?“ Tendenz: Stahnke hat ein bisschen nachgeholfen. Aber es gibt auch Schiedsrichter, die einen Elfmeter verhängt hätten.

Mit Gelb-Rot ging schließlich der Osdorfer Bryan Godts nach einem Tritt im Eifer des Gefechts an den Kopf von Jan Eggers vom Platz – klaglos. Osdorfer Proteste regten sich auch nicht, als Björn Dohrn im Zweikampf mit Moritz Rosemeier kurz hinter der 16-Meter-Linie stürzte und Jischkowski sofort auf den ominösen Punkt deutete. Lag es daran, dass sich beide Osdorfer Akteure ihrer Schuld bewusst waren oder daran, dass TuS-Coach Philipp Obloch (früher Roland Wedel) extrem Wert auf gute Manieren legt?

So aufregend die Partie endete, so turbulent hatte sie schon vor dem Anpfiff für den FC Union begonnen. Norman Baese war wegen eines beruflichen Termins abgehetzt und in Gedanken ganz woanders am Blomkamp erschienen und überließ Nachwuchskeeper Daniel Atohoun den Vortritt zwischen den Pfosten. Der Oberligaherren-Debütant mit togolesischen Wurzeln übte Selbstkritik. „Beim 1:1 muss ich den Ball halten.“ Anschließend leistete er sich keinen Fehler mehr, wobei ihm die Vorderleute die meiste Arbeit abnahmen.

Es war für das Jahr 2019 der letzte Kraftakt des Teams, dem Thorben Reibe nun eine nur einmonatige Pause gönnt. Der Coach selbst erholt sich auf den Philippinen vom Stress der Punktspiele wie in Osdorf. Reibe besucht gemeinsam mit Mittelfeldspieler Lennart Dora einen Freund.