Pinneberg
Handball

Zweitligaspieler, Referee – und einmal auch Lebensretter

Die Handballkarriere beim SV Henstedt-Ulzburg hat Julian Lauenroth in der Saison 2015/2016 sogar bis in den DHB-Pokal gegen die Bundesligatruppe des SC Magdeburg geführt.

Die Handballkarriere beim SV Henstedt-Ulzburg hat Julian Lauenroth in der Saison 2015/2016 sogar bis in den DHB-Pokal gegen die Bundesligatruppe des SC Magdeburg geführt.

Foto: Ulrich Stückler

Ex-Profi Lauenroth spielt für Hamburg-Ligist HTS/Blau-Weiß und ist respektierter Schiedsrichter. Bekannt ist er aber durch ein Drama in der Halle

Halstenbek.  Der Name von Julian Lauenroth hat im regionalen Handball von Hamburg und Schleswig-Holstein einen guten Klang. Der Rechtsaußen von Hamburg-Ligist Halstenbeker TS/Blau-Weiß 96 Schenefeld ist in der Jugend bei Halstenbeker TS, TuS Esingen und THW Kiel ausgebildet worden und hatte es nach dem Wechsel 2011 zum SV Hen­stedt-Ulzburg bis in die 2. Bundesliga geschafft. Dorthin soll es gerne auch in seiner zweiten Handball-Karriere als Schiedsrichter gehen. Und doch, bei aller Expertise als Handballer: Überregionale Bekanntheit erlangte Julian Lauenroth, als er im Dezember 2015 Vereinskameradin Helen Andersson das Leben rettete.

Die junge Schwedin aus dem Dritt­liga-Damenkader des SVHU war wegen eines nicht erkannten Herzfehlers bewusstlos zusammengebrochen. Lauenroth, der als ausgebildeter Rettungsassistent heute noch regelmäßig Schichten auf dem RTW schiebt, war zufällig in der Halle und reanimierte seine Vereinskollegin, rettete er ihr so das Leben. Der jungen Schwedin, die beim AMTV weiter Handball spielt, geht es wieder gut.

Der Alltag besteht für den 27-Jährigen aus Studium, Hamburg-Liga und Schiedsrichtern

Auch für Julian Lauenroth, der in Lübeck im achten Semester Medizin studiert, ist der Alltag wieder eingekehrt. Wenn der 27-Jährige seine Studenten­bude in Lübeck verlässt, um in eine der vielen Handball-Hallen Norddeutschlands zu eilen, muss er genau hinschauen, welche Sporttasche er sich dafür greift. Der angehende Mediziner ist als Rechtsaußen und bisweilen Regisseur Leistungsträger seines Hamburg-Liga-Teams. „Meine Eltern wohnen ein paar Straßen weiter – und bei der HTS ist mein langjähriger Jugendtrainer Frank Unterspann heute Coach. Sein Vorgänger Matthias Karbowski, früher mein Trainer in der 2. Bundesliga, hat mich überredet, noch ein wenig Handball zu spielen“, erzählt der Linkshänder.

Intensiver ist er als Schiedsrichter unterwegs, mit seinem Gespannpartner Arne Surrow (Kiel) regelmäßig auch in der 3. Liga. „Ich habe im Leistungs-Handball immer mein Bestes gegeben. Auch als Schiedsrichter bin ich ehrgeizig. Als Gespann wollen wir so hoch wie möglich pfeifen“, schließt Lauenroth einen Aufstieg in die 2. Bundesliga nicht aus, sofern die Benotungen ausreichen.

Zwischen Frauen- und Männer-Handball sieht er als Unparteiischer keinen großen Unterschied. „Klar spielen die Männer körperbetonter, aber an der Pfeife müssen wir gleichermaßen aufmerksam sein. Vielleicht ist die Kommunikation ein wenig unterschiedlich“, sagt der inzwischen erfahrene Schiri. Bei den Aktiven genießt er viel Respekt, weil er als ehemaliger Profi weiß, worauf es aus Spielersicht ankommt. „Reisen zu den Partien sind zeitaufwendiger, als in den regionalen Spielklassen und mit dem notwendigen Vor- und Nachbereiten per Videostudium gehen schon fünf bis sechs Stunden in der Woche dabei drauf.“

Während Lauenroth den aktiven Handball nur noch als Freizeitbeschäftigung mit Gleichgesinnten betrachtet, hat der Job als Unparteiischer für den 27-Jährigen, der im Alter von 14 Jahren mit der Schiedsrichterei begann, seit etwa zwei Jahren den höheren Stellenwert. Zu dem Zeitpunkt beendete der wieselflinke Außen seine Zweitliga-Laufbahn als Spieler mit dem VfL Bad Schwartau auf dem dritten Tabellenplatz. Zuvor war er zweimal mit dem SV Henstedt-Ulzburg auf- und wieder abgestiegen.

Bei „nur“ 1,70 Metern ist er dennoch ein Großer im Handball

Alles in allem eine erstaunliche Karriere, bedenkt man Lauenroths für einen Handballer eher suboptimale Körpergröße von 1,70 Metern. Doch das Energiebündel konnte Größen- und Gewichtsnachteil mit Kampfkraft so wie großer Schnelligkeit und Sprungkraft stets kompensieren und verschaffte sich auf allen seinen Stationen auch als Abwehrspieler schnell Respekt. Taktischen Varianten der Gegner, die gerne athletische und groß gewachsene Rückraumspieler zu ihm an den Kreis beorderten, wusste er auf schnellen Beinen mit großer Antizipation wirkungsvoll zu begegnen. Als Angreifer gegen Julian Lauenroth zu spielen, das war kein Zuckerschlecken.

In der Offensive machte sich Lauenroth dank seiner Sprungkraft mit Würfen aus schwierigen Winkeln einen Namen. Sein Markenzeichen indes waren die Gegenstöße, wenn er im Stakkato über das Spielfeld „trommelte“ und eiskalt abschloss. In den Torstatistiken war Lauenroth oft vorne zu finden, zumal er erfolgreich auch von der Strafwurflinie agierte und Siebenmeter trickreich versenkte.

Kürzlich musste der Linkshänder für einige Spiele aussetzen, weil Hamburg-Liga-Termine mit Schiedsrichtereinsätzen kollidierten. Immerhin blieb so auch ein wenig mehr Zeit für seine Freundin Linda. Die Handballerin (23), die für den Oberligisten SV Todesfelde/Leezen aktiv ist, zog vor gut einem Jahr aus Schweden zu ihm nach Lübeck und beendete so die längere Fernbeziehung des jungen Paares. Die Beziehung zu seiner schwedischen Freundin ist eine immerwährende Erinnerung an Lauenroths Lebensrettung. Linda Raihä, die der handballerische Tausendsassa vor zweieinhalb Jahren auf ihrem Deutschlandbesuch kennen und lieben lernte, ist die Jugendfreundin von Helen Andersson...