Pinneberg
Sporttechnik

Sie geben den Fußball-Profis die Linie vor

Arcus Sport, Geschäftsführer Uwe Nordhoff (l.), Björn Harder 

Arcus Sport, Geschäftsführer Uwe Nordhoff (l.), Björn Harder 

Foto: Frederik Büll

Die Sportplatzmarkierungsfirma Arcus-Sport aus Raa-Besenbek bringt Farbe ins Spiel und versorgt derzeit etwa 70 Prozent der drei Ligen.

Raa-Besenbek. Wenn Björn Harder Fußball im TV schaut, dann stets mit einem besonderem Blick. Grätscht etwa ein Spieler über eine Linie und trägt dabei keinen Abdruck davon, ist er beruhigt. Auch die Linie sollte anschließend nicht verwischt und weiterhin strahlend weiß sein. Auch die Schuhe des Trainers, der auf der Linie der Coaching Zone entlang schlendert, dürfen nicht befleckt werden. Harder ist einer von drei Geschäftsführern der Firma Arcus-Sport aus Raa-Besenbek, die bundesweit zu den führenden Unternehmen im Bereich Sportplatzmarkierungen gehört.

Circa 70 Prozent der Profi-Vereine aus den ersten drei Fußball-Ligen setzen auf Produkte aus ihrem Hause, um Trainingsplätze und Stadien zu bemalen. Aus der 1. Bundesliga sind lediglich der
1. FC Köln sowie Borussia Mönchengladbach nicht dabei, der FC Bayern München nutzt immerhin die innovativen Markierungsgeräte des Unternehmens. Bei der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland waren neun der zwölf Stadien mit Arcus-Sport-Linien versehen. Dass ihre umweltfreundlichen Sportplatzmarkierungen und die GPS- oder lasergesteuerten Fuhrwerke derart gut ankommen, macht Harder und auch Senior-Chef Uwe Nordhoff sichtlich stolz.

„Wir setzen auf eine offene und ehrliche Beratung und unseren unkomplizierten Service direkt vor Ort. Das wissen unsere Kunden zu schätzen. Außerdem haben wir vernünftige nachhaltige Produkte“, sagt der 41 Jahre alte Harder, der in der Engelbrechtschen Wildnis bei Glückstadt wohnt. Mit gerade einmal insgesamt sieben Mitarbeitern – sowie einigen kooperierenden Betrieben – kommt das Unternehmen auf Umsätze im unteren siebenstelligen Bereich. Die einfachsten Gerätschaften – ohne technischen Schnickschnack – kosten etwa 1000 Euro. Das hochwertigste Gefährt mit allen Extras kostet rund 36.000 Euro.

Geschäftsführer Nordhoff hat die Firma 1984 gegründet und wohnt mittlerweile in Kappeln. 67 Jahre ist der gelernte Kaufmann im Groß- und Außenhandel alt, schaut im Familienunternehmen – seine Tochter Meike, ebenfalls Geschäftsführerin, ist mit Harder verheiratet – regelmäßig vorbei. Oder aber,
er bleibt im Home-Office an der Schlei. Einst hatte Nordhoff, selbst ambitionierter Fußballer beim VfR Horst und TSV Uetersen, in der Landwirtschaft gearbeitet und stand in Kontakt zum Kreidewerk in Lägerdorf (Kreis Steinburg). Der Prokurist fragte Nordhoff, weshalb ihre Sportplatzkreide so schlecht verkauft werde.

Das Problem war, dass jene nicht durch den Streuer lief. Also setzte sich Nordhoff mit einigen Technikern hin, tüftelte und machte diese Kreide streufähig. „Als ich dann gesagt habe, dass ich mich damit selbstständig mache, haben sie mich ein bisschen ausgelacht. Aber ich habe entgegnet, dass ich den Bedarf sehe. Damals hat man immer Weißkalk genommen. Ich war überzeugt davon, dass ich den ablösen kann in Deutschland“, so Nordhoff.

Weißkalk ist in Verbindung mit Feuchtigkeit für die Haut ätzend und zudem auch umweltschädlich, weil er im Boden sich verfestigt. Die von Nordhoff entwickelte Sportplatzkreide – Calciumcarbonat kannte er bereits aus beruflichen Gründen als Düngemittel aus der Landwirtschaft – wurde fortan über den ortsansässigen Baustoff- und Landhandel in ganz Deutschland vertrieben.

Empfehlung des DFB spielte Arcus-Sport in die Karten

Unfreiwillige Unterstützung gab es zudem von Weltklasse-Spielern wie Olaf Thon oder Bernd Förster; Letzterer fiel drei Monate verletzt aus, weil er Weißkalk in seine Wunde bekam. Letztendlich brachte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) Mitte der 80er-Jahre mit einem Empfehlungsschreiben den Markierwagen mit der Kreide endgültig ins Rollen und empfahl in einem Schreiben, aus ökologischen und gesundheitlichen Gründen die Sportplatzkreide zu benutzen. Nordhoff meldete sich eigeninitiativ bundesweit bei den Baustoffhändlern, die froh waren, die stetig steigende Nachfrage endlich bedienen zu können.

„Ich bin damals wie heute ein glücklicher Mensch, der hinter seiner Überzeugung stehen kann“, sagt Nordhoff, der schon vor rund 30 Jahren die Umwelt im Blick hatte. Anfang der 90er Jahre übernahm das Lägerdorfer Kreidewerk auch jenes auf Rügen. Zu der Zeit belieferte Arcus-Sport – der Name kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Bogen, das ursprüngliche Logo hatte zudem an Greenpeace angelehnte Regenbogenfarben – etwa jeden dritten der etwa 25.000 Sportvereine in Deutschland beliefert.

1992 entwickelte die Firma das 100-prozentige Naturprodukt Flüssigkreide – und patentierte es über viele Jahre. Nordhoff pflegte auf Messen davon stets ein Gläschen zu trinken. Schließlich hilft Calciumcarbonat auch bei Magenproblemen. Bei der Herstellung von Farbe mit dem Pigment Titandioxid entstand umweltschädliche verdünnte Schwefelsäure. „Da hatte ich einfach keinen Bock drauf. Das passte nicht zu meiner Einstellung“, sagt Nordhoff, der Anfang der 90er noch in Bokholt-Hanredder wohnte.

„Ich war damals ja nicht dabei, aber ich kann auch 2019 nur meinen Hut davor ziehen, dass man als Marktführer die Moral über Profit gestellt hat“, sagt Harder, der im neunten Jahr für die Firma seines Schwiegervaters arbeitet. 1998 kam dann doch das erste Farbkonzentrat zur Rasenmarkierung auf den Markt, auch aus wirtschaftlichen Gründen. Das Recycling für Titandioxid hatte sich erheblich verbessert. Wirtschaftliches Wachstum sei zwar auch bei Arcus-Sport wichtig, aber immer in einem gesunden Rahmen – mit norddeutscher Vernunft eben. 2009 fing die Firma mit Event-Markierungen auf Rasen, Asphalt, Beton oder sogar Eis und Schnee an. So führten farbige Linien beim Melt-Festival in Gräfenhainichen zu unterschiedlichen Bühnen.

Seit 2011 gibt es Bio-Rasenmarkierungsfarben. Vor sechs Jahren wurde deutschlandweit exklusiv ein System entwickelt, das deutlich weniger Farbeinsatz nötig macht und damit auch Vorteile bei der Trocknung bietet. Dies begeisterte vor allem die Profi-Vereine. 2014 übernimmt die Firma den Vertrieb für GPS- und lasergestützte Markierungstechnik der Marke Swozi – alle relevanten Daten werden in ein Display getippt. Anschließend verrichtet der Wagen vollautomatisch seinen Dienst. Die Firma sucht bei der technischen Weiterentwicklung auch stets den Kontakt zu den Greenkeepern.

„Für den Spielbetrieb sind wir sehr sehr wichtig. Ohne unsere Linien könnten die Profis doch gar nicht ihrem Job nachgehen“, scherzt Nordhoff. Gerade im modernen Fußball seien Markierungen immer wichtiger. Zum Beispiel werden auch beim HSV Trainingsplätze in Zonen aufgeteilt und markiert, auch farblich. Der damalige Frankfurt-Trainer Friedhelm Funkel war sogar einst so interessiert, dass er auf einer Arcus-Sport-Veranstaltung dabei war.

Kunstrasenplätze sind naturgemäß ein (un)natürlicher Feind der Firma. Nicht nur, weil Linien nie nachgezogen werden müssen. „Das sind gewissermaßen 8000 Quadratmeter verbrannte
Erde. Ökologisch totes Material. Ich halte davon nichts“, sagt Nordhoff. Wo bleibe da denn auch die Fußball-Romantik fügt Harder hinzu. Wenn Profi-Fußball auf Kunstrasenplätzen gespielt werden würde, fiele schließlich auch sein Kontrollblick im Fernsehen weg.

www.arcus-sport.de