Pinneberg
Kreis Pinneberg

So entstand vor 20 Jahren das Elmshorner Haus 13

Mit einem Bagger wurden Wände einer alten Werkstatt auf dem Hof der Berendsens in der Adolfstraße 13 abgetragen. Im neuen Anbau entstand das Haus 13.

Mit einem Bagger wurden Wände einer alten Werkstatt auf dem Hof der Berendsens in der Adolfstraße 13 abgetragen. Im neuen Anbau entstand das Haus 13.

Foto: Privat

Die Elmshorner Kleinkunstbühne an der Adolfstraße feiert ihren runden Geburtstag mit einem Kabarettabend. Letzte Saison verlief sehr erfolgreich.

Elmshorn.  Als Jens und Kirsten Berendsen das Haus in der Adolfstraße 13 kauften, hätten sie sich nicht träumen lassen, dass in ihrem Hinterhof einmal eine erfolgreiche Kleinkunstbühne erwachsen würde. Dort stand nur eine verfallene Werkstatt. „Ein befreundeter Architekt entwarf einen Anbau, den wir vermieten wollten. An wen, war zunächst offen. Wir waren unter anderem mit einem Galeristen und Tanzschulen im Gespräch“, erinnert sich Kirsten Berendsen. Die alte Werkstatt wurde komplett saniert: Wände eingerissen und neu hochgezogen, ein glatter, betanzbarer Boden verlegt. Beide Interessenten sagten aus unterschiedlichen Gründen ab. Der moderne Anbau wurde im Sommer 1998 fertiggestellt. Ein Jahr später wurde dieses Gebäude zur Nutzung als Veranstaltungsraum freigegeben.

Als das Ehepaar Berendsen dann das Musikkabarett-Ensemble Pveilchen in einer Elmshorner Kneipe sah und sich vom Lärm dort gestört fühlte, luden beide die Künstler ein, bei ihnen aufzutreten. Was als einmalige Aktion geplant war, sprach sich schnell rum. „Plötzlich meldete sich die Folkgruppe Liederjan bei uns, sie hätten von unserem tollen Raum gehört und würden dort gern mal auftreten“, sagt Kirsten Berendsen. Und so kam der Stein ins Rollen. 20 Jahre ist das nun her. Mit einem Kabarettabend am 19. November für geladene Gäste feiert der Verein Haus 13 mit Wegbegleitern, Unterstützern und Mitgliedern.

In den Anfangsjahren stellte das Ehepaar Berendsen gemeinsam mit Joachim Theege und dessen Frau Sabine Behrens in unregelmäßigen Abständen ein kleines Kulturprogramm zusammen. „Irgendwann waren wir aber beruflich alle so eingespannt, dass wir es zu viert nicht weiterführen konnten“, sagt Kirsten Berendsen. Etwa ein Jahr passierte nichts, dann, im August 2006, gründete sich der Verein Probat. Die Abkürzung stand für Projekt für besondere Angebote an Theater- und Kleinkunstveranstaltungen. Er sorgte nun für das Programm auf der kleinen Bühne des Veranstaltungsraumes. Vorsitzende des neuen Vereins wurde Therese Götz. Die Sängerin hatte in Elmshorn schon Jazz-Konzerte im Industriemuseum organisiert.

Auf einer Fläche von fast 160 Quadratmetern und mit einer Raumhöhe von 4,30 Metern bietet das Haus 13 vielfältige Möglichkeiten für Veranstaltungen der unterschiedlichsten Art: Kabarett, Theater, politische Veranstaltungen, Musikveranstaltungen oder Filme.

„Wir bewegen jährlich 35.000 Euro“, sagt Kassenwart Klaus Griebel. Das vergangene Jahr war mit knapp 90 Prozent Auslastung und etwa 2800 Gästen sehr erfolgreich. Selbst in einer so guten Saison kann der Verein nicht kostendeckend arbeiten und muss jährlich ein Defizit durch private Spenden ausgleichen. „Wir arbeiten alle ehrenamtlich und verzichten auf öffentliche Zuschüsse“, sagt Griebel. So möchte sich der Verein seine Unabhängigkeit bewahren. Aktuell zähle er 76 Mitglieder, Tendenz steigend. „24 mehr, und wir können uns selbst tragen“, sagt der Kassenwart.

Das Haus 13 stimmt sich mit dem Töverhuus in Klein Nordende und dem Team der „Klostersande“ ab und verzichtet darauf, plattdeutsche oder maritime Themen ins Programm zu nehmen, um sich nicht gegenseitig Konkurrenz zu machen. Mit dem Kranhaus, das der Freundeskreis Knechtsche Hallen mit Kultur belebt, gab es dagegen einige Unstimmigkeiten, weil sich manche Angebote überschnitten und sich damit inhaltlich Konkurrenz machte.

„Musiker schätzen bei uns zum Beispiel die Nähe zum Publikum“, sagt Anna Haentjens, die im Jahr 2000 zum ersten Mal auf der Bühne im Haus 13 auftrat. Die Chansonsängerin übernahm 2009 den Ersten Vorsitz des Vereins unter dem neuen Namen Verein Haus 13, nachdem Therese Götz aus privaten Gründen nach Hamburg gezogen war.

Die Kleinkunstbühne steht immer wieder auch unbekannten Künstlern offen. So manche brachten es zu Ruhm, etwa das Kabarett Die Entermänner mit Nils Loenicker und Matthias Winkler, Bademeister Schaluppke, Komikerin Lisa Feller oder Sängerin Miss Allie, die vor zwei Jahren bei der beliebten und stets schnell ausverkauften Langen Nacht der Kleinkunst im Haus 13 auftrat.

Den zweiten Vorsitz hat Stadttheater-Chef Peter Thomsen. Etwa zehn Veranstaltungen des erfolgreichen Stadttheaters im Jahr werden ins Haus 13 verlegt. Zuvor fanden sie in der Weißen Villa statt. Meist sind es Künstler, die den Theatersaal mit 400 Plätzen nicht füllen würden oder die intimere Atmosphäre der Kleinkunstbühne mit 100 Plätzen und die Nähe zum Publikum bevorzugen.