Pinneberg
Handball

Dramatisches Comeback mit möglichem Nachspiel

Der spätere Rotsünder Daniel Günter (r., TuS Esingen) stoppt Uetersens Nils Ladiges.

Der spätere Rotsünder Daniel Günter (r., TuS Esingen) stoppt Uetersens Nils Ladiges.

Foto: Ulrich Stückler

Hamburg-Ligist TuS Esingen dreht einen 18:24-Rückstand noch in einen 27:26-Sieg über den TSV Uetersen. Doch die Gäste wollen protestieren

Tornesch. Hochklassig war das Hamburg-Liga-Spiel zwischen den Handball-Männerteams des TuS Esingen und des TSV Uetersen selten. Das Nachbarschafts-Derby lebte indes bis zur letzten Sekunde von Emotionen und einem dramatischen Verlauf. Stimmung gab es auf der Tribüne. Unter den 130 Anhängern dominierten die zahlenmäßig überlegenen Gäste aus Uetersen.

Als Jannik Genz drei Sekunden vor der Schluss-Sirene nach furioser Aufholjagd der 27:26-Siegtreffer für die Gastgeber gelang, die 13 Minuten vor dem Ende noch mit 18:24 zurück gelegen hatten, reckte auch Michael von Thun die Faust in die Höhe und bejubelte die finale Toraktion seiner Mannschaft gemeinsam mit den Akteuren, die auf der Bank saßen.

Nur Minuten später wehrte der TuS-Trainer, der die Partie über weitgehend gelassen verfolgt hatte, energisch Glückwünsche ab. Was war geschehen? Esingens Daniel Günter hatte den finalen Angriff der Gäste durch Timo Neumann gut zwölf Meter vor dem eigenen Kreis resolut abgeblockt. Neumann fiel bei der Aktion unglücklich rücklings auf den Kopf und blieb benommen liegen. Die zuvor unsicher und ohne erkennbare Linie agierenden Unparteiischen Norbert Jäger (Ellerbek) und Ingo Möller (Barmstedt) zückten nach kurzer Beratung eine Rote Karte für Günter, versäumten es aber anschließend, einen Siebenmeter für diese letzte – möglicherweise entscheidende – Aktion in den letzten 30 Sekunden zu verhängen.

„Wenn es eine Rote Karte gibt, dann muss auch ein Strafwurf folgen“, argumentierte nach Spielende Uetersens Coach Sönke Stelling ruhig und sachlich und kündigte postwendend einen Protest wegen eines Regelverstoßes im Spielbericht an.

Trotz des Einbruchs in der hektischen Schlussphase war der TSV-Trainer nicht unzufrieden: „Wir haben eine sehr gute Abwehrleistung gestellt und gezeigt, dass wir einen Schritt nach vorn gekommen sind und haben Hamburg-Liga-Niveau gezeigt. Gegen Esingens offensive Abwehr in den letzten Minuten haben wir keine Lösungen mehr gefunden und haben zu viele individuelle Fehler produziert“, bilanzierte Stelling, der mit dem Aufsteiger diesmal den Klassenerhalt anstrebt und diesen möglichst früh perfekt machen möchte.

Höhere Ziele haben die Gastgeber aus Tornesch. Den Aufstieg und die Rückkehr in die Oberliga sieht Michael von Thun aber nicht als vorrangiges Saisonziel für das Handball-Männerteam: „Wir hatten vor dieser Spielzeit einen großen Aderlass, müssen viele junge Spieler aus der zweiten Mannschaft einbauen. Wir wollen uns weiter entwickeln und so lange wie möglich oben mitspielen. Dass wir im Moment in der Hamburg-Liga als einzige Mannschaft ungeschlagen Spitzenreiter sind, ist für mich nur eine Momentaufnahme“, sagte von Thun, der mit der Vorstellung seines Teams nicht zufrieden war. „Wir waren zu passiv in der Abwehr und haben uns im Angriff oft in Einzelaktionen verstrickt. Unsere Wurfquote war schlecht. Obwohl wir in Tornesch mit Harz spielen dürfen, hat der Hamburger Verband ein generelles Verbot ausgesprochen. Wir müssen deshalb unbedingt auch ohne Backe trainieren, haben aber dafür kaum harzfreie Bälle zur Verfügung.“