Pinneberg
Pferdesport

Großes Kino: Luna Schweiger gewinnt beim Reitturnier

Luna Schweiger nimmt mit Schimmelstute Chapita ein Hindernis in Friedrichshulde. Sie siegt, obwohl ihre rechte Hand nach einem E-Scooter-Unfall in Paris gebrochen ist.

Luna Schweiger nimmt mit Schimmelstute Chapita ein Hindernis in Friedrichshulde. Sie siegt, obwohl ihre rechte Hand nach einem E-Scooter-Unfall in Paris gebrochen ist.

Foto: Melanie Mallon

Tochter von Filmstar Til Schweiger glänzt in Friedrichshulde. Sport und Studium sind der 22-Jährigen wichtiger als die Filmkarriere.

Schenefeld.  Mit Dressur hat die junge Reiterin nicht so viel am Hut. Schnelles Reiten und die Hürden im Galopp zu nehmen ist eine Leidenschaft von Luna Marie Schweiger (22). „Da habe ich einfach Spaß, und wenn ich in die Platzierungen komme, ist die Motivation natürlich noch größer“, sagt die älteste Tochter von Filmstar Til Schweiger (55).

Die Bilanz sieht beim Spring- und Dressurturnier in Sylva Kuhrts (40) Pferdesportzentrum Friedrichshulde gut aus: Den Sieg mit ihrer neun Jahre alten Schimmelstute Chapita und obendrauf den zweiten Platz mit dem zehn Jahre alten braunen Wallach Takuma Son sichert sich Luna Schweiger in der Klasse L (Hindernisse bis zu 1,15 Meter hoch). Und einen weiteren zweiten Platz ergattert die Amazone mit Chapita im M*-Springen; dort gilt es, bis zu 1,25 Meter hohe Hindernisse zu überwinden.

„Da muss ich schon auf das richtige Pferd setzen“, sagt Luna Schweiger. „Und eigentlich haben wir für dieses Turnier nicht wirklich trainiert.“ Zu wenig Zeit; denn die Schauspielerin („Kokowääh“, „Tatort“) muss sich auf ihr Managementstudium an der ESCP Europe konzentrieren, einer privaten Wirtschaftshochschule mit sechs Standorten in Europa. „Ich habe jede Menge Pflichtstunden, und jeweils acht Wochen Studium in Paris, Turin und Berlin gehören dazu.“ Da kommt auch die Filmkarriere zu kurz. „Als Schauspielerin arbeite ich momentan nur nebenbei.“

Dass sie es beim Turnier in Fried­richshulde so weit bringt, ist umso erstaunlicher, da sie momentan ein echtes Handicap hat. Bei einer Fahrt mit einem E-Scooter in Paris stürzte sie und brach sich die rechte Hand, die ist nun eingegipst. „Dumm gelaufen“, stellt Luna Schweiger lakonisch fest. Trainerin Lilly Matthes (38) bewegt Luna Schweigers Pferde regelmäßig. „Die sind richtig auf zack“, sagt Luna Schweiger. „Wann und wo ich an den Start gehe, entscheidet meine Trainerin.“

Energisch wird Lilly Matthes, wenn alles zuvor besprochen wurde, aber Luna den Parcoursweg verliert – so wie es im Stechen im spanischen Oliva im Frühjahr passierte. „Da habe ich mich einfach vergaloppiert, es war ärgerlich. Wenn Lilly mich nicht drauf aufmerksam gemacht hätte, würde ich es bis heute nicht wissen“, sagt Luna Schweiger. „Heute können wir darüber lachen, das ist eben der Sport, und Lilly ist richtig streng, wenn ich es nicht gebacken kriege.“

Ihre Trainerin ergänzt: „Am Anfang dachte ich, das wird nie was mit Luna. Wenn alle anderen Reiter den Parcours schon abgegangen waren, fragte sie: ‚Und was kommt noch mal nach Hindernis eins?‘ Aber wenn es losgeht und drauf ankommt, ist sie voll dabei und sehr konzentriert“, sagt Matthes. „Egal, wie lange sie vorher nicht geritten ist. Das ist ihre Stärke.“

Niedrige Noten: Dicke Luft bei den Dressurreitern

Während Luna Schweiger mit ihrem Turnierergebnis sehr zufrieden ist und ein strahlendes Lächeln zeigt, macht sich bei manchen Dressurreitern Ärger und Enttäuschung breit. Sie fühlen sich ungerecht beurteilt, die Bewertungsnoten seien zu niedrig. Das bekommen Angela Solbau (56) und Sigrid von Appen (59) in der Meldestelle zu spüren, weil die Richter während des Prüfungsablaufs keine Zeit für Diskussionen haben. „Eigentlich sollen die Dressurreiter bei uns nur ihr Protokoll abholen“, sagt Solbau. „Doch dann wird die Meldestelle schnell zur Meckerstelle.“

Dafür zeigt der erfahrene Richter Klaus Hupfeld wenig Verständnis. „Ich schaue vom Springplatz gerne mal in den Pausen zum Dressursport, die geforderten Lektionen werden oft nicht korrekt geritten und nicht richtig gezeigt“, sagt der 80-Jährige. „Da gewinnt etwa eine Reiterin ein A-Turnier und gibt gefühlt übermorgen Dressurunterricht. Das läuft in die falsche Richtung“, sagt Hupfeld.

Gute Pferde gebe es reichlich. „Doch das richtige und klassische Reiten nach der Ausbildungsskala rückt bei vielen in den Hintergrund.“ Die Schuld für schlechte Noten werde dann bei den Richtern gesucht. „Das Verhalten beobachte ich in meiner 53 Jahren langen Erfahrung als Richter schon lange“, sagt Hupfeld. „Diese Dressureiter sollten umdenken.“

Springreiterin Luna Schweiger ficht das alles nicht an. In zehn Tagen fährt sie zum nächsten Turnier nach Schülp bei
Rendsburg. „Ein weiteres Highlight wird die Global Jumping Tour vom 26. bis 28. Juli in Berlin“, sagt die 22-Jährige. „Darauf freue ich mich sehr.“