Pinneberg
Fussball

Der ungewöhnliche Weg eines Mädchens im Jungenteam

Jella Veit spielt als einziges Mädchen mit den C-Junioren des SV Rugenbergen in der Landesliga Hamburg.  Sie weiß sich durchzusetzen und wird von ihren Teamkameraden spielt voll akzeptiert. Für die Kamera nehmen Nick, Yuvan, Thilo, Tilo, Luke und Peer (v.l.) „ihre“ Jella sogar auf den Arm.

Jella Veit spielt als einziges Mädchen mit den C-Junioren des SV Rugenbergen in der Landesliga Hamburg.  Sie weiß sich durchzusetzen und wird von ihren Teamkameraden spielt voll akzeptiert. Für die Kamera nehmen Nick, Yuvan, Thilo, Tilo, Luke und Peer (v.l.) „ihre“ Jella sogar auf den Arm.

Foto: Ulrich Stückler

Jella Veit spielt beim SV Rugenbergen seit dem Vorschulalter nur mit Jungs Fußball. Die 13-Jährige hat ein Ziel: das Nationalteam.

Bönningstedt.  18.30 Uhr. Der Himmel bezieht sich über dem Werner-Bornholdt-Sportzentrum des SV Rugenbergen; der Wind frischt auf. Rund 40 Schaulustige, zumeist Eltern, haben sich an der Ellerbeker Straße eingefunden. Sie erleben den ganz normalen Auftakt zu einer – eigentlich – ganz normalen Landesliga-Nachholpartie zwischen den C-Junioren des SV Rugenbergen und der SG Kummerfeld/Borstel. Der Schiedsrichter versammelt beide Teams an der Eckfahne, dann erfolgt der gemeinsame Einlauf zum Mittelkreis des Hauptplatzes des SVR. Ganz wie bei den Großen in 1. oder 2. Bundesliga.

Aber etwas ist da doch anders.

Zwischen den Rugenbergener Jungs mit ihren Kurzhaarfrisuren ist eine lange, hellblond leuchtende Mähne zu sehen. Mit der Nummer drei läuft definitiv kein Junge ein. Jella Veit (13) steht für den SVR als „Sechser“ in der Startformation von Trainer Torsten Bergmann. Sie ist nicht die Kleinste auf dem Feld, die Körpersprache zeugt von Selbstbewusstsein.

Nach wenigen Minuten in der Partie wird auch dem letzten Betrachter klar, dass Jella Veit keine Verlegenheitslösung in dieser Jungenmannschaft ist. Sie sucht die Zweikämpfe, scheut sich nicht, Schmerzen in Kauf zu nehmen und jagt diverse Male ihren Gegenspielern den Ball ab – steckt dafür aber im Gegenzug so manchen Tritt ein und landet auch schon mal auf dem Hosenboden. Ein ganz normales Fußballspiel eben.

Jella ist die Jüngste in ihrem Team

„Dabei bin ich die Jüngste im Team; ich bin erst im Oktober, als die Hinrunde schon lief, aus der Mannschaft mit den 05er-Jahrgängen zu den älteren 04ern gewechselt“, sagt Jella, die von Coach Bergmann sogar auf ihrer Wunsch­position, in der vorgezogenen Abwehr und dem Spielaufbau, eingesetzt wird. „Das ist physisch zwischen diesen Jahrgängen ein Riesenunterschied, ich habe nun viel kräftigere und schnellere Gegner vor mir.“

Genau das ist die „Reibe­fläche“, die sich Coach Bergmann für seinen Schützling wünscht. „Jella ist ja Mitglied der Hamburger Landesauswahl. Da ist es in ihrer Altersklasse gern gesehen, wenn sie sich im Ligabetrieb mit den Jungs ihre Wettkampfhärte holt“, sagt Bergmann. Und er sieht Erfolge. „Jella kennen wir ja bereits aus ihrer Zeit in dem 05er-Team. Sie hat jetzt wieder erkennbare Fortschritte gemacht. Überhaupt ist sie für unser Team ein echter Gewinn. Durch ihre Präsenz bringt sie bei den Jungs ein wenig Ruhe rein, sie dagegen muss sich sportlich durchsetzen. Eine klassische Win-win-Situation.“

Die ganze Familie schwimmt, aber Jella bevorzugt Fußball

Blickt man bei Jella, die sich aktuell für den Wechsel vom Quickborner Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium zum Heidberg-Gymnasium mit seinem Sportprofil in Langenhorn entschlossen hat, auf den familiären Hintergrund, ist weniger ihr gemeinsames Spiel mit Jungs die Überraschung. Vielmehr verwundert es, dass die künftige Neuntklässlerin überhaupt den Weg zum Fußball gefunden hat.

„Jellas Vater Mark ist Leistungsschwimmer gewesen, ich war Leistungsschwimmerin und gebe Training, und auch ihr großer Bruder Jan schwimmt“, zählt Jellas Mutter Angela Veit auf. „Jella selbst ist mit neun Jahren in Deutschland Schnellste über 50 Meter Schmetterling gewesen. Aber sie ist Sternzeichen Stier, wie ich. Wenn sie sich etwas in den Kopf setzt, dann macht sie das auch.“

Fußball lässt keinen Raum für andere Beschäftigungen

Und da gibt es keine zwei Lesarten, was fast komplett Denken und Freizeit der fremdsprachenbegeisterten Gymnasiastin einnimmt. „Ich bin zwar gut und erfolgreich geschwommen, aber Fußball spiele ich vom Kindergarten an. Die Jungs, mit denen ich in der Zeit gekickt habe, haben auch einen Großteil meiner Teamkameraden ausgemacht, mit denen ich bis vor Kurzem noch bei den 05ern zusammen war“, sagt Jella. „Deshalb, und weil ich gerade mal fünf Fahrradminuten vom SVR-Platz entfernt wohne, ist irgendwie nie der Gedanke aufgekommen, dass ich mir eine reine Mädchenmannschaft suche.“

Das wird später als B-Juniorin ohnehin früh genug geschehen (müssen). „Ich trainiere ja auch schon beim HSV, ich darf da bei der U17 mitspielen. Eigentlich habe ich nur den Dienstag als Regenerationstag ohne Fußball“, sagt Jella Veit. Das ist ziemlich viel Aufwand, droht da kein Überdruss? „Ich würde das nicht auf mich nehmen, wenn es mir keinen Spaß bringen würde. Spaß ist das Wichtigste am Sport.“

Aber auch Ziele - und ein solches hat Jella Veit ganz klar vor Augen: „Ich möchte einmal den Sprung in die Nationalmannschaft schaffen.“ Das klingt ambitioniert. Aber wie sagte Mama Angela so schön? „Sie ist Stier...“

Irgendwie ist nie derGedanke aufgekommen, dass ich mir eine reineMädchenmannschaft suche
Jella Veit (13) kennt einige ihrer Mitspieler seit dem Kindergartenalter