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Ralf Palapies storniert Kreuzfahrt für Trainerposten

Ralf Palapies verzichtet auf eine Kreuzfahrt und kehrt nach nur zehn Monaten  Trainer-Abstinenz zum abstiegsgefährdeten SV Rugenbergen zurück.

Ralf Palapies verzichtet auf eine Kreuzfahrt und kehrt nach nur zehn Monaten Trainer-Abstinenz zum abstiegsgefährdeten SV Rugenbergen zurück.

Foto: Foto: KBS-Picture

Der alte ist auch neuer Coach beim abstiegsbedrohten SV Rugenbergen. „Pala“ macht keine halben Sachen, verschiebt seine Aida-Reise

Bönningstedt.  Beschleunigung von null auf 100: 9,6 Sekunden. Punkt 17.45 Uhr kommt Ralf Palapies in seinem schwarzen Audi Q3, dem er häufiger die Höchstleistung abverlangt, am Werner- Bornholdt-Sportzentrum vorgefahren. Es muss jetzt schnell gehen bei den abstiegsbedrohten Oberliga-Fußballern des SV Rugenbergen. Dem neuen (alten) Trainer bleibt wenig Zeit, um den Fünftletzten auf die richtungsweisende Heimpartie gegen den Viertletzten HEBC einzustellen.

Seinen ersten Arbeitstag in Diensten der Bönningstedter hatte Palapies damit verbracht, den Drittletzten Wedeler TSV, Punktspielgegner am 16. April, im Pokalmatch gegen Eintracht Norderstedt zu beobachten. Nun am zweiten Tag setzt er sich mit Knut Aßmann, den er als seinen Assistenten reaktiviert hat, Co-Trainer Dennis von Bastian und Torwartcoach Dennis Schultz zusammen, kaum, dass der Motor abgestellt ist.

Es folgen die offizielle Begrüßung in der Spielerkabine und erste Übungseinheiten auf dem Trainingsplatz mit den Schwerpunkten Umschaltspiel und Torabschluss. Palapies’ erster Eindruck: „Das Team ist in einem guten Zustand.“ Anschließend führt Palapies Gespräche mit den Spielern, für deren Verpflichtung sich noch Vorgänger Thomas Bohlen eingesetzt hatte und die den Hasloher nicht kennen (Gerber, Zarei, Rüster, Schrage). Es ist beinahe Mitternacht, als sich Palapies wieder in seinen Sportwagen setzt und den kurzen Heimweg antritt. Im Kopf: Fußball, Fußball, nichts als Fußball.

Das alles hatte er sich so nicht vorgestellt, als er seinen Abschied im Sommer vom SVR nach fast zehn Jahren vollzogen hatte. Mal abschalten von den Belastungen eines Oberliga-Trainers wollte er, mehr Zeit mit der Familie verbringen, durchatmen. Daran fand Palapies offenbar so viel Gefallen, dass er diverse Angebote (Buchholz 08, SC Condor) ausschlug.

Er, der komplett Fußballverrückte, genoss es, Sonntage mal nicht im Stadion verbringen zu müssen. Auch eine Kreuzfahrt mit der Aida wurde für diese Ostern geplant. Als „Pala“ dem SVR am 28. Oktober gegen Altona 93 (2:1) letztmalig einen Besuch abstattete, gab es für ihn keine Zweifel mehr, sein zweites Lebenswerk nach dem Höhenflug mit dem SC Egenbüttel in gute Hände gegeben zu haben.

So sah es auch Manager Andreas Lätsch, der den Vertrag mit Thomas Bohlen im Winter um eine weitere Serie verlängert hatte. Zwölf Spiele mit zehn Niederlagen nach dem Altonaspiel kam alles ganz anders. Lätsch zog die Reißleine. „Wir hatten im Vorstand schon Anfang März diskutiert, ob wir uns von Thomas trennen. Dann kamen das 4:0 beim SC Condor, aber auch gleich wieder das 1:2 in Meiendorf. Nach dem 2:3 gegen Teutonia 05 mussten wir dann handeln.“

Palapies ist die erste Wahl als Feuerwehrmann für den SVR

Er hätte auch noch eine andere Lösung präsentieren können, versichert Lätsch. „Aber Ralf ist natürlich die allerbeste. Er ist sofort mitten drin in der Materie, kennt den Club, weiß, wie die Spieler ticken.“ Und Palapies setzt sich kompromisslos ein. Die Aida-Kreuzfahrt ist abgesagt, wurde schon im Internet verkauft.

Bohlen kann sich zu seiner Ehrenrettung darauf berufen, dass immer wieder wichtige Stützen fehlten. Gegen die Teutonen waren das Sergej Schulz, Steven Tegeler, Dennis von Bastian, Kevin Beese und Moussa Mane, die auch gegen den HEBC noch nicht zur Verfügung stehen.

Dass er zum Schluss hingegen Offensivverteidiger Kevin Lohrke zum Reservisten degradierte, rief ein wenig Kopfschütteln hervor. Ralf Palapies legt sich fest. „Kevin sehe ich als wichtige Stütze, auf die ich nicht verzichten werde.“ Was die von Bohlen eingeführte Dreier-/Fünferkette betrifft, da vertritt Palapies ebenfalls einen klaren Standpunkt. „Wir spielen wieder das System, das sich früher bewährt hat...“