Pinneberg
Fussball

Wedeler TSV schafft beim HEBC wieder ein Comeback

Luis Alvarez Diaz kommt nach dem Tackling durch Felix Hackstein zu Fall. Eine umstrittene Szene, die einen Elfmeter für die Wedeler nach sich zieht und den Gästen die 3:2-Führung bringt.

Luis Alvarez Diaz kommt nach dem Tackling durch Felix Hackstein zu Fall. Eine umstrittene Szene, die einen Elfmeter für die Wedeler nach sich zieht und den Gästen die 3:2-Führung bringt.

Foto: Foto: KBS-Picture / KBS-picture

Oberligist lässt sich durch 0:2 zur Pause nicht entmutigen. Tim Vollmer (2), Kjell Ellerbrock und Jaques de Oliveira drehen das Spiel

Hamburg/Wedel.  Wahnsinn! Tore! Sieg! Vollmer! Das ist der WTSV. Mit zwei fulminanten Kopfballtreffern hat Tim Vollmer ein Spiel gedreht, das beim Seitenwechsel schon verloren schien. Die Hoffnung auf den Klassenerhalt blüht wieder bei den Wedeler Oberliga-Fußballern. Nur noch fünf Punkte Rückstand sind es zum Viert­letzten HEBC, den sie auf dem Reinmüllerplatz in einem großen Kampf mit 4:2 (0:2) besiegt haben.

„Mich sollten sie mal als Glücksbringerin einstellen.“ Wie schon im Pokalspiel bei Teutonia 05 (3:2 nach 0:2) erschien Gudrun Toffolo erst zur zweiten Halbzeit. Wie in Ottensen bekam die Schwiegermutter von Mittelfeldspieler Christian Dirksen aus Niebüll nur die Wedeler Schokoladenseite zu Gesicht.

Das „Wunder von Eimsbüttel“ trotz des Fehlens von Daniel Diaz, Sascha Richert und Jorma Eggers (Magen- und Darmgrippe) bahnte sich in der 53. Minute an. Der überragende Marlo Steinecke erkämpfte sich den Ball brachial im Mittelfeld. Tim Walter schlug die Zauberflanke von der rechten Seite, die Vollmer im Hechtsprung einköpfte (1:2). Acht Minuten später ein ähnliches Bild. Steinecke und Jannick Wilckens setzten die linke Abwehrseite des HEBC mit einem Doppelpass schachmatt. Wilckens schlug die Flanke, die Vollmer erneut mit einem Hechtkopfball versenkte (2:2).

Selten traf die Plattitüde von zwei verschiedenen Halbzeiten so haargenau zu wie diesmal. Vor der Pause hatten die Gäste nämlich rein gar nichts zustande gebracht. Dem 0:1 ging eine kollektive Schlafmützigkeit nach einem Einwurf voraus (25.). Nach acht Minuten wusste Andre Alves Lopes für einen Moment nicht mehr ein noch aus, als der Ball außerhalb des Strafraums vor ihm aufsprang. Der Torwart musste sich wohl oder übel auf ein Kopfballduell mit 1,90 Mann Janosch Rinckens einlassen, das der frühere Torjäger des SC Ellerau natürlich gewann. Die Kugel kullerte ins leere Tor (0:2). „Solche Gegentore brechen einem normalerweise das Genick“, fluchte Spielervater Hartmut Dirksen. Diesmal nicht. „Weil die Jungs einfach fantastisch sind und nie den Glauben an sich verlieren“, sagte Trainer-Feuerwehr Andjelko Ivanko. Der zweifache Torschütze Tim Vollmer erntete das Höchstlob. „Er ist nicht von ungefähr meine rechte Hand auf dem Spielfeld. Mit seinem unbändigen Willen hat er das Ruder herumgerissen.“

Und dann war da ja auch noch Kapitän Steinecke, der seine dritte Vorarbeit zum Torerfolg in der 77. Minute leistete. Erst hatte Enzo Simon den Ball im Zweikampf mit Felix Hackstein erobert. Dann wartete und wartete Steinecke in aller Ruhe, bis sich Jaques de Oliveira in Position gebracht hatte. Querpass, Tor (2:4/77.).

Das Haar in der Suppe fand Ex-WTSV-Coach Jörn Großkopf, der mittlerweile den HEBC anführt und später mit Schiedsrichter Stephan Timm die Szene in der 67. Minute diskutierte. Zu Recht. Eher war es ein aktiver Schritt von Luiz Diaz in die Beine von Hackstein als umgekehrt. Nach einem Blickkontakt mit seinem Assistenten deutete Timm trotzdem auf den weißen Punkt. Kjell Ellerbrock, gegen den Meiendorfer SV (1:1) noch Sündenbock, weil er das 0:1 verschuldet hatte, erwies sich als Mentalitätsmonster. Eiskalt verwandelte er den Strafstoß zum 3:2.

Nur 16 Minuten haben die Wedeler Fußballer benötigt, um die Wende zu vollziehen. Gegen Teutonia waren es vier. So spielt und kämpft kein Absteiger.