Pinneberg
Schwimmen

Schon als Baby ging es für Miriam Fraß ins Wasser

Foto: Thomas Maibom

Ihre Eltern förderten die Elmshorner Schülerin aus Sorge von Kindheit an. Nun ist sie aktuelle deutsche Meisterin über fünf Kilometer.

Elmshorn.  Unter den acht Schwimmern aus Schleswig Holstein, die für den Bundeskader nominiert wurden, sind gleich vier Aktive aus dem Swim-Team Elmshorn. Jacob Heidtmann ist im Olympiakader der Beckenschwimmer, Youngster Nele Prätorius im Nachwuchskader 2. Bei den Freiwasserschwimmern sind Arti Krasniqi und Miriam Fraß (16) im Nachwuchskader 1.

Es läuft derzeit gut für die Elmshornerin. Das war nicht immer so. „Zwischendurch war es echt nervig. Ich wurde bei Wettkämpfen immer nur Vierte. Da habe ich komplett mit dem Schwimmen aufgehört und mich nach einer anderen Sportart umgesehen“, erzählt die aktuelle Schwimmerin des Jahres in Schleswig-Holstein.

Im Alter von 13 Jahren fiel Ihre Wahl auf Fußball. Aber: „Es hat einfach mit dem Team und Trainer nicht gepasst“, erinnert sie sich. Nach nur einem halben Jahr war Schluss, und sie wandte sich wieder dem Schwimmsport zu. Was sie allerdings beibehalten hat, ist die Suche nach Abwechslung. Miriam Fraß ist ausgewiesene Langstreckenspezialistin. Nicht zuletzt deshalb ist sie amtierende deutsche Jahrgangsmeisterin über fünf Kilometer im Freiwasser. Aber neben der langen Strecken liebt sie die Sprintwettkämpfe: „Es ist mal was anderes und macht Spaß.“

Mit dem Schwimmen hat Miriam Fraß angefangen, weil sich ihre Eltern um sie sorgten. Die ersten vier Jahre ihres Lebens hat sie in Hartenholm (Kreis Segeberg) verbracht. „Meine Eltern wollten nicht, dass ich in den Entwässerungsgräben zwischen den Feldern ertrinke und sind mit mir deshalb zum Babyschwimmen gefahren“, sagt sie. Nach dem Umzug nach Elmshorn fing Miriam bei der Jugendtrainerin Christa Harms an. Fraß: „Das war aber nicht so cool“, erinnert sich die 16-Jährige an ihre Anfänge im Swim-Team Elmshorn. Nach dem Fußball-Intermezzo ging es in einer Breitensportgruppe weiter. Danach folgte der Sprung in die Leistungsgruppe, und die Erfolge stellten sich ein.

„Ich würde mich gerne für die Jugend-Freiwasser-EM im August in Tschechien qualifizieren“, sagt die deutsche Meisterin. Über die olympischen Spiele verliert sie, trotz der Tatsache, dass sie dem Nationalkader angehört, kaum Gedanken. „Olympia wäre cool. Aber es sind so viele Fakten, die exakt passen müssen, damit es mit der Qualifikation klappt. Ich glaube nicht, dass ich das schaffe“, gibt Miriam Fraß zu.

In Elmshorn war sie wie 214 weitere Teilnehmer nicht im Freiwasser gefordert. Die Landesmeisterschaften „Lange Strecke“ standen in der Traglufthalle im Krückaupark auf dem Programm.

Nach dem Unterschied für die 400m Lagen sowie 800m- und 1500-Freistil-Strecken gegenüber dem Freiwasserschwimmen gefragt, muss Miriam Fraß kurz nachdenken. „Man schwimmt irgendwie anders. Aber auf jeden Fall braucht man keine Ellenbogen, weil man eine Bahn für sich alleine hat“, sagt die Elmshornerin.

Dass sie bei den Titelkämpfen auf den beiden langen Strecken mit der besten Zeit gemeldet war, belastete sie nicht. „Naja, vielleicht ein wenig. Aber es ist vielmehr Ansporn, den anderen zu zeigen, dass diese Einordnung zu Recht geschah“, sagt die Schülerin der Elmshorner Leibniz-Schule. Dass es diesmal jedoch nicht zu Titeln gereicht hat, lag weniger an der Elmshornerin als an Elea Linka (SG Stormarn Barsbüttel). Die erwischte einen perfekten Tag und schlug dreimal vor der Elmshornerin an. „Über 400m Lagen habe ich aber meine Bestzeit um drei Sekunden gesteigert“, war Miriam Fraß nicht unzufrieden. 5:13,20 Minuten bedeuteten Platz drei, knapp hinter Linkas Teamkameradin Lisa Sophie Selle.

Landesmeisterschaften haben untergeordnete Priorität

Über 800 Meter fehlten am Ende knapp vier Sekunden zum Sieg, über 1500m
13 Sekunden. „Es ist halt ein Wettkampf, der in der Jahresplanung äußerst unglücklich platziert liegt. Er kommt viel zu früh“, relativierte STE-Cheftrainer Jörg Freyher die Zeiten. Man könne im Leistungssport nicht auf beliebig viele Leistungshöhepunkte pro Jahr hin trainieren. Zwei oder drei sind möglich. Und da Miriam Fraß bereits die Norm für die deutschen Meisterschaften auf der Langen Strecke geschafft hatte, hatten die Landesmeisterschaften eben nur untergeordnete Priorität.

Hohe Priorität hat zurzeit jedenfalls das Training. Ein- bis zweimal täglich ist die 16-Jährige in der Schwimmhalle. „Manche meiner Schulfreunde verstehen nicht, dass ich auch an wettkampf-freien Wochenenden keine oder wenig Zeit habe, weil ich zum Training muss“, sinniert sie. Zurzeit ist es für Miriam Fraß noch unproblematisch, Schule und Training unter einen Hut zu bringen. „Ich mache in anderthalb Jahren Abitur. Noch ist die zeitliche Belastung kein Problem, aber ich weiß nicht, wie es nächstes Jahr aussieht“, schaut sie voraus.

Eines aber weiß sie schon: Als Berufsausbildung will sie Physiotherapie studieren. Eventuell muss sie dann mit dem Sport wieder aufhören – um dann den nächsten Neuanfang zu starten.