Pinneberg
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Die verrückten fünf Minuten des Wedeler TSV

Christian Dirksen (r.), hier im Duell mit Teutonias Isaac Akyere, erzielte den umjubelten Siegtreffer des Wedeler TSV.

Christian Dirksen (r.), hier im Duell mit Teutonias Isaac Akyere, erzielte den umjubelten Siegtreffer des Wedeler TSV.

Foto: KBS-Picture Kalle Meincke / KBS-picture

Viertelfinal-Einzug im Oddset-Pokal gelingt: Der krasse Außenseiter dreht einen 0:2-Rückstand bei Teutonia 05 noch in einen 3:2-Erfolg.

HAMBURG/WeDel.  Die Fußballer des Wedeler TSV haben ihr Weihnachtsmärchen. Als krasser Außenseiter zum Kunstrasenplatz an der Kreuzkirche gefahren zog der Oberliga-Vorletzte mit einem 3:2 (0:1) beim Oberliga-Dritten Teutonia 05 in das Viertelfinale des Oddset-Pokals ein. „Dieser Sieg heilt manche Wunde“, sagte WTSV-Ligachef Walter Zessin in Anspielung auf zuletzt sieben erfolglose Auftritte in der Liga.

Siegtorschütze Christian Dirksen nahm den früh ausgewechselten Maximilian Walter huckepack. Abwehrchef Tim Vollmer fiel sofort Dominik Mahnke in die Arme. Inmitten der Jubelszenen dachte Kapitän Marlo Steinecke auch an Chefcoach Daniel Domingo, der aus beruflichen Gründen fehlte und den Job an der Seitenlinie diesmal seinem Assistenten Holger Weinsheimer (53) überlassen musste. „Pro Domingo. zu 100 Prozent. Das ist meine Meinung“, betonte Steinecke.

Diese Woche werden Walter Zessin, Teammanager Thorsten Zessin und Kaderplaner Detlef Kebbe die Weichen für die Zukunft stellen. Dabei kommen die Trainerfrage und auch die bislang enttäuschenden Leistungen einiger Spieler auf den Tisch. Zu beneiden sind die Entscheidungsträger nicht.

Steinecke warnt davor, das Team im Abstiegskampf abzuschreiben. Nach der starken Leistung in Ottensen werde sich das Team in Aufbruchstimmung zur Weihnachtsfeier am Sonnabend beim Griechen in Lurup einfinden. „Und diese Euphorie wird uns durch die gesamte Vorbereitung auf die restlichen 14 Saisonspiele tragen“, glaubt der Spielführer. Den hatte Holger Weinsheimer übrigens nach einer halben Stunde von der Sechser-Position abgezogen und nach hinten links gestellt, um den schnellen Nick Gutmann auszubremsen. „Das hat gut funktioniert“, freute sich Weinsheimer, der für seinen Schachzug Innenverteidiger Maximilian Walter „opferte“.

Auch Thomas Bliemeister war von Wedeler Leistung angetan

Am Spielfeldrand staunte Thomas Bliemeister, wie sich die Wedeler von Minute zu Minute besser zurechtfanden. „Wie ein Absteiger sind sie nun wirklich nicht aufgetreten“, sagte der frühere Trainer des VfL Pinneberg und der SV Halstenbek-Rellingen.

Einst hatte er mit Teutonias Co-Trainer Matthias Reincke und dem Wedeler Torwartcoach Jürgen Stars in Halstenbek zusammengearbeitet. Beim Halbzeitplausch der früheren HSV-Spieler stand es für Bliemeister fest. „Wedel kann hier die Überraschung schaffen.“ So kam es, sogar zur großen Verwunderung von Thorsten Zessin. „Nach dem 0:2 war das Spiel für mich abgehakt.“ Nicht nur für ihn, auch für die Teutonen, bei denen sich plötzlich Nachlässigkeiten einschlichen.

Binnen fünf denkwürdiger Minuten drehte der Außenseiter das Spiel. Dominik Mahnke lieferte den Pass, den Jaques Rodrigues de Oliveira an früherer Wirkungsstätte zum 1:2 nutzte (75.). Zwei Minuten später köpfte Steinecke einen Eckball von Marcus Richter in die rechte Ecke – Ausgleich. Alles, was Beine hatte und mit dem WTSV sympathisierte, lief auf den Kunstrasen, um Christian Dirksen zum 3:2 zu gratulieren (79.). Dem Routinier war der Ball nach einem Pressschlag vor die Füße gesprungen. Eine Kanonenkugel hätte nicht härter im Tornetz einschlagen können.

„Wie geil ist das denn für Wedel und wie bitter für Teutonia?“, fragte sich Thomas Bliemeister. Die WTSV-Fans untermalten die Szene mit ihren Tröten und anderen Lärminstrumenten. An seinem 34. Geburtstag hätte sich Teutonias Chefcoach Sören Titze ein ganz anderes Ständchen als Sprechchöre aus dem Gäste-„Block“ gewünscht.

Aschfahl im Gesicht hockte Matthias Reincke noch lange nach dem Abpfiff auf der Trainerbank. Zur allgemeinen Entgeisterung trug auch der Schiedsrichter bei, an dem die Rufe nach einem Elfmeter – angebliches Handspiel von Marlo Steinecke in der ersten Minute der Nachspielzeit – korrekterweise abprallten.

Im Gegenzug vertändelte Marcel Uitz die Chance zum 4:2, wie überhaupt die Wedeler schon vor ihren verrückten fünf Minuten mehrfach gefährlich in Teutonias Strafraum eingedrungen waren. Richter (30.) und Uitz (53.) hatten jeweils das 1:1 auf dem Fuß.

Tore: 1:0, 2:0 Arifi (7., 69.), 2:1 de Oliveira (75.), 2:2 Steinecke (77.), 2:3 Dirksen (79.). Schiedsrichter: Eckstein-Staben (SC Wentorf). Zuschauer: 150. Unterhaltungswert: mittel bis hoch. Wedeler TSV: Alves Lopes – D. Diaz, Walter (33. Mahnke), Vollmer, Eggers – Steinecke, Dirksen – L. Diaz, de Oliveira, Uitz – Richter (82. Duffke).