Pinneberg
Fussball

Verband und Vereine rufen auf zu mehr Toleranz

Wie hier – ein zwar emotional, aber immerhin sachlich diskutierender – Tim Vollmer (damals noch SV Rugenbergen, heute Wedeler TSV) gegen Schiedsrichter Dennis Krohn, fällt es Fußballern oft schwer, Entscheidungen der Referees hinzunehmen. Der Toleranzaufruf des HFV gilt explizit auch dem Schutz der Unparteiischen

Wie hier – ein zwar emotional, aber immerhin sachlich diskutierender – Tim Vollmer (damals noch SV Rugenbergen, heute Wedeler TSV) gegen Schiedsrichter Dennis Krohn, fällt es Fußballern oft schwer, Entscheidungen der Referees hinzunehmen. Der Toleranzaufruf des HFV gilt explizit auch dem Schutz der Unparteiischen

Foto: Michael Stemmer

„Miteinander statt nebeneinander“: Hamburger FV stellt den letzten Spieltag vor der Winterpause unter ein gesellschaftliches Motto

Kreis Pinneberg.  Andreas Lätsch (SV Rugenbergen) und alle anderen Bevollmächtigten an den Stadion-Mikrofonen werden gebeten, an diesem Wochenende, dem letzten Spieltag des ausklingenden Jahres, eine Botschaft zu verlesen:

„Der Hamburger Fußball-Verband und seine Vereine stellen sich gegen Rassismus jeglicher Art. Bei unseren Fußballspielen sind alle Menschen gleich – egal, welcher Nationalität, Hautfarbe, sexuellen Orientierung und Religion. Unser Motto heißt ,Miteinander statt nebeneinander’. Bei uns ist jede Spielerin und jeder Spieler jeden Alters willkommen! Wir stehen für Fairplay und Respekt gegenüber den Gegnern und den Schiedsrichtern, und wir stellen uns gegen Gewalt auf unseren Sportplätzen.“

HFV-Präsident Dirk Fischer hält diesen Appell für notwendig. Darum: „Eine zunehmende Zerrissenheit der Gesellschaft macht auch vor dem Fußball nicht halt. Anfeindungen, insbesondere aufgrund von Herkunft, nehmen erneut zu. Unsere Schiedsrichter berichten von Übergriffen und Respektlosigkeit ihnen gegenüber.“ Verbands-Pressesprecher Carsten Byernetzki warnt vor den Folgen. „Die Zahl der Schiedsrichter verringert sich von Jahr zu Jahr. Wenn wir diese Entwicklung nicht stoppen, werden wir als erste Konsequenz Kreisligaspiele nicht mehr mit Linienrichtern besetzen können.“

Ein Vorfall in der jüngeren Vergangenheit betrifft auch Holger W.. Der Co-Trainer des Wedeler TSV wurde in eine Geldstrafe von 250 Euro genommen, weil er am Rande der hitzigen Auswärtspartie gegen den WTSV Concordia am 2. November (1:2) einem der Schiedsrichter-Assistenten zu nahe getreten sein soll. W. bestreitet die Vorwürfe energisch. WTSV-Ligachef Walter Zessin riet ihm davon ab, Einspruch zu erheben. „Wenn Aussage gegen Aussage steht, dann haben die Trainer beim Sportgericht ganz schlechte Karten.“

Dramatische Zuspitzungen scheinen sich vor allem in unteren Ligen abzuspielen. „Wir stehen weit oben in der Fairness-Tabelle, Platzverweise wegen Schiedsrichter-Beleidigung hat es bei uns diese Saison nicht gegeben“, versichert Zessin. Ähnlich äußern sich die Trainer Thomas Bohlen (SV Rugen­bergen) und Patrick Bethke (VfL Pinneberg). „Von Anfeindungen unseren dunkelhäutigen Spielern gegenüber haben wir diese Saison nichts gemerkt.“

Alles nur „heiße Luft“? Natürlich nicht. Ein Zwischenfall bei TBS Pinneberg (Bezirksliga) bestätigt Dirk Fischer. Ein Zuschauer lief aufs Spielfeld, um offenbar die Auseinandersetzung mit einem ihm unliebsamen Spieler des SV Lurup zu suchen. „Ich war sofort zur Stelle und habe ihn zurückgehalten“, versichert TBS-Manager Caglar Cot. Wegen fehlenden Ordnungsdienstes müssen die Pinneberger trotzdem 250 Euro zahlen. Weil sich auch Luruper Fans und ihr Trainer Gernot B. unsportlich verhielten, wird für die Gäste eine Strafe von 225 Euro fällig.

Der Elmshorner Kreisligist Gencler Birligi sühnte grob unsportliches Verhalten eines Clubmitglieds bei der Partie gegen den TuS Hasloh mit 500 Euro. Das Sportgericht greift durch, im Rahmen seiner Möglichkeiten. Irrtümer inbegriffen? Am 5. Dezember erscheint Jannick Wilckens in Hamburg-Jenfeld. Der Wedeler Verteidiger soll vor dem Verbandsgericht (zweite Instanz) für Ahmed Abdurahman aussagen, der sich am 31. Oktober im Elbestadion (2:2) nach einer Rangelei Rot eingehandelt hatte und sechs Partien gesperrt wurde. Der Verteidiger von Buchholz 08 fühlt sich ungerecht behandelt.

Unbestritten ist gelegentliches Fehlverhalten der Männer an den Pfeife und an der Linie. Als unwahr erwies sich die Behauptung von Linienrichter A., im Anschluss an das Bezirksligaspiel am 25. August 2017 gegen Roland Wedel von einem Mitglied des 1. FC Quickborn rassistisch beleidigt worden zu sein. In stundenlangen Recherchen kam heraus, dass keiner von 30 Zeugen diese Behauptung bestätigen konnte. Ursprünglich zu 750 Euro Geldstrafe verurteilt, ernteten die Quickborner vor dem Verbandsgericht einen Freispruch erster Klasse.

Schiedsrichter N. (SV Eidelstedt) benahm sich in der Kreisliga-Partie der SV Blankenese II gegen den BSV 19 am 4. November so daneben, dass ihn der Verband bis zum Jahresende sperrte und ihm 500 Euro Strafe auferlegte. N. erhielt die Auflage, an einem Coolness-Tag des HFV zu lernen, mit Gehässigkeiten umzugehen.

Dirk Fischer, kommenden Dienstag mit DFB-Präsident Reinhard Grindel Gast in der Kreisstadt und Gratulant zum 100. Geburtstag des SC Pinneberg, wünschte sich, es würde gar nicht erst zu Provokationen kommen.