Pinneberg
Volleyball

660 Kilometer fahren – nur für ein Spiel

Foto: Ulrich Stückler

Drittliga-Team des VfL Pinneberg gastiert zum Saisonauftakt im brandenburgischen Schöneiche. Tabellenplatz vier soll vermieden werden.

Pinneberg.  Am morgigen Sonnabend müssen die Drittliga-Volleyballer des VfL Pinneberg in ihren beiden Kleinbussen – insgesamt – fast 660 Kilometer abspulen. Schöneiche, der Ort in Brandenburg in der Nähe von Berlin, ist hinter Wriezen nahe der polnischen Grenze die zweitweiteste Auswärtstour für den VfL. Die erste Saisonpartie 2018/19 gegen TSGL Schöneiche beginnt dann abends um 19 Uhr, ehe es nach maximal fünf Sätzen wieder zurück in den Norden geht.

„Warum man sich so etwas antut? Weil wir verrückt und bekloppt sind. Also im positiven Sinne“, sagt Pinnebergs Coach Sven Klieme (47). „Das sind schon manchmal echte Ochsentouren“, gibt VfL-Kapitän Sebastian Tanner zu. Andererseits könne man „nicht möglichst hoch spielen und dann nicht weiter fahren wollen als bis Klein Offenseth-Sparrieshoop“, meint er, selbstverständlich ohne dabei der kleinen Gemeinde zu nahe treten zu wollen.

Nach der strapaziösen Anreise wartet dann noch ein sportlich äußerst harter Brocken. „Es war diesmal schier unmöglich, ein aktuelles Video des Gegners aufzutreiben, aber allein auf dem Papier steckt da ganz viel Routine und Zweitliga-Erfahrung in der Mannschaft. Für mich zählt Schöneiche zu den Titelfavoriten“, sagt Klieme, der hauptberuflich im Vertrieb einer IT-Firma arbeitet und in Stellingen wohnt.

Klar sei aber auch, dass man sich nicht Ewigkeiten auf die Autobahn begeben möchte, „um dann zu verlieren. Natürlich werden wir alles versuchen, um das Spiel zu gewinnen“, so der VfL-Coach. In der Vorsaison mussten die Pinneberger in Brandenburg eine 0:3-Niederlage einstecken – in eigener Halle verlor der VfL 2:3 und konnte durch zwei gewonnene Sätze immerhin einen Punkt gewinnen.

Viermal in Folge wurde der VfL Tabellenvierter

In der Endabrechnung war der VfL in der Tabelle dann allerdings um zwei Plätze besser. Pinneberg wurde Vierter – dieses Kunststück gelang dem Team seit der Spielzeit 2014/15 bisher in jeder Saison. „Wir möchten mindestens genauso gut abschneiden“, hofft der neue Trainer der Pinneberger erneut auf eine gute Leistung. Seinen Vorgänger Daniel Prade, der nach vier Jahren in Pinneberg nun die Spieler der zweiten Mannschaft der SVG Lüneburg für eventuelle Aufgaben in der Bundesliga vorbereiten soll, kennt Klieme bestens: „Wir verstehen uns gut. Er hat mich früh darüber informiert, dass die Spieler bei der Trainersuche wohl auf mich zukommen werden. Aber über die Mannschaft haben wir nie gesprochen. Einfach, weil ich da komplett unvorbelastet rangehen wollte.“

Mit Florian Pünner gibt es nun auch einen Co-Trainer. Trainiert wird drei statt wie bislang zwei Mal in der Woche. Ab Juli starteten im ersten Vorbereitungsschritt intensive Krafttrainingseinheiten. Ab und an wird auch Sepaktakraw, dabei wird ein kleiner Plastikball mit dem Fuß über ein Badminton-Netz gespielt, in das Training eingestreut. „Wir wollten nach dem sportlichen Prade-Erbe neue Akzente setzen und neue Wege gehen“, sagt der ehemalige DDR-Juniorennationalspieler sowie Zweitliga-Volleyballer Klieme, der auch schon unter anderem in Niendorf und Norderstedt Trainer war.

Das Team sei auf dem richtigen Weg, in der Vorbereitung konnten die Pinneberger unter anderem den Hamburger Pokalwettbewerb gewinnen. Neu im Kader sind Mittelblocker Levin Wolf (Oststeinbeker SV, 3. Liga), Außenangreifer Nils Krause (GW Eimsbüttel, Regionalliga), Nachwuchs-Zuspieler Gilles Wulf-Balosch soll erste Einsatzzeiten in Deutschlands dritthöchster Spielklasse bekommen. Außerdem ist Diagonalspieler Florian Sievers nach seinem USA-Aufenthalt (Volleyball-Stipendium an der Warner University, Florida) zurückgekehrt. Ansonsten sind alle Leistungsträger, die teilweise schon seit Jahren beim VfL zusammenspielen, geblieben. „In dieser Saison sollen nun verstärkt die jungen Spieler eingesetzt werden“, sagt Klieme.

Ein Lars Lydorf, der zweifache Familienvater ist 34 Jahre alt, soll beispielsweise nicht mehr zwingend alle Auswärtstouren mitmachen. Nach Schöneiche reisen aber alle 14 Pinneberger Kadermitglieder – nur Mittelangreifer Janosch Maaß fehlt aus privaten Gründen. Er kann diesmal auf eine Fahrt mit den „positiv Bekloppten“ nach Brandenburg verzichten.