Pinneberg
Fussball

Ein Kicker aus Appen startet in die Bundesliga

Sam Schreck hofft darauf, so schnell wie möglich in der Bundesliga zu debütieren

Sam Schreck hofft darauf, so schnell wie möglich in der Bundesliga zu debütieren

Foto: imago sportfotodienst / imago/Eibner

Sam Schreck (19)gehört zum Profikader von Bayer 04 Leverkusen. Sein Talent offenbarte er bereits beim TuS und dem Kummerfelder SV

Leverkusen/Appen.  Das ist der aktuelle Marktwert von Sam Schreck: 350.000 Euro. Zumindest gibt das die Website transfermarkt.de im Spielerprofil des 19-Jährigen an. Eine stolze Summe für einen jungen Mann, der bislang noch nicht eine Sekunde Herrenfußball absolviert hat. Mit dem Saisonstart der Fußballbundesliga kann sich dies von diesem Sonnabend an minütlich ändern: Wenn Bayer 04 Leverkusen zum Auftakt gegen Borussia Mönchengladbach antritt (18:30 Uhr), wird Schreck auf der Reservebank Platz nehmen. Doch wenn Trainer Heiko Herrlich seine neue Offensivkraft, die noch vor fünf Jahren in Kummerfeld Tore schoss, zu sich ruft, steht Sam Schreck bereit – für sein Debüt als Fußballprofi

Dass Schreck den Weg bis in die höchste deutsche Spielklasse gehen würde, wagte Jürgen Krüger vor 14 Jahren noch nicht vorauszusagen. Besonderes Talent erkannte der damalige G-Jugend-Trainer vom TuS Appen aber sofort: „Sam war von Beginn an ball­-gewandt, schnell und quirlig. Nicht nur durch Slalomstangen, auch durch Abwehrreihen ist er gerauscht.“ Seine Torausbeute: „Unzählig.“ Und das, obwohl Schreck in dieser Zeit der Jüngste und recht schmächtig gewesen sei.

Außergewöhnlich fand Jürgen Krüger nicht nur das Talent seines Schützlings, sondern auch die Leidenschaft: „Sam war immer auf dem Platz präsent, spielte meist schon vor dem Training, und war traurig, wenn es zu Ende war“, so der 57-Jährige, der bis vor drei Jahren Abteilungsleiter Fußball beim TuS war. Schreck bestätigt: „Ich brauchte immer einen Ball am Fuß. Schon mit zwei Jahren habe ich angefangen zu spielen. Ob Fußball oder Tennisball war mir egal.“

Der Fußball führte Schreck dann mit sieben Jahren aus Appen nach Norderstedt; zum Nachwuchs des HSV. Aus zwei wöchentlichen Trainingseinheiten wurden vier. Auf den Fahrdienst seiner Eltern konnte sich der Sohnemann stets verlassen. „Ich bin meinen Eltern sehr dankbar. Sie haben einen großen Anteil an meiner Entwicklung.“ Sams Vater, Thomas Schreck, entschied 2010, dass es für die Entwicklung seines Sohns besser wäre, nach Appen zurückzukehren: Für ein Jahr kickte er dann wieder beim TuS, bevor Schreck beim Kummerfelder SV („Da hatten wir eine Top-Mannschaft.“) gegen den HSV und St. Pauli um den Verbandsligatitel kämpfte.

Dem zweiten großen Hamburger Fußballklub gelang es 2013 schließlich, den damals 14-Jährigen wieder in die Hansestadt zu locken. „Es gab auch
Angebote von anderen Vereinen in Deutschland, aber St. Pauli hat uns am meisten überzeugt“, erklärt Schreck, der mit „uns“ seinen Vater als bis heute wichtigen Berater einbezieht. Ein Argument für den Nordklub war auch die Möglichkeit, weiterhin zu Hause leben und am Pinneberger Theodor-Heuss-Gymnasium mit seinen Freunden zur Schule gehen zu können.

Als Kind träumt Schreck von Real und lehnt später das Angebot ab

Auch das wöchentliche Training in
Pinneberg blieb: am Stützpunkt des Hamburger Fußballverbands. Vom Trainer dort, Stephan Kerber, hat das offensive Mittelfeldtalent viel gelernt. Auch, sich vom Ball zu trennen: „Ich wollte lange alles alleine machen.“ Kerber habe ihm beigebracht, „dass es auch andere Spieler gibt, nicht nur mich.“ Heute sei er zufrieden, wenn er beim Sieg einen Treffer aufgelegt hat. „Auf meiner Position werde ich aber schon an Toren und Vorlagen gemessen.“

Sam Schreck wurde zum Teamplayer und weckte Begehrlichkeiten europäischer Top-Klubs. „Mit meinem Nationalelf-Debüt in der U16 habe ich gemerkt, dass ich in den Fokus rücke.“ Angebote vom FC Bayern München,
Inter Mailand oder Manchester City lassen daran keinen Zweifel. Besonders reizvoll: die Offerte von Real Madrid. „Als kleiner Junge war mein Traum, bei Real mit Cristiano Ronaldo zu spielen.“ Ein Traum, der im Sommer 2016 Realität hätte werden können: Das Angebot aus Spanien sah vor, Schreck in der zweiten Mannschaft spielen, aber bereits bei den Profis trainieren zu lassen.

Letztlich ist Schreck aber in Leverkusen gelandet. Dies sei ein „deutscher Klub, bei dem man sieht, dass junge Spieler erfolgreich in der Bundesliga um die Champions-League-Qualifikation spielen.“ Für den gebürtigen Pinneberger ein Hauptgrund, sich für Bayer 04 zu entscheiden. Auch Cheftrainer Heiko Herrlich weiß, was er am Youngster hat: „Sam ist talentiert und technisch stark. Mit Brandt, Bailey, Bellarabi und Paulinho hat er starke Konkurrenz auf den Positionen, auf denen er zum Einsatz kommen könnte. Er arbeitet aber hart, sollte das fortsetzen und bereit sein, wenn wir ihn im Laufe der Saison brauchen.“

Schreck schwärmt von einer „super Truppe“ und „Top-Bedingungen“. Zu seinen besten Freunden im Team zählt auch Kai Havertz, mit dem Schreck bereits im Urlaub gewesen ist. Auf dem Feld kämpfen beide um die Aufstellung auf der gleichen Position. Schreck sieht darin kein größeres Problem: „Wir sind beide vom Typ her im Mittelfeld variabel einsetzbar.“ Persönlich hofft er in der ersten Saison als Profi auf so viele Spielgelegenheiten. „Und dann muss ich auf den Punkt da sein, Gas geben.“

Bei zunehmender Präsenz auf der Bundesligabühne dürfte dann auch der Marktwert der Nummer 30 ansteigen. Der Fünf-Jahres-Vertrag, den Schreck 2016 unterschrieben hat, sieht eine jährliche Gehaltssteigerung vor. Laut „Bild“ verdiente der Appener bereits im ersten Jahr bei Bayer 40.000 Euro monatlich...