Pferdesport

Deutscher Polomeister leitet „Guerilla-Aktion“ in München

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Melanie Mallon
Christopher Kirsch (2. v. r.) mit Sohn Nikolas, Patricio Lalor und Kito Morera (v. l.) in der Münchner City

Christopher Kirsch (2. v. r.) mit Sohn Nikolas, Patricio Lalor und Kito Morera (v. l.) in der Münchner City

Foto: Patricio Ramirez

Auf Polopferden durch die Fußgängerzone: Christopher Kirschs unangemeldeter Coup ist Aufgalopp zum anschließenden Turniersieg

Gross Offenseth.  Vor dem Aufgalopp zur fünften Station der German Polo Tour passiert das, was der Deutsche Polomeister Christopher Kirsch aus Groß Offenseth eine „Guerilla-Aktion“ nennt. Während in der Bayerischen Staatsoper die letzten Proben für das Musiktheater „Die Vorübergehenden“ von Nikolaus Brass laufen, stoppt vor dem ehrwürdigen Gebäude ein Pferdetransporter. Christopher Kirsch und drei Mitstreiter in voller Polomontur laden vier Polopferde aus, schwingen sich in die Sättel und reiten bewaffnet mit Poloschlägern durch die Münchner Fußgängerzone.

Angemeldet ist die Operation nicht, „sonst wäre es ja auch keine Guerilla-Aktion“, sagt Kirsch, Eigentümer des Polo-Paradieses Gut Aspern, und schmunzelt. Zum Schutz der Premiere in der Staatsoper sind viele Polizisten vor Ort, die Beamten lassen die Polospieler gewähren. „Die denken wohl, dass wir irgendwie zu dem Klassik-Event dazugehören“, sagt der 50-Jährige, der 2012 und 2013 sowie vor knapp vier Wochen zum dritten Mal Deutscher Polomeister geworden ist.

Menschentrauben bilden sich rund um das Polo-Quartett, Passanten zücken ihre Smartphones, Fotos und Selfies werden hundertfach gemacht, vor allem Kinder wollen die Pferde streicheln. „Darf ich?“, fragt eine Fünfjährige. Natürlich darf sie, so wie viele andere auch. Gut eine Stunde dauern der Ritt und die ungewöhnliche PR-Kampagne für die weltweit älteste und schnellste Mannschaftssportart in der Fußgängerzone. Dann fährt das Team zurück nach Holzkirchen bei München, wo auf dem Areal des Polo Clubs Bayern das Turnier ausgetragen wird.

Im Finale kämpfen Mannschaftskapitän Christopher Kirsch und seine Freunde, der Film- und TV-Schauspieler Heino Ferch (54), dessen Neffe Niklas Steinle (18) – der ist Deutscher Polomeister von 2016 – und das junge Talent Leonard Wolf. Der 16-Jährige ist Ersatzmann für Maximilian Singhoff, der noch an den Folgen seines schweren Unfalls vor 17 Tagen beim Poloturnier auf Kirschs Gut Aspern leidet.

Der 28-Jährige war so unglücklich gestürzt, dass er mit dem Rettungshubschrauber ins Universitätsklinikum Eppendorf transportiert werden musste. Nach wie vor kann sich Singhoff weder an das Turnier, noch an den Sturz und den Transport im Hubschrauber erinnern. „Maximilians Bänder im Nacken sind angerissen“, sagt Kirsch. „Er hat Glück, dass er sich nicht das Genick gebrochen hat.“

Christopher Kirsch laboriert an angerissenen Schultersehnen

Auch Christopher Kirsch hat sicherheitshalber einen Ersatzmann dabei, den Argentinier Patricio Lalor (28). Denn Kirsch hat auch seine Blessuren; ihm machen zwei angerissene Sehnen in der linken Schulter zu schaffen. Doch Kirsch hält nicht nur durch, er macht kurz vor Spielende die beiden entscheidenden Tore für das Team Bucherer.

„Wir haben mit 6:5 gegen das Team Hajo gewonnen“, freut sich Kirsch, der mit sechs Pferden angereist ist. Heino Ferch ergänzt: „Wir waren perfekt in der Taktik.“ Rund 2000 Zuschauer verfolgen das Turnier; eine relativ hohe Zahl. „Das liegt wohl auch daran, dass Heino Ferch, der am Ammersee lebt, hier ein Heimspiel hat“, sagt Kirsch.

Der Bucherer Polo Cup München ist nach Gut Aspern die fünfte von sechs Stationen der German Polo Tour. „Viermal stand ich im Finale, davon habe ich zwei Endspiele gewonnen“, sagt Kirsch. Nach dem Turnier ist vor dem Turnier. Wenn Kirsch zurück auf Gut Aspern ist, beginnt er mit dem Training für die letzte Station der German Polo Tour. Vom 31. August bis 3. September kämpfen dann wieder in Berlin Spieler aus Deutschland, Argentinien, Spanien und Frankreich in Vierer-Teams gegeneinander.

Dieses Mal ist auch der schwer gestürzte Maximilian Singhoff wieder für das Team eingeplant. „Ich setze drauf, dass Max bis dahin wieder fit ist.“ Heino Ferch kann indes nicht dabei sein. Christopher Kirsch: „Heino steckt dann mitten in Dreharbeiten.“

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