Sepaktakraw

Artistik in der Elmshorner Olympia-Halle

| Lesedauer: 4 Minuten
Frederik Büll
Auch im Vorjahr gab es packende Duelle beim Dragons Cup

Auch im Vorjahr gab es packende Duelle beim Dragons Cup

Foto: Privat / HA

An diesem Wochenende bitten die Elmshorn Dragons zum 13. Sepaktakraw-Turnier in der Krückaustadt. Drei Teams aus Malaysia spielen mit

Elmshorn.  Nach dem Ausscheiden der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der WM erlaubten sich die Elmshorner Sepaktakraw-Spieler um Tim Hellfeuer (32) einen kleinen Spaß. In einem Südkorea-Trikot ging es zur Trainingseinheit dieser in Deutschland immer noch ziemlich exotischen Sportart in die Ramskamp-Halle. „Wir haben mal nach einem Turnier in Asien die Trikots mit unseren Gegenspielern getauscht. Das war doch leider der passende Moment, diese Trophäen mal wieder herauszukramen“, sagt der Spieler der Elmshorn Dragons.

Bereits siebenmal hat er in Malaysia oder Thailand als Teil einer deutschen Nationalmannschaft beim sogenannten Kings Cup im Sepaktakraw teilgenommen. An diesem Wochenende gibt es über zwei Tage in der Olympia-Halle in der Pestalozzistraße akrobatische Sprungeinlagen zu bewundern, die ein Höchstmaß an Körperbeherrschung verlangen. Die bereits 13. Auflage des Dragons Cup – mit drei Teams aus Malaysia – steht an.

Sepaktakraw ist eine Rückschlagsport. Ziel ist es, wie beispielsweise beim Volleyball, das Spielgerät in der gegnerischen Hälfte auf den Boden zu schmettern, um einen Punkt zu machen. Vorzugsweise wird mit dem Fuß gespielt. In der Regu-Variante (Drei-gegen-Drei) gibt es die Positionen Tekong, Feeder und Striker – jeder Spieler hat seine Kernkompetenz, auch wenn Feeder und Striker situationsbedingt die Rollen tauschen können. Der Tekong macht die Aufschläge und nimmt auf dem Spielfeld – 13,4 Meter lang,
6,10 Meter breit, das Netz ist auf einer Höhe von 1,52 Metern gespannt – als hinterer Spieler meist auch die gegnerischen Aufschläge an. Der Feeder sorgt für Vorlagen, die der Striker mit der dritten Berührung verwerten möchte. Der Ball ist aus Hartplastik.

Ungeübte bekommen bei dieser Sportart schon vom Zuschauen theoretische Verletzungen. Das geht bereits beim Aufschlag los. Einer der beiden vorderen Spieler wirft die Kugel dem Tekong zu. „Du brauchst einen möglichst steilen Winkel, um den Ball mit Schwung über das Netz zu bekommen“, sagt Hellfeuer über sein Aufgabengebiet. Also muss das Bein so hoch wie möglich. Er würde den Ball im Optimalfall etwa auf Kopfhöhe treffen, die Asiaten tendenziell weit darüber hinaus. Als echte „Büffelhüften“ tituliert der Mitarbeiter eines Fahrsicherheitsunternehmens diese strammen Spagatschüsse der Gäste, die mit diesem Sport in ihren Heimatländern aufgewachsen sind.

Es gibt drei Typen von Sepaktakraw-Neulingen

Hierzulande gebe es laut Hellfeuer, der zum Organisationsteam des Cups gehört, drei Arten von Sepaktakraw-Akteuren. „Die Fußballer, die zwar Ballgefühl haben, die aber eher ungelenkig sind. Dann testen die Kampfsport­erprobten das mal aus. Die sind zwar gelenkig, aber oft mangelt es an Ballkon­trolle, und die dritte Gruppe sind die kompletten Bewegungslegastheniker.“

Im wahrsten Sinne des Wortes müsste man „immer am Ball bleiben“, um erste kleine Erfolgserlebnisse zu haben. „Sepaktakraw ist ein Sport, der wirklich viel Eigenmotivation braucht. Oft sehen die Jungs selbst in einem halben Jahr keine Fortschritte, die andere aber schon sehen. Man muss selbst kapieren, welchen Weg man schon geschafft hat“, sagt Hellfeuer.

Er selbst ist Gründungsmitglied des 2002 formierten Clubs Sukarela Sepaktakraw Elmshorn. Die Spieler wollten ihren Sport aus den hiesigen Park-Anlagen über den Sommer hinaus auch in der Halle ausüben. Über einen Kumpel und dessen malayischen Vater war er erstmals mit Sepaktakraw (Sepak steht für treten oder schießen, Takraw für den ursprünglich aus Rattan geflochtenen Ball) auf asiatischen Kulturfesten hierzulande in Berührung gekommen – es folgten viele Besuche in Malaysia oder Thailand. Mit Ausnahme einer zweijährigen Pause (Bundeswehr) ist Hellfeuer etwa „zwei bis dreimal pro Woche“ fleißig dabei. Circa 20 aktive Spieler haben die Elmshorn Dragons.

„Sepaktakraw ist wie eine große Familie. Man sieht sich auf Turnieren bis zu fünfmal im Jahr“, sagt Hellfeuer. Teams aus der Schweiz, Belgien und Frankreich sind wieder dabei. Doch die Favoriten haben die weiteste Anreise.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Sport