Pinneberg
Fussball

1:4-Pleite in Wilhelmsburg – Alarm beim VfL Pinneberg

Heldentat ohne positiven Effekt: VfL-Torwart Norman Baese pariert den Elfmeter von Tolga Tüter (r.), aber nach der anschließenden Ecke fällt doch das 0:1

Heldentat ohne positiven Effekt: VfL-Torwart Norman Baese pariert den Elfmeter von Tolga Tüter (r.), aber nach der anschließenden Ecke fällt doch das 0:1

Foto: Johannes Speckner

Fußball-Oberligist verliert beim Tabellenletzten FC Türkiye. Jetzt droht am kommenden Wochenende der Sturz in die Abstiegszone

Pinneberg.  Beim Teamabend hinterher auf der Bowlingbahn in Othmarschen fühlten sich die Oberliga-Fußballer des VfL Pinneberg ein bisschen an ihre aktuelle Situation erinnert. Einer nach dem anderen war vor dem Gastspiel beim bisherigen Tabellenletzten FC Türkiye aus dem Kader gekippt. Das letzte Aufgebot der Kreisstädter verlor das Duell mit Ex-Coach Michael Fischer, jetzt bei den Wilhelmsburgern angestellt, 1:4 (0:3). Die Alarmsirenen heulen schriller denn je.

Per Handschlag und mit einem Klaps auf den Allerwertesten gratulierte VfL-Coach Thorben Reibe seinem Vorgänger zum verdienten Sieg. Dann verfinsterte sich Reibes Miene. Schon am kommenden Wochenende kann es so weit sein, dass sich sein Team auf einem Abstiegsplatz wiederfindet. Der FC Türkiye gewinnt beim neuen Schlusslicht Vorwärts/Wacker Billstedt, die Pinneberger unterliegen dem Niendorfer TSV, dann wäre es soweit. Unterdessen wird Reibe vielleicht froh sein, dass die Nachholpartie am Dienstag in Billstedt wegen Flutlichtproblemen am Öjendorfer Weg ausfällt.

So bleiben den Sorgenkindern in seinem Kader ein paar Tage mehr Zeit, zu Kräften zu kommen. Das sind neuerdings auch Felix Schlumbohm (Bänderdehnung) und Maximilian Walter (Oberschenkelverhärtung), die in Wilhelmsburg frühzeitig ausgewechselt werden mussten. Von vornherein gefehlt hatten Lennart Dora, Arend Müller (gesperrt), Enis Ay, Kevin Koyro, Samuel Amoah, Yasir Zaman (verletzt), Frederic Sarpong, Dominic Lemcke (erkrankt) und Madjid Albry (Arbeit).

In seiner Not brachte Reibe schließlich Ussumane Jau und Mauricio Garcia von der VfL-Zweiten (Landesliga) zum Einsatz. Ussumane ist bei der Shell-Tankstelle in Halstenbek beschäftigt. „Als ich während meiner Zeit bei der SV Halstenbek-Rellingen dort mal Zeitschriften holen wollte und in HR-Kluft auftauchte, kamen wir ins Gespräch. Ich habe ihn dann sozusagen reaktiviert“, erzählt VfL-Betreuer Uwe Messal. Nicht so „super“: Mit einem Ballverlust verschuldete der Rechtsverteidiger das 0:2. Boris Shtarbev flankte in die Mitte, Tolga Tüter traf (18.).

Maximilian Walter lag in diesem Moment verletzt im Mittelkreis. Der Innenverteidiger hatte in der elften Minute im Laufduell einen Elfmeter an Shtarbev verschuldet. „Der Pfiff war berechtigt“, räumte Walter ein. Tüter scheiterte zwar auf ähnliche Weise an VfL-Keeper Norman Baese wie HSV-Profi Filip Kostic am 3. März im Heimspiel gegen Mainz 05 an Florian Müller. Doch der anschließende Eckball wurde zur Brandbombe. Shtarbev köpfte das 1:0 (12.). Pinneberger Gegenwehr in diesem Moment? Fehlanzeige. VfL-Kapitän Fabian Knottnerus, einer von wenigen Aktivposten, wurde deutlich: „Wir waren passiv und ängstlich. So geht es ohne Frage eine Etage runter. “

Zwischendurch (14.) hatte Christian Kulicke die riesige Chance zum 1:1 verpasst. Türkiye-Torwart Tobias Braun rettete per Fußabwehr. „Der muss sitzen. Dann wird es ein anderes Spiel“, fluchte VfL-Co-Trainer Stephan Roesler. So aber wurde es vor der Minuskulisse von 30 bibbernden Fans ein totaler Reinfall. Mümin Mus überlupfte Keeper Norman Baese, der möglicherweise voreilig aus seinem Gehäuse gesprintet war – 3:0 (33.).

Elfmetertreffer von Kaetow bleibt einziges Aufbegehren

Als sich nach dem 1:3 von Jan-Hendrik Kaetow, selbst gefoult (64.), per Elfmeter wieder Hoffnung im VfL-Lager regte, erstickte Shtarbev das leichte Aufbegehren mit einem strammen Schuss in der 81. Minute – 4:1. „Das Schlimmste ist, dass der FC Türkiye gar nicht einmal gut gespielt. sondern nur von unseren Fehlern profitiert hat“, ärgerte sich Thorben Reibe. Für Michael Fischer war es der erste Sieg nach seinem Amtsantritt in Wilhelmsburg. Der Appener legt sich fest. „Wir oder der VfL, vielleicht auch beide. Aber einen wird es mindestens erwischen.“

Tore: 1:0 Shtarbev (12.), 2:0 Tüter (18.), 3:0 Mus (33.), 3:1 Kaetow (64./Foulelfmeter), 4:1 Shtarbev (81.).
Schiedsrichter: Höhns (TuS Dassendorf). Zuschauer: 30. Unterhaltungswert: niedrig.
VfL Pinneberg: Baese – Werning, Ellerbrock, Walter (19. Oudjouadj), Knottnerus – Kulicke, Hartlieb – Strauß, Kaetow, Schlumbohm (10. Jau) – Uitz (84.Garcia).
Besonderes Vorkommnis: Beese (VfL/11.) hält Foulelfmeter von Tüter.