Pinneberg
Billard

Carambolage – die etwas schwierigere Variante

Foto: Burkhard Fuchs

Der Quickborner Matthias Wittig ist Vorsitzender des Hamburger Billard-Clubs. Der Verein feiert in diesem Jahr seinen 90. Geburtstag.

Quickborn/Hamburg.  Es geschah im Urlaub auf Kreta. Vor 20 Jahren hat der Quickborner Matthias Wittig das Billard-Spiel für sich entdeckt. Aus erster Verliebtheit wurde schnell Leidenschaft. Gleich nach dem Urlaub trat Wittig in den Billard Club Hamburg von 1928 (HBC) ein. Dessen Vorsitzender ist er nun seit 16 Jahren, zurzeit bereitet er die Feiern zum 90-jährigen Bestehen des Clubs vor.

Auf einer Büroetage am Überseering in Hamburgs City-Nord hat der Verein vier Carambolage-Tische stehen, die die Mitglieder nach Lust und Laune nutzen können, sagt Wittig. „Vor einigen Jahren spielten hier immer Taxifahrer frühmorgens nach Ende ihrer Schicht“, erzählt der frühere Airbus-Manager, der jetzt in Rente ist.

Carambolage ist eine Sonderform des Billardspiels (siehe Info-Kasten).
Im Gegensatz zum Pool oder Snooker werden hier keine Kugeln in Taschen versenkt. Der Tisch hat keine Löcher. Carambolage ist ein Präzisionssport.

„Es ist anspruchsvoller als Poolbillard“, beschreibt Wittig seine Leidenschaft. Statt die jeweils sieben ein- oder mehrfarbigen Kugeln sowie die schwarze Acht in die sechs Löcher zu stoßen, gilt es hier, mit dem Spielball bei jedem Stoß die zwei anderen Kugeln auf dem Tisch zu treffen. „Das ist dadurch
erheblich schwieriger als beim Pool,
ohne dies abwerten zu wollen“, erklärt Wittig. Das Königsspiel für die wahren Könner ist das Dreiband-Carambolage, bei dem die angestoßene Kugel vor der Carambolage mit der dritten Kugel zuerst drei Tischbanden berühren muss.

Wittig spielt mit einem Freund seit 20 Jahren freitags in der City-Nord. Der hatte auch die Idee nach der Kreta-Reise, wo sie ständig im Hotel Carambolage gespielt hatten, in den HBC einzutreten. In der City-Nord hatte er eine Buchversand-Firma. So konnte er in der Mittagpause oder nach Feierabend schnell mal das Carambolage-Spiel um die Ecke üben. Wittig: „Inzwischen ist er wie ich Rentner, wir haben noch mehr Zeit, unser Hobby zu frönen.“

Fast wäre der Hamburger Billard Club, der einer der ältesten in der Hansestadt ist, vor einigen Jahren aufgelöst worden. „Wir hatten die Tische schon abgebaut, die Möbel rausgetragen und den 180 Quadratmeter großen Geschäftsraum renoviert“, erzählt Vorsitzender Wittig. Grund: die plötzliche Verdopplung der Monatsmiete, die der Verein sich nicht hätte leisten können. Doch im letzten Moment hatte der
Vermieter, der mit seiner Frau ein bekanntes Möbel- und Einrichtungshaus in der City-Nord führt, ein Einsehen. „Der Billard Club muss bleiben“,
entschied er und fragte an, wie viel
Miete der Verein denn tragen könne. „Die Hälfte“, antwortete Wittig und unterschrieb auf eigenen Namen den neuen Mietvertrag, der den Carambolage-Spielern nun wieder freie Hand lässt und die Zukunft sichert.

„Allerdings hat der Verein mit zunehmendem Mitgliederschwund zu kämpfen“, sagt der HBC-Vorsitzende. Von den zwei Dutzend Mitgliedern,
als er vor 20 Jahren anfing, sei nur noch die Hälfte übrig geblieben. Das habe den Vorteil, dass praktisch jederzeit ein Spieltisch frei sei, während in früheren Zeiten hier jeden Abend etwas los gewesen sei, erklärt Wittig. Sitzgelegenheiten, Musikanlage und gekühlte Getränke stehen für die Spieler bereit.

Ob es an der Lage des Objektes, den veränderten Arbeitszeiten oder dem Freizeitverhalten der Menschen liege, dass der Zulauf sinkt, kann er sich auch nicht erklären. „Für junge Leute ist das Carambolage-Spiel vielleicht nicht attraktiv, weil man sich so konzentrieren muss“, erklärt sich Wittig die Entwicklung. „Man braucht viel länger, um Erfolg zu haben.“ Während es einem Anfänger beim Poolbillard recht schnell gelingt, einen Treffer zu landen, müsse der Carambolage-Spieler zunächst mit Fehlstößen rechnen, bis er weiß, in welchem Winkel die Kugeln anzuspielen und zu treffen sind.

Die Mitgliederversammlungen hat der HBC abgeschafft

Der Gemeinschaft im Verein tut der Mitgliederschwund jedenfalls keinen Abbruch. „Regelmäßig kommen wir zu kleinen Festivitäten zusammen, um
gemeinsam zu spielen, zu klönen oder einfach zu fachsimpeln“, berichtet
Matthias Wittig. Nur die eigentlich obligatorischen, jährlichen Mitgliederversammlungen hätten sie abgeschafft. „Das machen wir nur noch, wenn einer dies wünscht.“

Der Billardclub Hamburg von 1928 hat
seine Räume am Überseering 23 in Hamburg-Winterhude. Kontakt: Matthias Wittig,
Telefon: 0160/367 62 33