Pinneberg
Fussball

Nach Kellerduell: Lage wird ernst für den VfL Pinneberg

Marcel Uitz (l.) – hier gegen Hannes Steckel – lässt durch sein Tor zum 1:1 den VfL für wenige Minuten hoffen

Marcel Uitz (l.) – hier gegen Hannes Steckel – lässt durch sein Tor zum 1:1 den VfL für wenige Minuten hoffen

Foto: Meincke Kalle

Oberligist kassiert 1:5-Pleite beim Schlusslicht Hamburger SV III. Nur noch ein Punkt trennt die Reibe-Elf von der Abstiegszone

Pinneberg.  „Ruhe bewahren. Die Gemeinsamkeiten nicht verlieren.“ Am Tag nach der schlimmsten Saisonniederlage bemühte sich der sportliche Leiter Detlef Kebbe um moderate Töne und die üblichen Durchhalteparolen. Aber was wird aus den Oberliga-Fußballern des VfL Pinneberg? So, wie beim 1:5 (1:3) auswärts gegen den Tabellenletzten Hamburger SV III, kann es nicht weitergehen.

„Schenket ein, wir wollen alle besoffen sein“, sangen die HSV-Fans, die den VfL als „Absteiger“ verspotteten. Und ob die Pinneberger eingeschenkt bekamen. Ihr Trainer Thorben Reibe wandelte noch einige Zeit gedankenverloren über den Kunstrasen. Alles erst einmal sacken lassen. „Das Letzte, was wir wollen, ist, so einen verdienten Mann wie ihn infrage zu stellen“, betonte Kebbe. Für eine Trainerdiskussion sei es „viel zu früh“.

Ein Blick zurück in die Saison 2015/16: 13 Punkte in 17 Partien reichten damals dem ebenfalls verdienten Michael Fischer nicht, seiner Entlassung beim VfL am 4. Januar 2016 zu entgehen. Aktuelle Zwischenbilanz von Nachfolger Reibe, der mit dem Team den Klassenerhalt seinerzeit noch souverän schaffte: 17 Spiele, 13 Punkte. Die restlichen Heimbegegnungen mit dem FC Süderelbe und dem SC Condor werden möglicherweise zu ganz entscheidenden für den Itzehoer.

„Noch den einen oder anderen Punkt holen. In der Winterpause ganz von vorn anfangen“, so stellt sich Reibe die nahe Zukunft vor. Unter seiner Federführung war es zweimal so, dass die Pinneberger eine gute Rückrunde absolvierten. Zweifel sind aber angebracht, dass der aktuelle Kader erneut eine Steigerung hergibt. Kebbes Vorschlag im August, das Aufgebot nachzubessern, hatte Reibe abgelehnt. „Wir sind gut genug aufgestellt.“ Doch zurzeit enttäuschen die Spieler das ihnen entgegengebrachte Vertrauen. Reibe ringt mit den Worten. „Es war nicht so, dass der HSV überragend aufgespielt hat. Vielmehr leisten wir uns zu viele Fehler und sind andererseits nicht in der Lage, von den gegnerischen Patzern zu profitieren.“

Schwer wiegt offenbar der Verlust von gleich drei versierten Innenverteidigern (Zimmermann, Vollmer, Dirksen) und das Verletzungspech des Kjell Ellerbrock. Von Verständigung zwischen Arend Müller und Kapitän Fabian Knottnerus im Abwehrzentrum – das Herzstück – konnte keine Rede sein. Ein Pass in die Tiefe reichte, den VfL in der 9. Minute auszumanövrieren. Emre Yayar umkurvte Keeper Norman Baese und schoss das 1:0.

Ungestört durfte Jendrik Bauer in der 14. Minute in zentraler Position aus 16 Metern abziehen – 2:1. Dabei hatte Marcel Uitz zwischendurch doch ein Zeichen ausgesendet. Der Jungstürmer ließ nach seinem 1:1 (10./Flanke von Enis Ay) gar keinen großen Jubel zu, sondern rannte mit dem Ball unter dem Arm sofort zur Mittellinie. „Ein Punkt reicht nicht. Wir wollen hier gewinnen“, sollte das wohl heißen. Jeweils nach Aktionen von Ay vergab Luis Diaz (20., 25.) aber die Möglichkeiten, Wunsch und Wirklichkeit auf einen Nenner zu bringen.

Ein Schock, von dem sich die Gäste nicht mehr erholten, war das 1:3 von Michael Ulbricht per Kopf im Anschluss an einen Freistoß unmittelbar vor dem Seitenwechsel. Als Uitz in der 47. Minute einen Flachpass des eingewechselten Jephter Agyei Antwi haarscharf verpasste, war dies das letzte Lebenszeichen, das die Pinneberger von sich gaben. Nach einem Spaziergang auf der rechten Pinneberger Abwehrseite schoss Yasar den Ball in die rechte Ecke – 4:1 (65.). Es passte ins Bild, dass Anführer Jan-Henrik Kaetow völlig abtauchte und den Ball nach einem Eckstoß das eigene Tor ablenkte – 5:1 (76.).

In der ersten Halbzeit am Spielfeldrand noch überaus aktiv, verfolgte Reibe das Unheil in sich zusammengesunken auf der Bank. „Dies ist die charakterstärkste Mannschaft, für die ich je gespielt habe“, hatte sich Arend Müller nach dem 2:2 am 22. Oktober in Wedel gefreut. Was nun dringend zu beweisen wäre...

Tore: 1:0 Yasar (9.), 1:1 Uitz (10.), 2:1 Bauer (14.), 3:1 Ulbricht (45.), 4:1 Yasar (65.), 5:1 Kaetow (76./ET).
Schiedsrichter: Jürgensen (Eintr. Norderstedt).
Zuschauer: 100. Unterhaltungswert: niedrig.
VfL Pinneberg: Baese – Zaman, A. Müller, Knottnerus, D. Diaz – Kulicke (46. Borck), Dora – Ay (77. Werning), Kaetow, L. Diaz (46. Agyei Antwi) – Uitz.