Pinneberg
Handball

Serie soll weitergehen, doch was sind die vier Siege wert?

Foto: Ulrich Stückler

Handball-Oberligist TSV Ellerbek spielt bei Tabellennachbar HSG Schülp/Westerrönfeld. Coach Tobias Skerka spricht über sein Team

Ellerbek.  Wie stark sind die Oberliga-Handballer des TSV Ellerbek? Das Männerteam von Coach Tobias Skerka hat in den ersten Partien nach dem Aufstieg in die höchste Spielklasse der Landesverbände Hamburg und Schleswig-Holstein Lehrgeld gezahlt. Doch nach den Auftaktpleiten gegen die SG Hamburg-Nord (21:24) und den MTV Herzhorn (22:23) wendete sich das Blatt. Mit HSG Mönkeberg-Schönkirchen (33:32), VfL Bad Schwartau II (26:24), TSV Hürup (27:21) und TuS Aumühle-Wohltorf (29:20) wurden vier Gegner in Folge geschlagen, gelang der Sprung auf Platz vier (8:4 Punkte).

Nun will der TSV am Sonnabend, 16.45 Uhr, bei der HSG Schülp/Westerrönfeld/Rendsburg (5./6:4) den fünften Sieg in Folge einfahren. Es ist auch die Chance, ein Bild der eigenen Leistungsstärke zu erhalten. Das Hamburger Abendblatt sprach mit Trainer Skerka über sein Team, das er zu dieser Saison neu übernommen hat.

Herr Skerka, laut Tabelle ist das Match am Sonnabend ein Duell auf Augenhöhe. Nach dem Kantersieg in Aumühle mit Vorteilen für Ihr Team?

Tobias Skerka: Aumühle-Wohltorf hat sehr wohl seine Qualität, und eine Woche zuvor der TSV Hürup erst recht. Aber die kommenden Gegner und jetzt zuerst die HSG sind da doch ein anderes Kaliber. Westerrönfeld hat mit einer bestrittenen Partie weniger als wir eine doch fast identische Torbilanz. Das spricht für sowohl eine starke Offensive wie auch Abwehr. Wir fahren mit Respekt zur HSG. Niemand kann dort mit der Erwartung antreten, ,einfach so’ die Punkte mitzunehmen.

Sind nicht sechs bestrittene Spiele und vier Siege in Folge ein verläss­licher Indikator für das eigene Leistungsvermögen?

In den Partien, die wir verloren haben, waren wir personell noch nicht vollständig. Die vier Siege aber haben wir unter anderem gegen zwei Mitaufsteiger geholt sowie gegen ein Team, das schon in der Vorsaison abstiegsgefährdet war. Jetzt aber haben wir alle Mann an Bord und spielen gegen einen Tabellennachbarn, der in der Vorsaison Siebter geworden ist. Das sollte schon ein brauchbarer Gradmesser sein.

Sie haben das Training vor rund fünf Monaten übernommen. Welches ist Ihrer Meinung nach die bislang deutlichste Entwicklung, die das Team seitdem aufweist?

Das ist für mich eindeutig die Abwehr. In den ersten zwei Monaten haben wir fast nur an unserem Defensivverhalten gearbeitet. Was das Wert ist, sieht man jetzt, wo alle wieder da sind. Nun greift ein Zahnrad in das andere; aus einzelnen Spielern ist ein funktionierender Abwehrverbund geworden.

Eine gute Abwehr wirft aber keine Tore...

Aber sie ist Ausgangspunkt für viele, wenn alles so läuft, wie ich mir unser Spiel vorstelle. In Aumühle haben wir die Gastgeber mit der Defensive vor große Probleme gestellt und konnten viele Gegenstöße laufen. Und ich wünsche mir, dass wir die Zahl an Gegenstoßtreffern noch weiter steigern.

Aber ein Handballspiel besteht nicht nur aus Abwehr und Sprint.

Im Positionsangriff halten wir uns strikt an unser Spielkonzept mit zahlreichen einstudierten Varianten. Es ist sehr wichtig, dass wir einen strukturierten Angriff beibehalten. Auch, damit unsere jungen Spieler in Drucksituationen nicht davon abhängig sind, dass einer von ihnen nun genau in dem speziellen Moment die richtige kreative Idee hat.

Und erkennen Sie diesen Wunsch durch ihr Team bereits umgesetzt?

In unseren letzten Spielen haben wir im Angriff sehr strukturiert agiert. Als Konsequenz daraus haben wir kaum noch Gegentore durch diese ärgerlichen, einfachen Ballverluste hinnehmen müssen.

Dabei haben Sie – auch auf Schlüsselpositionen – doch ein teilweise sehr junges Team. Wie kommt da Ruhe rein?

Es ist insgesamt ein guter Mix aus jung und erfahren. Die Mannschaft als Verbund ist schon so gereift, dass sie sich auch selbstkritisch beobachtet. Zum Beispiel nach unserem eigentlich überzeugenden Sieg in Aumühle haben sich die Spieler selber angekreidet, dass wir uns in den letzten fünf Minuten zu viele unkonzentrierte Aktionen geleistet haben. Das ist ein gutes Zeichen, dass sich die Mannschaft eigenständig negativen Tendenzen entgegenstellt.

Heißt das, Sie brauchen fürs Team nicht den klassischen Leithengst auf dem Feld?

Es gibt schon Führungspersönlichkeiten. Aber im Spiel will ich niemanden auf eine Rolle festlegen; ich lasse zum Beispiel im Rückraum fast jeden Akteur auch die Mittelposition trainieren. Das ergibt für unseren Spielaufbau noch mehr Variationsmöglichkeiten. Es ist aber klar, dass unsere Entwicklung noch weitergehen muss.