Pinneberg
American Football

Fighting Pirates siegen mit Rekordergebnis

Laufen, Fangen, Blocken – Tight End Phillip Ehlers ist für die Elmshorn Fighting Pirates eine Allzweckwaffe. Der 22-Jährige bleibt zwar gegen Hannover ohne Score, erzielt aber rund 100 Yards Raumgewinn und forciert einen

Laufen, Fangen, Blocken – Tight End Phillip Ehlers ist für die Elmshorn Fighting Pirates eine Allzweckwaffe. Der 22-Jährige bleibt zwar gegen Hannover ohne Score, erzielt aber rund 100 Yards Raumgewinn und forciert einen

Foto: Ulrich Stückler

Regionalliga-Footballer benötigen beim 70:7-Erfolg gegen die Arminia Spartans eine kurze Anlaufphase. Dann punkten sie nach Belieben...

Elmshorn.  70 Punkte? Das ist doch ein neuer Mannschaftsrekord? Jörn Maier, Trainer der Regionalliga-Footballer der Elmshorn Fighting Pirates, stand nach dem überdeutlichen
70:7 (7:7/28:0/14:0/21:0)-Heimsieg seiner Freibeuter über die Arminia Spartans aus Hannover im positiven Sinne ratlos auf dem Rasen des Krückaustadions, als er mit dieser Frage konfrontiert wurde. „Ob diese 70 Punkte unsere Bestleistung sind, das kann ich nicht sicher beantworten“, sagte der Coach, während sein Team sich bei den über 800 Fans auf der Tribüne bedankte und auch verdienten Applaus abholte. „Aber ich weiß zumindest, dass wir noch nie zuvor gegen einen Gegner in nur drei Vierteln mit 63:0 gewonnen haben.“

Maier war mit dem Auftritt zufrieden („Ich finde beim besten Willen kein Haar in der Suppe; ich habe nichts zu kritisieren.“), zumal sich die Gäste im ersten Spielabschnitt überhaupt nicht als so schwach erwiesen, wie es ihr letzter Tabellenplatz vermuten ließ. Das 7:7 nach Touchdowns von Elmshorns Johannes Jermies, der im ersten Angriff einen präzisen 15-Yard-Pass von Quarterback Guillermo Serrano verwertete, sowie dem Hannoveraner Score durch Jan Grünheit, entsprach bei zwar erkennbaren Vorteilen für die Pirates doch den gezeigten Leistungen.

Aber gleich zwei „Brustlöser“ brachen früh im nächsten Spielabschnitt die Partie zu Gunsten der Hausherren auf. Zuerst ein Kuriosum: Sören Becker hatte aus 40 Yards Distanz ein Fieldgoal zu kicken versucht. Den zu kurz geschossenen Ball fing der Spartaner Arne Peiffer in der Endzone und wollte nach kurzem Zögern die Elmshorner Endzone ansteuern. Ein Fehler. Im Nu wurde der Hannoveraner zum Gejagten. Nach endlos erscheinenden Sekunden und vergeblichem Hakenschlagen gelang es Tight End Phillip Ehlers, den Ball freizuschlagen; eine Sekunde später warf sich Defense-Boss Chris Beaulaurier auf das Leder-Ei, sicherte es für Elmshorn und erzielte seinen ersten Touchdown – 14:7.

Hannover gab nicht auf, begann eine gute Angriffssequenz und näherte sich bedrohlich der Elmshorner Endzone. Doch ein langer Pass landete in den Händen der Verteidiger. 90 Sekunden später erhöhte Quarterback Serrano per Lauf zum 21:7. Von nun an hatten nur die Fighting Pirates auf dem Rasen etwas zu melden. Kaum ein Offensivspielzug, der nicht durch Raumgewinn belohnt wurde. Läufe durch den agilen US-Amerikaner Cody Coleman, Serrano, Nico Nowak oder Sascha Schlegel stellten die Gäste vor ebenso unlösbare Probleme, wie die Pässe von Serrano auf eine Vielzahl von Abnehmern.

Einer dieser dankbaren Pass­empfänger ist Phillip Ehlers. Mit rund 100 Yards Raumgewinn gegen Hannover sowie zahlreichen wichtigen Aktionen neben dem forcierten Fumble vor dem 14:7 ein Schlüsselspieler der Pirates. Aber an einem Tag ohne eigenen Touchdown taucht er nicht auf der Scorerliste auf. „Das stört mich nicht. Ich spiele schließlich nicht für Punkte sondern für die Mannschaft“, sagte der 22-Jährige, der noch bis Monatsende in Kiel studiert und im zweiten Halbjahr in den gehobenen Dienst der Polizei eintreten will.

Das Elmshorner „Urgestein“ hatte als Zwölfjähriger durch einen Freund den Weg zum kontaktlosen Flag-Football gefunden. „Aber als es dann zum Tackle-Football überging, war das prima. Diese Art von legalem Kraftbeweis in einem spielerischen Rahmen gefällt mir“, sagte der 2,03 Meter große Hüne, der mittlerweile die 100-Kilogramm-Marke nur noch knapp überschreitet. „Vor wenigen Jahren habe ich noch 130 Kilo gewogen und in der Offense Line gespielt. Dies ist mein erstes Jahr als Tight End – und das klappt sehr gut. Außerdem ist meine Kondition seitdem viel besser geworden.“ Eine Entwicklung, die auch sein Positionscoach Stefan Roth erfreut zur Kenntnis nimmt. „Als Jugendlicher hat er ja schon in der Landesauswahl mitgespielt. Er ist so wichtig, dass wir ihn nicht abgeben werde – außer vielleicht ans Nationalteam. Aber das wäre ja nur geliehen...“