Pinneberg
Baseball

Wenn das Schnupfenmittel zum Doping wird

Doping kann sich überall verbergen. Eine Handy-App hilft den Baseballern, sich an den Nada-Codex zu halten

Doping kann sich überall verbergen. Eine Handy-App hilft den Baseballern, sich an den Nada-Codex zu halten

Foto: Ulrich Stückler

Die Holm Westend 69ers müssen nach dem Aufstieg in die 2. Liga Wichtiges beachten. Die Anti Doping Agentur hat sie jetzt im Visier

Holm/Elmshorn.  Für die Baseballer der Holm Westend 69ers hat sich etwas im Vergleich zur vorangegangenen Spielzeit in der Regionalliga Nord komplett geändert. Jemand schaut den Holmern im wahrsten Sinne des Wortes auf die Finger, damit sie neben dem Bemühen, ihr Bestes zu geben, nicht auch noch versuchen, das Menschen­mögliche aus sich herauszuholen. Mit ihrem Sprung in die 2. Bundesliga Nord sind die 69ers in den Fokus der Nationalen Anti Doping Agentur (Nada) geraten.

Am kommenden Sonnabend wollen die Holmer im Alligators Ballpark von Elmshorn ihren zweiten Saisonerfolg einfahren. Um 13 und 16.30 Uhr gegen die Bremen Dockers werden sich die Spieler von Coach Christian Opitz nach dem 6:1-Auftaktsieg bei den Hamburg Knights sowie drei Niederlagen (3:4 gegen die Knights sowie 5:6/1:9 gegen die Hamburg Marines) wieder voll reinhängen – und dies nachweislich sauber.

Leistungsfördernde Substanzen im Organismus stellen ein Dopingvergehen dar und ziehen Sperren von bis zu zwei Jahren nach sich. Dabei bedarf es gar nicht eines Vorsatzes zum Betrug, um sich eines solchen Vergehens schuldig zu machen. Im Gegenteil. Der Löwenanteil aller Leistungssportler und damit auch der hochklassigen Baseballer ist sauber, will doch einfach nur seinen Sport bestmöglich bestreiten. Aber die Gefahr lauert ganz unscheinbar im heimischen Medizinschrank.

Eine aufziehende Grippe? Schmerzen in Kreuz, Schulter oder Bein? Eine dichte Nase? Der bislang so sorglose Griff zu Schmerzmittel, Fiebersenker oder Nasentropfen kann plötzlich der ungewollte Schritt in die Illegalität sein. „Wir haben jedem Spieler vor Saisonbeginn eine Mappe ausgehändigt, in der die Nada-Regularien sowie ein Katalog der verbotenen Substanzen enthalten sind. Jeder Spieler musste unterschreiben, sich an die Nada-Regeln zu halten“, sagt André Schriever.

Der Baseball-Abteilungsleiter der Holmer weiß um die Schwierigkeiten, nicht versehentlich in die Dopingfalle zu tappen. Schließlich benutzt ja wohl jeder gelegentlich verschreibungsfreie Arzneien. „Und damit es keine Zweifel darüber gibt, ob ein bislang bewährtes Mittel nicht plötzlich illegal ist, hat die Nada fürs Smartphone eine einfache App entwickelt“, sagt Schriever. „Jeder von uns hat sie heruntergeladen und kann auf die Schnelle auch unterwegs prüfen, ob eine Tablette, ein Spray oder Tropfen problematisch sind. Das heißt aber auch: Jeder Spieler handelt in Sachen Einhaltung der Nada-Regeln absolut eigenverantwortlich.“

Für Holms Pitcher-Neuzugang Frank Röpke (46) nichts Ungewöhnliches. „Ich habe 2001 bei den Alligators in der 1. Bundesliga gespielt, später auch 2. Liga – von daher bin ich die Vorsicht gewöhnt“, sagt der Routinier. „Ich komme zwar jetzt ins Alter, wo es auch schon mal hier und da zwackt, aber ich nehme ohnehin selten Medikamente. Muskuläre Probleme versuche ich zum Beispiel lieber übers Dehnen oder Gymnastik in den Griff zu bekommen. Aber ich weiß von Mitsportlern, die beim Arztbesuch auf die Dopingproblematik hingewiesen haben und deren Arzt dann nochmal die Behandlung verändert hat, um nichts zu riskieren.“

Eine Umsicht, in der Eva Bunthoff, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit bei der Nada, die Holmer und alle anderen Zweitliga-Baseballer nur bestätigen kann. „Wir führen zwar Wettkampfkontrollen bislang nur in der 1. Liga durch, aber wir behalten uns jederzeit einen Besuch beim Training vor. Insbesondere, wenn es Hinweise oder konkrete Verdachtsmomente gibt, werden wir ohnehin unverzüglich tätig.“