Pinneberg
Floorball

Blau-Weiß 96 feiert den Aufstieg vor Rekord-Kulisse

Der Jubel nach dem Sieg spricht Bände. Der Aufstieg in die 1. Bundesliga ist der größte Erfolg für die Floorball-Sportler von Blau-Weiß 96

Der Jubel nach dem Sieg spricht Bände. Der Aufstieg in die 1. Bundesliga ist der größte Erfolg für die Floorball-Sportler von Blau-Weiß 96

Foto: Michael Stemmer

Schenefelds Floorballer besiegen DHfK Leipzig vor rund 400 Fans mit 10:5. Sie sind Schleswig-Holsteins erstes Team in der Bundesliga

Schenefeld.  Wie schnell Träume doch wahr werden können. Nur elf Jahre ist es her, dass zum ersten Mal bei Blau-Weiß 96 Schenefeld Kindergarten- und Grundschulkinder beim Schnuppertraining Kontakt zum Floorball – damals Unihockey genannt – aufnahmen. Jetzt, im April 2017, ist es in der Sporthalle Achter de Weiden soweit: Der Verein aus der Nachbar­gemeinde von Hamburg beschert dem Kreis Pinneberg endlich einen Bundesligisten in einem Erwachsenen-Mannschaftssport.

Fast 400 Fans, Angehörige, Vereinsmitglieder oder auch einfach nur durch die ausgehängten Plakate neugierig gewordene Erstbesucher sind gekommen, um ihrem Team im Aufstiegsrunden-Finalrückspiel gegen die Männer des SC DHfK Leipzig beizustehen. Die Ausgangslage: Nach dem 8:0-Hinspielererfolg genügt den Blau-Weißen ein weiterer Erfolg, um den Sprung in die höchste nationale Spielklasse zu schaffen. Eine Niederlage hingegen würde ein Entscheidungsspiel gleich tags darauf herbeibeschwören. Ein Unsicherheitsfaktor, auf den keiner der Beteiligten Lust hat. Spieler und Anhang bringen auf Feld und Tribüne vollen Einsatz.

Mit der Schlusssekunde des Auftakt-Drittels schäumt die Stimmung auf der Tribüne ein erstes Mal über. 2:1 steht es für die Hausherren, die nach dem frühen 2:0 die Gäste ins Spiel und auch zum Anschlusstreffer kommen lassen. Erst eine 5:3-Überzahl bringt den nötigen Freiraum für Hauke Dentzin; der beste Blau-Weiße des Tages nimmt Maß, zieht aus acht Metern ab und erhöht mit der Pausensirene zum 3:1. Der Jubel auf den proppenvoll besetzten Rängen ist auch auf der Straße zu hören.

„Eigentlich hatten wir nach dem Hinspiel nun speziell Flachschüsse geübt“, sagt Hauke Dentzin nach der Partie mit Blick auf den hoch rechts eingeschlagenen Ball, „doch im Nachhinein betrachtet sind es ohnehin nur zum Teil unsere eigenen Schüsse, die uns den Sieg beschert haben. Wir sind breit aufgestellt, können oft und ohne Leistungseinbruch durchwechseln.“

Teamkollege Jan-Ole Villwock bemüht eine oft bestätigte Binsenweisheit, um neben Schussqualität und Ausgeglichenheit die dritte Stärke der Blau-Weißen zu nennen: „Offensive gewinnt zwar Spiele, aber Meisterschaften gewinnst du durch deine Abwehr.“ Als Beleg führt Villwock die beeindruckende Play-off-Statistik der Schenefelder an. In vier Partien blieben die Aufsteiger gleich zweimal ohne Gegentor. Auf diesem Niveau im Floorball schon eine Seltenheit.

Doch wie im Ursprungssport Eishockey ist auch im Floorball permanente, volle Konzentration nötig, sonst wendet sich das Blatt im Handumdrehen. So nutzen die Gäste eine Phase des Dahinplätscherns sofort zum Ausgleich früh im Mitteldrittel. Und wer weiß, welchen Impuls es für Leipzig gebracht hätte, wäre nicht BW-Keeper Bennet Druminski drei Minuten später mit einer Glanzparade im Duell eins-gegen-eins zur Stelle. Die Zuschauer toben. Der Weckruf für Schenefeld, das nun wieder die Regie übernimmt und knapp fünf Minuten bis zur erneuten Führung, wieder durch Dentzin, benötigt.

Dann der Schockmoment, der das Pendel endgültig zugunsten der Hausherren ausschlagen lässt. Leipzigs auffälligster Akteur Niclas Kujat wird von Teamkameraden in der 38. Minute an die Seite geführt. Eine alte Verletzung scheint aufgebrochen, eine Rettungswagen-Besatzung bringt den DHfK-Kapitän mit einer bewegungsvermeidenden Schaufeltrage in die Klinik.

Von dem Verlust erholen sich die Gäste im Schlussdrittel nicht mehr. Blau-Weiß wirbelt, Hauke Dentzin erhöht sein Torkonto auf vier Treffer, BW-Kapitän Lasse Schmidt setzt in der 58. Minute den Schlusspunkt zum 10:5. Dann ungezügelte Freude und Jubelszenen nach der Schlusssirene. Weniger emotional, aber voller Anerkennung ordnet Verbandspräsident Jan Hoffmann bei der Siegerehrung den Erfolg der Blau-Weißen ein. „Das ist das erste schleswig-holsteinische Team, das den Sprung in die 1. Bundesliga schafft. Meinen Glückwunsch!“

Tore, 1. Drittel: 1:0 Daniel Czapelka (1:26 Min.), 2:0 Benedikt Friedrich (3:05), 2:1 Niclas Kujat (10:09), 3:1 Hauke Dentzin (20:00). 2. Drittel: 3:2 Christian Hollmichel (2:29), 3:3 N. Kujat (5:39), 4:3 D. Czapelka (13:50). 3. Drittel: 5:3, 6:3 H. Dentzin (3:10, 4:33), 7:3 Justus Karnath (5:35), 8:3 H. Dentzin (8:31), 8:4 C. Hollmichel (9:53), 9:4 Marius Schwarz (10:32), 9:5 Lukas Richter (11:22), 10:5 Lasse Schmidt (17:57).