Pinneberg
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Vom Elfmeter-Pechvogel zum Matchwinner in letzter Sekunde

Hier sind sie noch in der Freude übers 1:0 vereint: Eric Agyemang (l.) muss später mit Gelb-Rot vom Feld (61.); Jan Eggers erzielt mit der letzten Aktion der Partie das 2:1-Siegtor

Foto: Meincke Kalle

Hier sind sie noch in der Freude übers 1:0 vereint: Eric Agyemang (l.) muss später mit Gelb-Rot vom Feld (61.); Jan Eggers erzielt mit der letzten Aktion der Partie das 2:1-Siegtor

Beim 2:1-Heimsieg des Wedeler TSV über den FC Süderelbe macht Jan Eggers nach vergebenem Strafstoß quasi mit dem Abpfiff das Siegtor

Wedel.  Der Krampf in seinem linken Bein, den sich Jan Eggers bei seinem Torjubel einhandelte, löste sich nach kurzer Zeit. Die Fußballer des Wedeler TSV lösen sich in der Oberliga von der Gefahrenzone. Mit seinem Siegtreffer in der dritten Minute der Nachspielzeit zum 2:1 (1:0) gegen den FC Süderelbe hat Eggers der ereignisreichen Schlussphase im Elbestadion die Krone aufgesetzt. WTSV-Vorstand Thorsten Zessin freute sich über den dritten aufeinanderfolgenden Sieg und einen "Riesenschritt" nach vorn.

Begriffe wie "Versager" und "Held" sind übertrieben. Aber es war schon so, dass Wedels Spielgestalter Jan Eggers binnen sieben Minuten zwischen den beiden Extremen wandelte. Das sportliche Drama begann in der 87. Minute damit, dass Mark Hinze mit einem Gegenspieler kollidierte und Schiedsrichter Alexander Teuscher sehr zum Unwillen der wütenden Hausbrucher Akteure auf den Kreidepunkt deutete. "Diesen Strafstoß hätte nicht jeder gepfiffen", räumte Thorsten Zessin ein. Eggers "verlud" Keeper Dennis Lohmann und schoss den Ball in die Mitte des Tores – Treffer.

Dann waren es die Wedeler, die ungläubige Blicke mit dem Unparteiischen austauschten. Teuscher ließ Eggers ein zweites Mal antreten, weil sich der Wedeler Furkan Pinarlik bei der Ausführung zu früh in den Strafraum hinbewegt hatte. Eggers wählte die rechte Ecke. Da lag aber schon Lohmann, der den Ball zur Seite abwehrte. Der Schütze senkte den Kopf. Plötzlich war Lohmann, dem in der zweiten Minute der nasse Ball nach einer Aktion von Eric Agyemang entglitten war und der so Mark Hinze das 1:0 ermöglichte, der gefeierte Mann.

Das änderte sich noch. Teuscher wollte schon die Pfeife zum Mund führen, als Marlo Steinecke den Ball an die 16-Meter-Linie schlug. Christian Najarr, wie Pinarlik eingewechselt, sah Jan Eggers in vollem Tempo heran rauschen. Von der Strafraumgrenze riskierte Eggers einen Dropkick. Der Ball schlug unten links ein. Auf Knien rutschte der Torschütze den Zuschauern entgegen. Dann türmte sich ein Berg an Leibern über ihm auf. In den Jubel hinein ertönte der Abpfiff. "Das Matchglück ist zu uns zurückgekehrt", sagte Thorsten Zessin.

Auf Kunstrasen wäre Lohmann der Fehler vor dem 0:1 Zessins Ansicht nach nicht passiert. Trotz des Regens war es aber kein Thema, die Partie auf den Kunststoff-Teppich an der Schulauerstraße zu verlegen. Auf Kunstrasen wäre Eric Agyemang aber möglicherweise auch die Gelb-Rote Karte erspart geblieben, die er sich einhandelte, als er in der 61. Minute in einen Gegenspieler rutschte. In Unterzahl ging es offenbar nur noch darum, den Vorsprung zu halten, wie die Einwechslung des defensiven Christian Najarr für den offensiven Marcus Richter zeigte.

Es lief auf ein Unentschieden hinaus, als Christoph Kohpeiss in der 81. Minute ein Strafraumdurcheinander zum Ausgleich nutzte. Doch die Wedeler verschanzten sich nicht, auch nicht mit einem Mann weniger. Was sich die restlichen Minuten abspielte, das umschrieb Thorsten Zessin mit einem Wort. "Gigantisch." Vor der Winterpause mehrfach in der Schlussphase ausgeknockt, erzielen die Wedeler jetzt selbst die Lastminute-Treffer. Thorsten Zessin nennt auch die Namen von Keeper Stefan Steen und Mann­decker Christopher Eibl. "Seitdem sie mitwirken, steht die Defensive viel sattelfester."

Tore: 1:0 Hinze (2.), 1:1 Kohpeiss (81.), 2:1 Jan Eggers (90.+3). Zuschauer: 100.
Gelb-Rot: Agyemang (Wedel/61.); Schiedsrichter: Teuscher (SC Eilbek); Unterhaltungswert: mittel bis hoch.
Wedeler TSV: Steen – Jorma Eggers, Sabas, Eibl, Hayran – Steinecke – Ebbecke (65. Pinarlik), Jan Eggers, Hinze (88. Yayla), Richter (77. Najarr) – Agyemang.

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