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Die SVHR zieht ins Pokal-Viertelfinale ein

Es ging hoch her an der Snitgerreihe: H amms Oliver Kunkel trat gegen den am Boden liegenden  HR-Torwart Mirko Oest nach. Dieser revanchierte sich mit einem Schubser

Es ging hoch her an der Snitgerreihe: H amms Oliver Kunkel trat gegen den am Boden liegenden HR-Torwart Mirko Oest nach. Dieser revanchierte sich mit einem Schubser

Foto: Johannes Speckner / HA

Oberligist besiegt auswärts den Landesligisten Hamm United knapp mit 1:0. Robert Hermanowicz erzielt Siegtor drei Minuten vor dem Ende.

Halstenbek.  Immer dienstags und donnerstags, wenn er bei seinem langjährigen Arbeitgeber VW Ahlfeld in Schenefeld aushilft, hatte Clubpräsident Hans Jürgen Stammer seinen Kollegen Robert Hermanowicz ermuntert. „Gib dir einen Ruck. Wir brauchen dich.“

Vergangene Woche absolvierte Ex-Manager Hermanowicz (28), der aus beruflichen und privaten Gründen als Spieler der SV Halstenbek-Rellingen kürzertritt, seine einzige Trainingseinheit bisher in diesem Jahr. Im Oddset-Pokalspiel auswärts gegen Hamm United köpfte er in der 87. Minute das entscheidende 1:0.

„Robert ist unser Goldjunge“, jubelte Stammer. Der Einzug in die Runde der letzten acht Teams spülte den Halstenbeker Oberliga-Fußballern eine erste Prämie von 1000 Euro in die Kasse. Stammer wünscht sich ein Heimspiel und einen Gegner mit Zugkraft im Viertelfinale: „Am liebsten Altona 93, auch der TuS Osdorf wäre nicht schlecht.“ Die Auslosung erfolgt am kommenden Montag, 6. März, um 18.30 Uhr im Rewe-Center der Ex-Profis Holger Stanislawski und Alexander Laas (Hamburg, Dorotheenstraße). Auch Eintracht Norderstedt (Regionalliga) sowie die Oberliga-Schwergewichte WTSV Concordia, TuS Dassendorf und HSV Barmbek-Uhlenhorst sind noch im Topf. Dann doch lieber ein Gastspiel beim Landesligadritten Dersimspor (Hansa-Staffel)?

„Jeder Gegner, der jetzt kommt, ist schwer“, sagt Stammer. Als ob die Aufgabe auf dem Kunstrasen an der Snitgerreihe nicht unangenehm genug gewesen wäre. Die starke Leistung der in allen Bereichen mindestens ebenbürtigen Gastgeber warf die Frage auf, weshalb die Hammer Mannschaft in der Hansa-Staffel nur auf dem zwölften Platz rangiert.

Der Halstenbeker Co-Trainer Matthias Reincke, in urlaubsbedingter Abwesenheit von Chefcoach Thomas Bliemeister der Alleinverantwortliche an der Seitenlinie, ahnte es nach einer Stunde Spielzeit. „Diese Partie wird vermutlich durch einen Standard entschieden.“ So war es. Christian Okafor scheiterte mit seinem Schussversuch. Niklas Siebert schlug den fälligen Eckball von rechts auf den hinteren Pfosten. Hermanowicz stand kerzengerade in der Luft. Sein Kopfball rauschte an einem Verteidiger vorbei ins Netz. Dann kannte der Jubel keine Grenzen mehr.

HR musste auf zahlreiche Leistungsträger verzichten

Sogar die verletzten oder nicht spielberechtigten HR-Akteure rasten zum Pulk, um den Torschützen unter sich zu begraben. Das waren an diesem Abend nicht wenige. Matthias Reincke musste ohne Sturm-Ass Tim Jeske (Meniskusbeschwerden, drei bis vier Wochen Pause), Caner Arda, Yakup Telli, Adrian Ghadimi, Sergio Batista (alle verletzt), Adulai Seidi (gesundheitlich angeschlagen), Fabian Rußbüldt und Habib Zagre (im Oddset-Pokal für HR nicht spielberechtigt) verzichten. Auf der Bank hielten sich A-Junioren (Nyl De Breme Doegl, Alexander Hamelau) einsatzbereit. Und vor allem: „Was ist mit Benni?“ Lehramtsanwärter Benjamin Brameier fuhr wegen eines Elternabends in Uelzen erst eine Stunde nach dem Anpfiff am Sportplatz vor. HR-Manager Oliver Berndt übernahm sofort das Steuer und lenkte Brameiers Audi zu einem Parkplatz in einer Seitenstraße. Bloß keine Zeit verlieren. Doch dann war es nach seiner Einwechselung nicht der unverzichtbare „Sechser“, der den entscheidenden Impuls gab. Das war Keeper Mirko Oest, der in der 59. Minute den keineswegs schlecht geschossenen Foulelfmeter von Daniel Weber bravourös entschärfte, nachdem Dennis Ghadimi in die Beine eines Gegenspielers gerutscht war.

Die Verlängerung zeichnete sich ab, zumal sich HR-Mittelfeldspieler Sascha Richert wegen Ballwegschlagens die Gelb-Rote Karte einhandelte. Es blieb nicht bei Richerts Kommentar in Richtung des Schiedsrichters: „Ist das dein Ernst?“ Übelste Beleidigungen wurden ausgetauscht, als sich Artur Hoppe zu einem schweren Foul am cleveren Ümit Karakya hinreißen ließ und deshalb die Rote Karte sah. Dann freuten sich alle nur noch mit Robert Hermanowicz, der den verletzten Innenverteidiger Vincent Ermisch ersetzt hatte, sich allerdings überwiegend im Angriff tummelte und ein bisschen mehr Trainingsfleiß in Aussicht stellte: „Wenn ich es irgendwie einrichten kann, bin ich in Zukunft häufiger dabei. “

Tor: Hermanowicz (87.). Rote Karte: Hoppe (Hamm/90.+2). Gelb-Rote Karte: Richert (HR/75.). Schiedsrichter: Mayer-Lindenberg (Harburger TB). Zuschauer: 90 - Unterhaltungswert: mittel. SV Halstenbek-Rellingen: Oest – Dennis Ghadimi, Ermisch (46. Hermanowicz), Krabbes, Sottorf – Schöttke, Karakaya – Okafor, Richert, Siebert – Behrami (62. Brameier).