Pinneberg
Fussball

Ein Werder-Fan im Revier des Hamburger SV

Werder-Fan Jörg Steinkamp hat auch ohne Besuch beim Spiel des Jahres eine Vielzahl Andenken angehäuft

Werder-Fan Jörg Steinkamp hat auch ohne Besuch beim Spiel des Jahres eine Vielzahl Andenken angehäuft

Foto: Ulrich Stückler

Der Quickborner Familienvater Jörg Steinkamp ist Anhänger der Bremer. Er leitet den einzigen Fanclub des Fußball-Bundesligisten im Kreis

Quickborn.  Es ist windstill über dem schmucken Haus von Jörg Steinkamp. Ohne die typische norddeutsche Brise hängt das grün-weiße Stück Tuch über dem Carport des 53-Jährigen Quickborners schlapp herunter.

Dieser Tage im Vorfeld des Nordderby-Klassikers in der Fußball-Bundesliga vielleicht sogar ein günstiger Umstand: Die wehende Fahne des SV Werder Bremen kann so vor dem Antritt des Clubs von der Weser an diesem Sonnabend beim HSV im Volksparkstadion kaum zum Stein des Anstoßes werden.

Der am Rehazentrum Pinneberg tätige Steinkamp hat es nämlich nicht immer leicht, wenn seine Fußball-Leidenschaft auch noch per wehendem Banner offenkundig für sich Werbung macht; schließlich leitet der studierte Sportwissenschaftler mit „Grün-Weiße Nordmänners“ den einzigen Werder-Bremen-Fanclub im Kreis Pinneberg. Ähnlich dem kleinen gallischen Dorf von Comic-Held Asterix, das von Römern umzingelt war, lebt auch Familienvater Jörg Steinkamp im „Feindesland“ – sein Domizil ist umgeben von Anhängern des HSV.

„Ich habe hier aber keinen wirklich schweren Stand, unsere Nachbarschaft ist sehr gut. Doch als Werderfan im Umland von Hamburg erntest du halt immer mal schnippische Bemerkungen“, sagt Steinkamp. Allerdings hat sich der begeisterte Surfer in dieser Saison bislang nicht viel anhören müssen. „Das ist wohl in den unerfreulichen Tabellenständen begründet. Irgendwie hat kein Fanlager eine Position, von der aus auf den anderen Club herabzusehen wäre.“

Was den gebürtigen Bremer – womit sein grün-weißes Herz erklärt wäre – zurzeit mehr nervt als mögliche Wortgefecht mit HSV-Anhängern, ist der Umstand, dass er das Spiel des Jahres nicht so genießen kann, wie er gerne würde. Das wäre indes nicht, wie man meinen könnte, vor Ort im Volkspark. „Der Stadionbesuch stand nie zur Debatte. Das ist nicht mehr feierlich, welche Preise selbst für Gästefans aufgerufen werden“, sagt Steinkamp. „Aber da ich krankgeschrieben bin, fällt auch der Besuch einer Sportsbar aus, um mit Freunden und Clubmitgliedern das Spiel live zu sehen. Ich werde das Derby zu Hause am Radio verfolgen.“

Die wahre Bundesliga-Atmosphäre gibt es für Steinkamp, dessen Söhne Robert (26) und Johannes (23) sowie die zehn übrigen Clubmitglieder aus Halstenbek, Barmstedt, Elmshorn und Hamburg ohnehin nur im Weserstadion. „In der Ostkurve, wo die echten Fans sind.“

Dabei schlug das Herz des Werderanhängers, der 1997 aus Hamburg-Wellingsbüttel mit Familie nach Quickborn zog, anfangs gar nicht für den Fußball. „Als Jugendlicher war ich Leistungsschwimmer, aber dann hat mir mein Vater, als ich 15 war, einen Job im Weserstadion besorgt. Ich durfte mit meinem Bruder Oliver, der nun in Halifax in Kanada die Werderfahne hochhält, den Spielstand aktualisieren.“ Der Anfang als Werderfan war gemacht, doch fast 30 Jahre musste sich Steinkamp gedulden, ehe er eine Dauerkarte für die geliebte Ostkurve zugesprochen bekam. „Und die bleibt in der Familie; die geben wir nicht mehr her. Bei Werder Bremen herrscht einfach eine tolle Fankultur.“

Doch warum von der Dauerkarte für die Familie zum Fanclub? Die Antwort ist simpel: „Als ,Grün-Weiße Nordmänners‘ haben wir leichter Zugriff auf Karten für mögliche weitere Highlights wie zum Beispiel internationale Pokalspiele“, sagt Steinkamp. Er betont aber auch, dass er an einem schönen Sommertag immer lieber mit Ehefrau Gabriela an die See fahren und die Dauerkarte an einen der Söhne weiterreichen würde. Steinkamp: „Fußball gehört zwar zum Leben, aber er ist nicht das Leben.“