Pinneberg
Pferdesport

Der Parcours-Chef hat zum Springturnier angerichtet

Hella Jensen (14), Siegerin des Herbert-Blöcker-Gedenkturniers, mit Parcours-Bauer Fried Schwien (59) vom Landesverband Schleswig-Holstein

Hella Jensen (14), Siegerin des Herbert-Blöcker-Gedenkturniers, mit Parcours-Bauer Fried Schwien (59) vom Landesverband Schleswig-Holstein

Foto: Melanie Mallon

Fried Schwien ist der Mann in Elmshorn, der seit 25 Jahren für Vielseitigkeitsreiter Hindernisse aufbaut. Er weiß, worauf es ankommt

Elmshorn.  Die junge Reiterin Hella Jensen (14) aus Tetenhusen (Kreis Rendsburg) war begeistert über das, was Parcours-Chef Fried Schwien in Elmshorn aufgebaut hatte – und sie holte sich prompt den Sieg beim Turnier im Gedenken an den großen Elmshorner Vielseitigkeitsmeister Herbert Blöcker. Es war ein Wettbewerb, der Pferde und Reiter vor besondere Herausforderungen stellte.

Aus ganz Schleswig-Holstein und Niedersachsen machten sich Vielseitigkeitsreiter auf den Weg zum Holsteiner Verband der Pferdezüchter an der Westernstaße. Eine große Halle mit griffigem Boden; die Bedingungen beim Holsteiner Verband sind für Pferd und Reiter perfekt. „Von dieser Qualität haben wir zu wenig Hallen in Schleswig-Holstein“, sagt Mitveranstalterin Birte Thormählen vom Reitverein Elmshorn.

Offizieller Parcours-Chef vom Landesverband Schleswig-Holstein mit Sitz in Bad Segeberg ist Fried Schwien (59). Der Parcoursbauer hat 25 Jahre Erfahrung. Für die Vielseitigkeitsreiter kam Schwien mit großen und wuchtigen Hindernissen zur Fritz-Tiedemann-Halle. Die schweren und feststehenden unterschiedlichen Sprünge wurden mit Hilfe eines Gabelstaplers von vier kräftigen Männern aufgebaut. Zuvor hatte Schwien schon die Wege vermessen.

„Diese Hindernisse können wir nicht mal eben verschieben, da soll alles auf den Punkt sitzen. Wenn der Fall dann doch eintritt, kassiere ich genervte Blicke, dann ist Muskelkraft gefragt“, sagt Schwien. Ziel ist es, Vielseitigkeitsreitern zusätzliche Trainingsmöglichkeiten unter Turnierbedingungen zu geben und wettbewerbsfähiger zu werden. „Wir verzeichnen ein wachsendes Interesse und verbuchen in diesen Prüfungen in Elmshorn ein Plus von zwanzig Prozent“, sagt Schwien.

Alle Hindernisse hatten eine Höhe von bis zu einem Meter und waren unterschiedlich schwer zu überwinden. So ging es zum Beispiel über ein Entenhaus, einen Schweinerücken und über ein neues Eckhindernis. „Da haben viele Pferde geguckt, waren etwas abgelenkt und sind mit ihrem Reiter auch gerne dran vorbei gelaufen, die Fehlerquote war hier hoch“, sagt Schwien.

Die Vorbereitung ist für Vielseitigkeitsreiter viel zeitintensiver als bei Dressur- oder Springreitern, zudem diese Tiere im Sport drei Disziplinen beherrschen. Die vierbeinigen Athleten müssen sich für eine Dressur sowie für einen Spring- und Vielseitigkeitsparcours eignen. Die Schwierigkeit dabei ist, dass viele Athleten sich bei den feststehenden Hindernissen im Vielseitigkeitssport herüber gleiten lassen, was mit Stangenhindernissen nicht funktioniert. Das bedeutet, die Vierbeiner müssen ein Gespür für diese Sportart haben.

Zudem dauert eine Vielseitigkeitsprüfung immer drei Tage, um jede einzelne Disziplin zu absolvieren. „Die Vielseitigkeit wird daher auch als die Krone des Reitsports bezeichnet“, sagt Schwien. Junge Reiter hatten in kleineren Prüfungen die Möglichkeit, den Parcours vor Prüfungsbeginn mit dem Pferd an der Hand abzuschreiten. „Es ist eine Sicherheitsmaßnahme, damit es keine bösen Überraschungen zwischen Pferd und Reiter gibt“, sagt der gelernte Pferdewirtschaftsmeister. Das Teilnehmerfeld war spannend gemischt, die Jüngste war elf Jahre alt, die Älteste 55.

Die erfolgreichste Reiterin und diesjährige Siegerin Hella Jensen hatte sich schon 2015 den Landessieger-Titel in Bad Segeberg geholt. Allerdings reitet die amtierende erst elf Jahre alte Pony-Landesmeisterin Hanna Jensen dicht hinter ihrer Schwester mit ihrem braunen Pony Schmarks Mon Cherie und sicherte sich den fünften Platz.

Eine Neuerung hatte einen enormen Zulauf: das Springen der schweren Klasse S* (Hindernisse bis 1,45 Meter hoch). Die rege Beteiligung brachte die Planung für Thormählen komplett durcheinander, die Springprüfung der Klasse A** (bis 1,10 Meter hoch) musste auf den nächsten Tag verlegt werden. „Wir waren selbst überrascht, unsere Logistik passte nicht mehr, ansonsten hätten wir bis in die Nacht hier gesessen. Zum Wohle der Tiere und Reiter wurde umorganisiert“, sagt Thormählen. Der internationale Springreiter Rasmus Lüneburg vom Reitverein Uetersen reihte sich in dieser Prüfung auf Platz zwei hinter dem Finnen Niclas Aromaa vom Reitverein Neuengörs ein.

Der Olympische Vielseitigkeitsreiter Peter Jakob Thomsen, der ebenfalls bei Welt- und Europameisterschaften antrat, war eigens aus Lindewitt (Kreis Schleswig-Flensburg) angereist, um in Elmshorn mitzumischen. Mit Erfolg: Er sicherte sich auf seinem Holsteiner Fuchswallach Quaddro den vierten Platz. Insgesamt nahmen mehr als 400 Reiter an dem Turnier teil. „Über die große Resonanz freuen wir uns ganz besonders“, sagt Mitveranstalterin Birte Thormählen.

Nun schauen alle Reiter auf das nächste bevorstehende Hallenturnier am Wochenende in Friedrichshulde bei Sylva Kuhrt. Prüfungsbeginn ist bereits am heutigen Donnerstag um 8.30 Uhr.

Es ist die Königsdisziplinund besteht aus Dressur, Geländeritt und Parcoursspringen.

Vielseitigkeitsprüfungen werden seit 1926 ausgetragen und waren früher als Military-Reiten bekannt.

In Schleswig-Holstein sind in 380 Vereinen 3000 Buschreiter und 400 Aktive im Kreis Pinneberg registriert.

Die Prüfungen wurden im Laufe der vergangenen Jahrzehnte pferdefreundlicher gestaltet; statt 32 Kilometern sind Geländestrecken je nach Prüfungsart auf sieben Kilometer begrenzt.

Vier Klassen unterscheiden sich mit der Grundgeschwindigkeit, Länge des Parcours und Anzahl der Hindernisse.