Pinneberg
Volleyball

3:1 – VfL Pinneberg ist nach Favoritensturz im Aufwind

VfL-Zuspieler Max Voigt setzt Mittelblocker Stephan Radke gekonnt in Szene

VfL-Zuspieler Max Voigt setzt Mittelblocker Stephan Radke gekonnt in Szene

Foto: Ulrich Stückler

Drittligamänner spekulieren nach Auswärtssieg über Tabellenführer KMTV Kiel auf eine Top-Drei-Platzierung. Nächster Gegner ist der ETV

Pinneberg.  Eigentlich hätte sich Daniel Prade das Geld sparen können. Der Pinneberger Trainer hatte seinen Volleyballern vor dem richtungsweisenden Ligaspiel bei den KMTV Eagles in Kiel Pizza versprochen, wenn sie den Spitzenreiter nicht nur ärgern, sondern besiegen würden. Bereits in der letzten Saison hatte dieser Anreiz gegen die Eagles funktioniert.

Und auch dieses Mal gelang Pinnack – so der Eigenname der Volleyballer – die kleine Sensation; nach vier umkämpften Sätzen (17:25; 25:17; 22:25; 23:25) gingen die Gäste als knapper Sieger hervor. „Die Jungs hätten auch ohne mein Versprechen gewonnen“, ist sich der Coach im Nachhinein sicher. Schon beim Warmmachen habe er an den funkelnden Augen seiner Schützlinge erkannt, dass in diesem Spitzenspiel ein Erfolg möglich ist. Wort gehalten hat Prade dann trotzdem; neben Pizza gab es nach dem Training am Montag auch einen Kasten Bier.

Es ist die Belohnung für eine hochklassige und sehr abwechslungsreiche Partie: Zu Beginn dominierten die Gäste das Geschehen; vor allem durch gute Abwehrarbeit im Mittelblock sicherte sich Pinnack den ersten Satz mit acht Punkten Differenz. Warum die KMTV Eagles nach der Niederlage die dritte Liga weiterhin anführen, demonstrierten sie im anschließenden Spielabschnitt; den zweiten Satz entschieden die Kieler ihrerseits mit 25:17.

Eine zehnminütige Pause nutzten Max Voigt, Stephan Radke und Kollegen, um sich neu zu besprechen. Was folgte, war Volleyball auf hohem Niveau; zwei um jeden Ball kämpfende Teams lieferten sich lange Ballwechsel, das Kieler Publikum honorierte das sehenswerte Spiel mit lautstarker Geräuschkulisse. Gerade im dritten Satz, in dem die Gäste einen lange währenden Rückstand noch drehen konnten, zeigte die Mannschaft Geschlossenheit und Willensstärke. Als schließlich der letzte Aufschlag der Eagles hinter der Grundlinie auf dem Boden landete, setzte das bei den Spielern des VfL Emotionen frei – der Großteil der Zuschauer hingegen verstummte. Dass die Partie auch andersherum hätte ausgehen können, ärgert seitdem nur den Gastgeber.

Der furiose Erfolg im achten Saisonspiel hat dem VfL-Team nicht nur drei wertvolle Punkte zur Festigung des vierten Platzes beschert. Der Anschluss an die Spitzengruppe der Liga hat den Pinnebergern Appetit auf mehr gemacht. „Nachdem wir in den letzten Jahren zwei Mal hintereinander Vierter geworden sind, wollen wir jetzt auch mal auf einen Medaillenrang“, erklärt Prade selbstbewusst. Nach drei Siegen ist der VfL im Aufwind, der Abstand nach unten ist größer (vier Punkte auf Platz fünf), die Distanz bis zur Tabellenspitze (drei Punkte) kleiner geworden.

Um dem eigenen Anspruch gerecht zu werden, muss die Mannschaft um Kapitän Sebastian Tanner an die Konstanz der vergangenen Wochen anknüpfen. In den letzten drei Begegnungen dieses Kalenderjahres erwarten die Spieler anspruchsvolle Aufgaben: „Eimsbüttel, Preußen Berlin und Warnemünde sind drei richtig dicke Brocken“, kommentiert Daniel Prade, um dann direkt zu ergänzen: „Alles drei zwar keine Gegner zum Durchmarschieren. Natürlich wollen wir aber alle Spiele gewinnen.“ Bleibt das Team bis zur Winterpause tatsächlich ungeschlagen, ist ein Überwintern auf einem der oberen drei angestrebten Plätze gesichert.

Als erstes muss sich Pinnack für dieses Ziel am Sonnabend (19 Uhr) beim Eimsbütteler TV durchsetzen. Der Gastgeber hat einige alte Bundesligaspieler in seinen Reihen. „Wenn wir sie spielen lassen, ein mehr als unangenehmer Gegner“, weiß Prade. Doch diese Schwäche haben die Pinneberger zuletzt erfolgreich abgestellt. Fehler-Serien, mit denen der Vfl Gegnern vor allem zu Beginn der Saison immer wieder leichtfertig Punkte abgab, sind weniger geworden. Auch der Coach scheint einiges richtig zu machen: „Ich habe die Trainingsintensität etwas runtergeschraubt. Wenn ich die Jungs immer trete, sind sie irgendwann platt.“